Politik

Zufriedenheitswerte

Merkel verliert in Umfrage zehn Prozentpunkte

59 Prozent der Deutschen sind laut ARD-"Deutschlandtrend" zufrieden mit der Arbeit von Angela Merkel. Damit liegt die Kanzlerin deutlich vor Herausforderer Martin Schulz - allerdings verlor sie im Vergleich zum Juli stark an Zustimmung.

SINGER/ EPA/ REX/ Shutterstock

Angela Merkel

Donnerstag, 10.08.2017   11:13 Uhr

Gut sechs Wochen vor der Bundestagswahl sind 33 Prozent der Deutschen laut ARD-"Deutschlandtrend" zufrieden mit der Arbeit von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Das sind vier Prozentpunkte weniger als bei der letzten Erhebung im Juli und der niedrigste Wert, der bisher im ARD-"Deutschlandtrend" für ihn gemessen wurde.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt auf 59 Prozent Zustimmung - deutlich mehr als Martin Schulz, allerdings auch deutlich weniger als im Juli. Bei der letzten Erhebung hatte Merkel noch zehn Prozentpunkte mehr erreicht.

Die Umfrage für den ARD-"Deutschlandtrend" wurde durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap. Die konkrete Fragestellung lautete: "Sind Sie zufrieden mit der politischen Arbeit von XY?"

Könnte man Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler direkt wählen, würden sich 52 Prozent für Merkel entscheiden, ein Minus von fünf Prozentpunkten. 30 Prozent würden Schulz wählen, ein Plus von zwei Prozent.

Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung insgesamt ist gesunken. Nur noch 47 Prozent der Bürger sind mit der Arbeit der Regierung zufrieden oder sehr zufrieden. Das sind acht Punkte weniger als im Vormonat. Gleichzeitig sind 51 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden. Erstmals seit März 2017 sind damit wieder mehr Befragte unzufrieden als zufrieden.

Dennoch lässt sich der Umfrage zufolge keine Wechselstimmung ausmachen. 49 Prozent sind dafür, dass die nächste Bundesregierung von CDU/CSU angeführt wird, das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Mai. 38 Prozent wünschen sich die SPD an der Spitze, ebenfalls zwei Prozentpunkte mehr als in der letzten Erhebung.

In der Sonntagsfrage änderte sich wenig. Würde der Bundestag am kommenden Sonntag gewählt, bliebe die Union mit 39 Prozent stärkste Kraft (keine Veränderung). Die SPD gewinnt einen Punkt dazu und kommt auf 24 Prozent. Für die Linke (neun Prozent) und die Grünen (acht) ändert sich nichts, FDP und AfD kommen beide auf acht Prozent (jeweils minus eins).

Im SPON-Wahltrend, der in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey erhoben wird, hatten die kleinen Parteien zuletzt allerdings zulegen können.

Anmerkung der Redaktion: Die Überschrift des Artikels lautete zunächst "Martin Schulz so unbeliebt wie nie". Tatsächlich sind nur noch 33 Prozent der Befragten zufrieden mit seiner politischen Arbeit, laut Infratest dimap ein historisch niedriger Wert. Gleichzeitig legt Schulz allerdings in der Kanzlerfrage zwei Prozentpunkte auf 30 Prozent zu. Die stärkste Verschiebung wiederum lässt sich bei den Zufriedenheitswerten der Deutschen mit der Arbeit von Kanzlerin Angela Merkel feststellen (minus zehn Prozentpunkte). Wir haben daher die Überschrift und den Aufbau des Artikels geändert. Zudem haben wir die genaue Fragestellung präzisiert, womit deutlich wird, dass es um die Zufriedenheit der Befragten mit der jeweiligen politischen Arbeit geht und nicht um Sympathie- oder Beliebtheitswerte.



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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

ehh

insgesamt 161 Beiträge
sarapo29 10.08.2017
1. diese ganzen Umfragen...
sind für mich überhaupt nicht nachvollziehbar: "Martin Schulz verliert laut einer Umfrage weiter an Zustimmung.. " Frage: Wodurch? Er findet (so wie der ganze derzeitige "Wahlkampf") doch gar nicht in der [...]
sind für mich überhaupt nicht nachvollziehbar: "Martin Schulz verliert laut einer Umfrage weiter an Zustimmung.. " Frage: Wodurch? Er findet (so wie der ganze derzeitige "Wahlkampf") doch gar nicht in der Öffentlichkeit statt... Zweifel? Dann suchen Sie in den News des Web mal nach ihm... Ich erwarte von SPON eine vernünftige Berichterstattung über die Parteien, ihre Kanditaten, deren Angebote usw. statt dieser "Pseudoberichterstattung" über... nix
Tharsonius 10.08.2017
2. Geschieht
ihm und der SPD sowas von recht. Das kommt davon wenn man als Arbeiter-nahe Partei seine prinzipien an der Arbeiterschaft verrät, mit der CDU kuschelt nur um mitregieren zu können. Dazu noch das gekuschel mit den Arbeitgebern [...]
ihm und der SPD sowas von recht. Das kommt davon wenn man als Arbeiter-nahe Partei seine prinzipien an der Arbeiterschaft verrät, mit der CDU kuschelt nur um mitregieren zu können. Dazu noch das gekuschel mit den Arbeitgebern anstatt Kante zu zeigen. Zuguterletzt den kleinen Mann mit der Agenda 2010 bluten zu lassen rächt sich damit dann auch. Das Ergebnis? Die SPD versinkt zunehmend in der Bedeutungslosigkeit....genauso wie die Grünen und die FDP. Wir bewegen uns peu a peu auf einen demokratisch gewählten Einparteienstaat zu...zumindest was die mehrheitsverhältnisse betrifft. Good Job ^^
rubberducki 10.08.2017
3. Die arme Sau ...
wie man in Bayern mitleidig zu sagen pflegt. Nach dem anfänglichen Medien- und Meinungs-Hype die totale Demontage ... und trotzdem gibt er nicht auf. Don >Martin Schulz< Quijote und sein Gehilfe Sancho >Sigmar [...]
wie man in Bayern mitleidig zu sagen pflegt. Nach dem anfänglichen Medien- und Meinungs-Hype die totale Demontage ... und trotzdem gibt er nicht auf. Don >Martin Schulz< Quijote und sein Gehilfe Sancho >Sigmar Gabriel< Panza kämpfen verbissen und überdeutlich wenig aussichtsreich gegen die schwarzen Windmühlen. Entweder leiden die Beiden unter totalem Realitätsverlust oder/und sind total schmerzbefreit, was eine polittische Demütigung angeht. Das Zeitfenster für eine richtungsweisende Umgruppierung haben sie sowas von verfehlt!. Die kommende Wahl wird wohl für eine alte Regierungspartei mit einem mehr als unrealistischen Regierungsanspruch in eine massive Existenzkrise münden. Das passiert, wenn man den Wähler und seine Sorgen nicht wirklich ernst nimmt. Die zögerliche Wahlkampfstrategie von Frau Merkel vermittelt wenigstens oberflächlich mehr Glaubwürdigkeit ... trotz Flüchtlingschaos. Das ist nicht gut, den ohne eine machthungrige und kompetent bissige Opposition mit entsprechenderr politischer Schlagkraft kann die Regierung ungehemmt weiter Mist bauen. Das kann bestimmt nicht im Sinne der deutschen Bürger sein.
capote 10.08.2017
4. Nachtigall, ick hör Dir trapsen!
Es ist nichts passiert, es hat keiner und keine was gesagt und nun plötzlich, ohne jeden Grund, soll die GroKo bzw. Ihre Parteien an Zustimmung verlieren. Nachtigall, ick hör Dir trapsen! Der Wahltermin und damit die [...]
Es ist nichts passiert, es hat keiner und keine was gesagt und nun plötzlich, ohne jeden Grund, soll die GroKo bzw. Ihre Parteien an Zustimmung verlieren. Nachtigall, ick hör Dir trapsen! Der Wahltermin und damit die Stunde der Wahrheit rückt näher und die Umfrageergebnisse müssen sich langsam in Richtung Realität bewegen. Das Wunschdenken und die "gekauften Umfrageergebnisse" werden weniger. Man kann nicht erst eine Woche vor den Wahlen verkünden, der Schulz-Hype sei beendet und dann fährt die SPD das schlechtste Ergebnis Ihrer Geschichte ein....
NoBrainNoPain 10.08.2017
5. Legt zu, ist aber unbeliebt wie nie...
manchmal habe ich den Eindruck, die Presse verbreitet bewusst eine negative Stimmung gegenüber Schulz bzw. der SPD. Oder wie kann es sein, dass der Inhalt des Artikells der Headline so ziemlich widerspricht? So kann man auch [...]
manchmal habe ich den Eindruck, die Presse verbreitet bewusst eine negative Stimmung gegenüber Schulz bzw. der SPD. Oder wie kann es sein, dass der Inhalt des Artikells der Headline so ziemlich widerspricht? So kann man auch eine Wahl beeinflussen...

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