Politik

Angriff auf Kurden-Miliz

Erdogan kündigt Militäroperation in Syrien an

Die syrische Kurden-Miliz YPG wurde von den USA aufgerüstet - jetzt will die Türkei sie zerschlagen. Präsident Erdogan sagt, er werde in wenigen Tagen "unsere südliche Grenze vom Terror säubern".

AP

Türkischer Staatspräsident Erdogan

Sonntag, 14.01.2018   18:48 Uhr

Die türkischen Streitkräfte stehen nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan unmittelbar vor einer Operation gegen die Kurden-Milizen in Nordsyrien. Vor Anhängern seiner AKP im zentralanatolischen Tokat kündigte Erdogan an, "in den kommenden Tagen" werde die "Operation Schutzschild Euphrat" auf die Region Afrin ausgedehnt, die von der Kurden-Miliz YPG kontrolliert wird.

Ziel sei es, "unsere südliche Grenze vom Terror zu säubern". Erdogan fügte hinzu: "In diesem Prozess erwarten wir von unseren Verbündeten, dass sie im Geiste unserer tief verwurzelten Beziehungen handeln." Besonders die USA rief Erdogan dazu auf, "die legitimen Anstrengungen der Türkei zu unterstützen".

Die YPG ist ein großer Streitpunkt im Verhältnis der Türkei zu den USA. Die Amerikaner unterstützen die YPG und haben die Kurden-Miliz im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) mit Waffen ausgerüstet, was zu schweren Spannungen mit Ankara führte.

"Trotz allem glauben wir, dass wir gemeinsame Interessen mit Amerika in der Region haben und hoffen, dass wir gemeinsam handeln können", sagte Erdogan nun.

Sein Sprecher Ibrahim Kalin verkündete im Hinblick auf das Training einer neuen 30.000 Mann starken syrischen "Border Security Force" durch die von den USA angeführte Koalition: "Die USA unternehmen besorgniserregende Schritte zur Legitimierung der Organisation (YPG, Anm. d. Red.) und sorgen für ihren Bestand in der Region. Dies ist absolut inakzeptabel." Die YPG ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Zur Kapitulation aufgefordert

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, die türkischen Streitkräfte hätten bereits am Samstag und Sonntag an der Grenze zu Syrien Gebiete unter Kontrolle der YPG mit Artillerie beschossen. Am Samstag hatte Erdogan die YPG zur Kapitulation aufgefordert und gedroht, sie andernfalls innerhalb von "weniger als einer Woche" zu vernichten.

Seit der Operation "Schutzschild Euphrat", die im August 2016 mit dem Vormarsch gegen den IS begann, kontrolliert die türkische Armee eine rund 2000 Quadratkilometer große Fläche in Nordsyrien. Ziel der Militäroperation ist auch, die Bildung eines durchgängigen Korridors unter Kontrolle der YPG an der Südgrenze der Türkei zu verhindern.

Martialische Ankündigungen Erdogans, die sich gegen die YPG richten, sind an sich nicht neu. Bereits am vergangenen Dienstag hatte er gesagt: "Jetzt ist es soweit, das Projekt der separatistischen Terrororganisation, einen Syrien-Terrorkorridor zu errichten, vollkommen zunichte zu machen."

ele/dpa/Reuters

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