Politik

Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen

Freigestellter Direktor klagt gegen Kündigung

Wegen Belästigungsvorwürfen wurde der Vizedirektor der Gedenkstätte Hohenschönhausen entlassen. Kurz darauf wurde dem Leiter Hubertus Knabe gekündigt. Nun wehren sich beide juristisch.

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Hubertus Knabe

Donnerstag, 11.10.2018   13:45 Uhr

Der entlassene Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat rechtliche Schritte gegen seine Kündigung eingeleitet. Am Berliner Arbeitsgericht ist laut einer Sprecherin eine Klage Knabes gegen die Gedenkstättenstiftung eingegangen. Ein Verhandlungstermin stehe noch nicht fest. Auch Knabes bisheriger Stellvertreter, Helmuth Frauendorfer, habe Klage eingereicht. Ihm war ebenfalls zuvor gekündigt worden.

Knabe hatte die Gedenkstätte Ende September nach einer Sondersitzung des Stiftungsrates verlassen müssen. Grund war eine Affäre um sexuelle Belästigungen von Frauen, in der vor allem Vizedirektor Frauendorfer im Fokus stand. Ausgelöst wurde der Fall durch einen Brief mehrerer Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen.

Demnach soll der Vizedirektor über Jahre Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Die Senatsverwaltung leitete daraufhin Untersuchungen ein. Der Stiftungsrat, dessen Vorsitzender Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) ist, entschied schließlich einstimmig, dass nicht nur Frauendorfer, der zunächst beurlaubt worden war, seinen Posten verlieren soll, sondern auch der Gedenkstättendirektor Knabe.

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Gedenkstätte Hohenschönhausen

Sowohl Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) als auch Lederer betonten zuletzt, Knabe sei keiner Intrige und keinen ideologischen Erwägungen zum Opfer gefallen. Der frühere Gedenkstättenleiter gilt als scharfer Kritiker der Linken. Grütters schrieb in einer Information für Bundestagsabgeordnete, entscheidend sei das verloren gegangene Vertrauen in Knabes Führungskraft gewesen.

Der Stiftungsrat habe den Eindruck gewonnen, dass der Historiker über Jahre Missstände in seinem Haus geduldet und sie durch seinen Führungsstil und sein eigenes Verhalten sogar befördert habe. In der Debatte meldeten sich jüngst erneut die Frauen zu Wort, die im Juni die Vorwürfe gegen ihre Vorgesetzten erstmals bekannt gemacht hatten. "Die öffentliche Diskussion der letzten Wochen ist in eine bedenkliche Schieflage geraten: Es geht kaum noch um die Erfahrungen der betroffenen Frauen und die Frage nach dem Umgang mit Machtverhältnissen", schreiben sie in einem Brief, der dem SPIEGEL vorliegt, an den Beirat und den Stiftungsrat der Gedenkstätte.

Die Verfasserinnen verwahren sich gegen Vorwürfe, sie seien Teil einer politischen Kampagne und würden die Aufarbeitung der DDR-Diktatur beschädigen wollen.

asa/dpa

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