Politik

Zukunft der EU

Macron sieht Merkel auf Frankreich-Kurs

Mit einer furiosen Rede hatte Frankreichs Staatschef einen Dialog über Europas Zukunft angestoßen. Nun kam die Antwort von Angela Merkel, und die wertet Paris als Zustimmung zum Kurs Emmanuel Macrons.

REUTERS

Angela Merkel, Emmanuel Macron in Aachen

Montag, 04.06.2018   10:59 Uhr

Lange hatte Angela Merkel den französischen Präsidenten Emmanuel Macron nach dessen engagierter Rede zur Reform der EU im September warten lassen. Nun meldete sie sich in einem Zeitungsinterview, und die Reaktion aus Paris fällt zufrieden aus.

Aus dem französischen Präsidialamt heißt es, Merkel nähere sich "bei allen Themen der europäischen Souveränität" den französischen Zielen an. Das gelte etwa für das Thema Migration, teilte der Élysée-Palast mit.

Auch bei der Reform der Währungsunion gebe es eine Annäherung. Allerdings wurde in Paris angemerkt, bei diesem Thema müssten Deutschland und Frankreich in den kommenden Wochen noch "für eine ehrgeizigere Vereinbarung zur Bankenunion und der budgetären Kapazität der Eurozone" arbeiten.

Die Kanzlerin hatte in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" unter anderem ihre Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Eurozone vorgestellt. Als Ziele nannte sie dabei auch die Gründung eines Europäischen Währungsfonds und einen gemeinsamen "Investivhaushalt". Diesen Haushalt stellt sie sich allerdings deutlich kleiner vor als Macron es ursprünglich gefordert hatte.

Der Élysée-Palast sprach von einer "ersten Antwort" auf Macrons Rede an der Pariser Sorbonne-Universität vom September, in der er seine Ideen zur EU-Reform vorgelegt hatte. "Das ist eine positive Bewegung, die vom europäischen Engagement der Kanzlerin und ihrer Regierung zeugt", hieß es aus Paris weiter.

Der französische Staatschef musste wegen der zähen deutschen Regierungsbildung lange auf eine Antwort aus Berlin warten. Die beiden Länder wollen sich noch in diesem Monat auf einen gemeinsamen Fahrplan für die EU-Reform verständigen.

cht/dpa

insgesamt 24 Beiträge
GlobalerOptimist 04.06.2018
1. Im Kaffeesatz gelesen
Merkel macht nichts Neues mehr. Das ist bestimmt eine Zeitungsente. In der letzten Nummer des Spiegel haben Sie es treffend beschrieben, Merkel reist und wundert sich, was andere aus dem Boden stampfen, wir müssen [...]
Merkel macht nichts Neues mehr. Das ist bestimmt eine Zeitungsente. In der letzten Nummer des Spiegel haben Sie es treffend beschrieben, Merkel reist und wundert sich, was andere aus dem Boden stampfen, wir müssen "schneller" werden. Und ansonsten verkommt die Infrastruktur ... es bewegt sich nichts.
AlBundee 04.06.2018
2. Miss Hamilton
Eine rasante, flüssige Kommunikation über die Tageszeitung, gezeichnet von Gestaltungswillen und Innovationskraft. Au weia! Eine Kanzlerin als menschgewordener Malefizstein mit dem Lebensziel der Weiterentwicklungsblockade. [...]
Eine rasante, flüssige Kommunikation über die Tageszeitung, gezeichnet von Gestaltungswillen und Innovationskraft. Au weia! Eine Kanzlerin als menschgewordener Malefizstein mit dem Lebensziel der Weiterentwicklungsblockade. Macron stand so lange mit ausgestreckter Hand da, dass sich unter seinem Arm inzwischen Spinnengewebe gebildet haben. Und dann echauffiert man sich, dass in Italien, UK und anderswo "Populisten Europa kaputtmachen".
Michael123Michael 04.06.2018
3. Richtlinienkompetenz wird zur Diktatur
Und wieder müssen wir über die öffentlichen Medien Merkels neue Festlegung erfahren. Warum wird hier nicht der Bundestag bzw. werden die parlamentarischen Institutionen begangen. Merkel räumt jetzt den großen Schuldennehmern [...]
Und wieder müssen wir über die öffentlichen Medien Merkels neue Festlegung erfahren. Warum wird hier nicht der Bundestag bzw. werden die parlamentarischen Institutionen begangen. Merkel räumt jetzt den großen Schuldennehmern auch noch einen opulenten Dispo ein. Haften müssen wieder die Steuerzahler, die als solche auch nur noch wahrgenommen werden und von Demokratie und Mitbestimmung nichts mehr spüren!!!
n.wemhoener 04.06.2018
4.
Im Koalitionsvertrag steht der schöne Satz: "An dem bisherigen Ziel der Einführung der Finanztransaktionssteuer im europäischen Kontex halten wir fest." Nachdem Macron die FTS bereits beerdigt hat, steht zu [...]
Im Koalitionsvertrag steht der schöne Satz: "An dem bisherigen Ziel der Einführung der Finanztransaktionssteuer im europäischen Kontex halten wir fest." Nachdem Macron die FTS bereits beerdigt hat, steht zu befürchten, dass auch dieser Punkt im Koalitionsvertrag einer von vielen unverbindlichen Absichtserklärungen bleibt.
testuser2 04.06.2018
5. Die Franzosen erwarten zu viel
Die Europa oder EU-Initiative geht von Macron aus. Die Reaktion Merkels darauf war in dem letzten Jahr derart zurückhaltend, dass es als Ablehnung erkennbar war oder zumindest so, dass es unter Französicher Initiative abgelehnt [...]
Die Europa oder EU-Initiative geht von Macron aus. Die Reaktion Merkels darauf war in dem letzten Jahr derart zurückhaltend, dass es als Ablehnung erkennbar war oder zumindest so, dass es unter Französicher Initiative abgelehnt wurde. Die Franzosen sollten nicht den Fehler machen nicht zu erkennen, dass Merkel jetzt außenpolitisch auch deshalb Reaktion zeigt, da sie innenpolitisch von eigenen "Schwierigkeiten" ablenkt.

Verwandte Themen

Anzeige

Anzeige

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP