Politik

Wahlergebnis der FDP

Liberale ziehen in bayerischen Landtag ein

Die FDP hat zwar zugelegt in Bayern, ihr Einzug ins Maximilianeum war aber zunächst unklar. Erst am frühen Montagmorgen war die Zitterpartie beendet - die Liberalen haben es knapp über die Fünfprozenthürde geschafft.

DPA

FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen (2.v.l) und seine Frau Anisha Hagen (links) bei der Wahlparty der FDP in München

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Montag, 15.10.2018   03:00 Uhr

Die Liberalen mussten am Sonntagabend um den Einzug in den Landtag bangen. In den Hochrechnungen von ARD und ZDF hielt sich die FDP über Stunden um den knappen Wert von fünf Prozent, also der Sperrklausel für einen Einzug ins Parlament. Erst am frühen Montagmorgen brachte das vorläufige Endergebnis die Erleichterung: Die FDP ist mit 5,1 Prozent drin. Sie wird künftig mit elf Abgeordneten im Landtag vertreten sein.

FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen hatte schon zuvor in München gesagt: "Natürlich hätten wir gerne weniger gezittert heute Abend." Und die FDP-Führung in Berlin machte das Beste aus der Lage. Bayern sei für die FDP schon immer ein schwieriges Pflaster gewesen, so Parteichef Christian Lindner. "Aber heute haben wir nach einem engagierten Wahlkampf den Optimismus, dass am Ende dieses Abends es in Bayern die zehnte Landtagsfraktion der Freien Demokraten in Deutschland gibt." Das sei "ein Erfolg".

Landtagswahl Bayern 2018

Vorläufiges Endergebnis

Gesamtstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CSU
37,2
-10,5
SPD
9,7
-10,9
Freie Wähler
11,6
+2,6
Grüne
17,5
+8,9
FDP
5,1
+1,8
Die Linke
3,2
+1,1
AfD
10,2
+10,2
Sonstige
5,4
-3,3
Sitzverteilung
Insgesamt: 205
Mehrheit: 103 Sitze
22
38
27
11
85
22
Quelle: Landeswahlleiter

Der FDP-Chef war an einer Regierungsbeteiligung in Bayern interessiert. Noch am Freitag hatte Lindner dem SPIEGEL gesagt: "CSU und Freie Wähler werben hinter den Kulissen bereits um uns." Seine Partei sei, sofern sie in den Landtag komme, bereit, Gespräche aufzunehmen, so der bayerische FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen. "Unsere Nummern sind bekannt", sagte der 37-Jährige Kommunikationsberater mit Blick auf die CSU.

Hagen am Montagmorgen: FDP wird für Regierungsbildung nicht gebraucht

Für die FDP wäre der Gang in eine Landesregierung unter Führung von Söder ein Wagnis. Die Erinnerungen an die letzte Koalition mit der CSU sind alles andere als gut. Schließlich war die Partei 2008 aus der außerparlamentarischen Opposition mit einem Ergebnis von immerhin acht Prozent in die bayerische Landesregierung gekommen - um schließlich fünf Jahre später wieder hochkant aus dem Landtag herauszufliegen. Eigene Fehler, das damals schlechte Image der FDP in der schwarz-gelben Koalition im Bund und der wenig FDP-freundliche Kurs des damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) führten am Ende dazu, dass die Liberalen im Herbst 2013 deutlich unter fünf Prozent fielen.

Doch im Verlaufe der Nacht stellte sich heraus: Die FDP wird womöglich für eine Koalition gar nicht mehr gebraucht. CSU und "Freie Wähler" könnten nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis eine stabile Zweier-Koalition bilden - beide kämen auf 112 Sitze und hätten damit bei erwarteten 205 Sitzen im künftigen Landtag eine deutliche Mehrheit (plus neun Sitze).

FDP-Spitzenkandidat Hagen und Parteichef Lindner zollten dem Ergebnis am Montagmorgen in der Bundespressekonferenz in Berlin Tribut. Lindner nannte den Einzug ins bayerische Parlament als "Erfolg und Stärkung" auch für die Bundespartei. Ihm wäre ein Bündnis von CSU und Freien Wählern mit der FDP als Korrektiv lieb gewesen, ergänzte er.

Doch dazu wird es nun nicht mehr kommen.

Der Wähler habe der FDP einen Oppositionsauftrag gegeben, so Hagen. "Die FDP", stellte der FDP-Spitzenkandidat fest, "wird nicht für eine Regierungsbildung gebraucht."

insgesamt 4 Beiträge
Vogel VT 15.10.2018
1. Im Ernst?
Was auch immer Bayern und Deutschland oder Europa und die Welt brauchen, es sind nicht geistig und moralisch zurückgebliebene neoliberale Erfüllungsgehilfen. Davon gibt es genug.
Was auch immer Bayern und Deutschland oder Europa und die Welt brauchen, es sind nicht geistig und moralisch zurückgebliebene neoliberale Erfüllungsgehilfen. Davon gibt es genug.
schmidthomas 15.10.2018
2. Schön, wenn es die FDP schafft und....
damit Bestandteil des bürgerlichen Blocks im bayerischen Parlament wird. Ob nun in Regierungsverantwortung oder nicht. Sollte die Koalition zwischen CSU und FW zustande kommen, wovon man getrost ausgehen darf, verfügt diese [...]
damit Bestandteil des bürgerlichen Blocks im bayerischen Parlament wird. Ob nun in Regierungsverantwortung oder nicht. Sollte die Koalition zwischen CSU und FW zustande kommen, wovon man getrost ausgehen darf, verfügt diese Regierung dann über 2 inhaltliche ähnliche Backups in der Opposition. Eine so breite konservativ-bürgerliche Mehrheit sucht man in Deutschland andernorts vergebens. CSU-Herz, was willst du mehr?
neutralfanw 15.10.2018
3.
Ich hoffe, die bayerische FDP hat verstanden, warum sie gerade so über die 5%-Hürde gerutscht ist. Also nicht überbewerten. Alle Parteien haben Stimmen hinzugewonnen, außer CSU und SPD. Die FDP ist nicht durch ihr Programm [...]
Ich hoffe, die bayerische FDP hat verstanden, warum sie gerade so über die 5%-Hürde gerutscht ist. Also nicht überbewerten. Alle Parteien haben Stimmen hinzugewonnen, außer CSU und SPD. Die FDP ist nicht durch ihr Programm bzw. durch hervorragenden Wahlkampf aufgefallen. Das weiß die bayerische FDP.
eunegin 15.10.2018
4. Und was will die FDP? Wer braucht die FDP?
Als Bayern ist mir absolut unklar, was diese Partei dem Freistaat bringt. Einige Berufsgruppen werden sich freuen, aber insgesamt ist die FDP in Bayern ein Rohrkrepierer. So war das selbst in der zum Glück kurzen Koalitionszeit. [...]
Als Bayern ist mir absolut unklar, was diese Partei dem Freistaat bringt. Einige Berufsgruppen werden sich freuen, aber insgesamt ist die FDP in Bayern ein Rohrkrepierer. So war das selbst in der zum Glück kurzen Koalitionszeit. Schade, dass sie im Landtag sind. Allerdings immer noch bessere Sesselwarmhalter als die stänkernden Anti-Demokraten der AfD.

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