Politik

Orthodoxe Kirche in der Ukraine

Haus eines führenden Geistlichen in Kiew durchsucht

Der ukrainische Geheimdienst hat das Haus eines orthodoxen Geistlichen in hoher Funktion durchsuchen lassen. Der Vorfall dürfte die Spannungen im Konflikt mit Russland weiter verschärfen.

AFP

Kiewer Kirchenführer Pavlo

Freitag, 30.11.2018   12:30 Uhr

Dem Führer des Kiewer Höhlenklosters, Vater Pavlo, wird vorgeworfen, "Hass geschürt" zu haben. Der ukrainische Geheimdienst SBU hat deshalb sein Haus durchsucht. Das teilte der SBU-Chef Ihor Guskov mit. Pavlo leitet das größte und älteste Kiewer Kloster, das Teil der Russisch-Orthodoxen Kirche mit Sitz in Moskau ist.

Seit einiger Zeit gibt es innerhalb der ukrainischen Bevölkerung Bestrebungen, sich von der kremlnahen Kirchenführung in Moskau zu lösen und eine eigene unabhängige Nationalkirche zu bilden. Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko fordert eine Abspaltung von der russischen Kirchenführung, um eine politische Einflussnahme aus Moskau einzudämmen.

Die Hausdurchsuchung reiht sich zudem ein in eine Serie von Vorfällen im eskalierenden Konflikt zwischen Russland und der Ukraine.

Am vergangenen Sonntagabend hatten russische Einsatzkräfte zwei Patrouillenboote und einen Schlepper der ukrainischen Marine gehindert, vom Schwarzen Meer in das Asowsche Meer zu fahren. Die Schiffe wurden beschossen und festgesetzt. 24 Marinesoldaten wurden danach vor Gericht gestellt und sitzen nun wegen Vorwürfen des illegalen Grenzübertritts in Untersuchungshaft.

Am Dienstag hatte das ukrainische Parlament als Reaktion auf den Vorfall für 30 Tage das Kriegsrecht ausgerufen und die Freilassung der Matrosen gefordert. Die ukrainische Regierung erteilte zudem ein Einreiseverbot gegen russische Männer zwischen 16 und 60 Jahren.

fek/AP

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