Politik

Wahl in Tschechien

Populist Zeman liegt nach erstem Wahlgang vorne

Er präsentiert sich als Zuwanderungsgegner und Kämpfer für die kleinen Leute - Milos Zeman hat den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl in Tschechien für sich entschieden.

AFP

Tschechiens Präsident Milos Zeman und seine Frau Ivana

Samstag, 13.01.2018   23:45 Uhr

Er kam nach Auszählung fast alles Wahlzettel auf 38,6 Prozent der Stimmen: Der amtierende tschechische Staatschef Milos Zeman, der sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen stellt und als Freund Russlands gilt, hat die erste Wahlrunde um das Präsidentenamt klar für sich entschieden. In zwei Wochen zieht er gegen den parteilosen Chemieprofessor Jiri Drahos in die Stichwahl.

Drahos erreichte 26,6 Prozent, gefolgt von dem früheren Botschafter in Frankreich, Pavel Fischer (10,2 Prozent). Der konservative Ex-Ministerpräsident Mirek Topolanek lag abgeschlagen bei 4,3 Prozent.

Zeman pöbelt gern, hasst politische Korrektheit und positioniert sich konsequent als einsamer Kämpfer gegen das angeblich durch und durch korrupte tschechische und europäische Establishment (lesen Sie ein ausführliches Porträt hier). Als er am Samstag seine Stimme abgeben wollte, stürmte eine Femen-Aktivistin auf ihn zu und rief: "Zeman - Putins Schlampe". Ein Leibwächter überwältigte die junge Frau. Zeman war im November im Schwarzmeerort Sotschi mit Kremlchef Wladimir Putin zusammengekommen und setzt sich für ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland ein.

Am Nachmittag, als die Wahllokale schon geschlossen hatten, trat der Staatschef vor die Presse. Er dankte seiner Frau, dem populistischen Ministerpräsidenten Andrej Babis und dem Schlagersänger Karel Gott für ihre Unterstützung im Wahlkampf. "Mit der zweiten Runde fängt alles bei Null an", sagte Zeman. Zentrales Wahlkampfthema war auch seine Ablehnung von Einwanderern aus muslimischen Ländern. In der Vergangenheit sprach er von einer "organisierten Invasion" und sagte, es sei "unmöglich, Muslime zu integrieren".

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Präsidentenwahl in Tschechien: Pöbeln und provozieren

Sein Herausforderer Drahos vertritt deutlich liberalere, proeuropäische Positionen. Er sagte im Fernsehen, er wolle vor der zweiten Runde alle Wähler ansprechen, auch die seiner Gegenkandidaten, und die politische Kultur verbessern: "Ich denke erst und rede dann." Drahos hat vor, den Nato- und EU-Mitgliedsstaat wieder stärker nach Westen zu orientieren.

Der Präsident hat in Tschechien zwar nur eine repräsentative Rolle und wenig Befugnisse, allerdings traditionell eine große nationale Symbolwirkung. Deshalb kann er die öffentliche Stimmung im Land weitaus mehr beeinflussen als beispielsweise der deutsche Bundespräsident. Ebenso wie seine Vorgänger Václav Havel und Václav Klaus hat das auch Milos Zeman praktiziert, dabei aber in noch größerem Maße polarisiert.

Es zeichnete sich im ersten Wahlgang mit rund 60 Prozent eine ähnlich hohe Beteiligung der knapp 8,4 Millionen Berechtigten ab wie bei der ersten Volkswahl des Staatsoberhaupts vor fünf Jahren.

vks/eth/dpa

insgesamt 22 Beiträge
deraushh 13.01.2018
1. Rauswurf
ich bin überzeugt von dem europäischen Union und deren Idee. Das die ehemalige Ostblock Länder mal politisch was ausprobieren wollen und mal "seltsame " Parteien oder Präsidenten wählen wollen, das fand ich damals [...]
ich bin überzeugt von dem europäischen Union und deren Idee. Das die ehemalige Ostblock Länder mal politisch was ausprobieren wollen und mal "seltsame " Parteien oder Präsidenten wählen wollen, das fand ich damals okay (aber wiederwillig). Das nun diese Parteien und Präsidenten wiedergewählt werden, ist dich ein Zeichen, dass die Mehrheit der Bevölkerungen von diesen Länder nichts von den Europäischen Werten verstehen oder verstehen wollen. Daher sollten die EU diese Länder (Bremser) rauswerfen. Billiger wird es bestimmt auch. Polen darf dann endlich seine Gesetze verändern wie will und die Ungarn und Co. dürfen wie vor 1989 nach Moskau fahren und ihren geliebten Leader huldigen. Sorry, für meine Worte, aber ich verstehe die Menschen aus diesen Länder nicht...
mcgrant1 13.01.2018
2.
Wahrscheinlich ist genau das Gegenteil der Fall, sie kennen Sozialismus und Planwirtschaft und deshalb entscheiden sie sich gegen die EU. Auch in der EU wird von einer Nomenklatura zentral für alle Mitgliedsstaaten [...]
Zitat von deraushhich bin überzeugt von dem europäischen Union und deren Idee. Das die ehemalige Ostblock Länder mal politisch was ausprobieren wollen und mal "seltsame " Parteien oder Präsidenten wählen wollen, das fand ich damals okay (aber wiederwillig). Das nun diese Parteien und Präsidenten wiedergewählt werden, ist dich ein Zeichen, dass die Mehrheit der Bevölkerungen von diesen Länder nichts von den Europäischen Werten verstehen oder verstehen wollen. Daher sollten die EU diese Länder (Bremser) rauswerfen. Billiger wird es bestimmt auch. Polen darf dann endlich seine Gesetze verändern wie will und die Ungarn und Co. dürfen wie vor 1989 nach Moskau fahren und ihren geliebten Leader huldigen. Sorry, für meine Worte, aber ich verstehe die Menschen aus diesen Länder nicht...
Wahrscheinlich ist genau das Gegenteil der Fall, sie kennen Sozialismus und Planwirtschaft und deshalb entscheiden sie sich gegen die EU. Auch in der EU wird von einer Nomenklatura zentral für alle Mitgliedsstaaten entschieden, wie vormals in der UdSSR. Die Parallelen liegen auf der Hand, man muss sie sehen wollen.
Jáchym Kvasnička 13.01.2018
3.
Ich komme aus Tschechien also ich entschuldige für meine "nicht-so-gute" Deutsch. Ich versuche diese Wahl bischen erklären. Unser Land ist leider sehr verteilt. Eine Hälfte will die EU nicht, die andere, vieleicht [...]
Zitat von deraushhich bin überzeugt von dem europäischen Union und deren Idee. Das die ehemalige Ostblock Länder mal politisch was ausprobieren wollen und mal "seltsame " Parteien oder Präsidenten wählen wollen, das fand ich damals okay (aber wiederwillig). Das nun diese Parteien und Präsidenten wiedergewählt werden, ist dich ein Zeichen, dass die Mehrheit der Bevölkerungen von diesen Länder nichts von den Europäischen Werten verstehen oder verstehen wollen. Daher sollten die EU diese Länder (Bremser) rauswerfen. Billiger wird es bestimmt auch. Polen darf dann endlich seine Gesetze verändern wie will und die Ungarn und Co. dürfen wie vor 1989 nach Moskau fahren und ihren geliebten Leader huldigen. Sorry, für meine Worte, aber ich verstehe die Menschen aus diesen Länder nicht...
Ich komme aus Tschechien also ich entschuldige für meine "nicht-so-gute" Deutsch. Ich versuche diese Wahl bischen erklären. Unser Land ist leider sehr verteilt. Eine Hälfte will die EU nicht, die andere, vieleicht mit ein paar Vorbehalten, will in die EU bleiben. Es gibt 6 Kandidaten, die haben mehr als 2%. Und Zeman ist die einige davon, der EU nicht will. Darum ist er der erste. Aber in zweite Runde gibt es nur zwei Kandidaten - Zeman und Drahoš. Und ich denke, dass die Mehrheit von Leuten, die haben weder Zeman noch Drahoš nicht wählen, in zweite Runde den Drahoš wählen werden.
Nachtheinigte 13.01.2018
4. Zeman
Wenn ein erwünschter Politiker Mehrheiten erreicht, ist das prima. Doch wenn nicht gewünscht ist Mehrheiten gewinnt ist er natürlich ein Populist. Übrigens Populisten gibt es immer nur im Ausland !
Wenn ein erwünschter Politiker Mehrheiten erreicht, ist das prima. Doch wenn nicht gewünscht ist Mehrheiten gewinnt ist er natürlich ein Populist. Übrigens Populisten gibt es immer nur im Ausland !
mundi 13.01.2018
5. Unsere Werte sind nicht exportfähig
Was Sind Die Europäischen Werte? Beteiligung an völkerrechtswidrigen Aktionen, die bereits cor Jahren mit dem Überfall auf Serbien und die gewaltsame Abtrennung einer Provinz begannen, mit der widerspruchslosen Annektion [...]
Zitat von deraushhich bin überzeugt von dem europäischen Union und deren Idee. Das die ehemalige Ostblock Länder mal politisch was ausprobieren wollen und mal "seltsame " Parteien oder Präsidenten wählen wollen, das fand ich damals okay (aber wiederwillig). Das nun diese Parteien und Präsidenten wiedergewählt werden, ist dich ein Zeichen, dass die Mehrheit der Bevölkerungen von diesen Länder nichts von den Europäischen Werten verstehen oder verstehen wollen. Daher sollten die EU diese Länder (Bremser) rauswerfen. Billiger wird es bestimmt auch. Polen darf dann endlich seine Gesetze verändern wie will und die Ungarn und Co. dürfen wie vor 1989 nach Moskau fahren und ihren geliebten Leader huldigen. Sorry, für meine Worte, aber ich verstehe die Menschen aus diesen Länder nicht...
Was Sind Die Europäischen Werte? Beteiligung an völkerrechtswidrigen Aktionen, die bereits cor Jahren mit dem Überfall auf Serbien und die gewaltsame Abtrennung einer Provinz begannen, mit der widerspruchslosen Annektion von Nordzypern durch einen EU Kandidaten sich fortsetzten bishin mit der Beteiligung an Kriegen gegen Lybien und Syrien, Afghanistan und Irak? Teilnahmslos schaute man beim Völkermord in Ruanda zu, war strategisch nicht so wichtig. Legale Abtreibungen behinderte Menschen. Die Werte sind nicht exportfähig.

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