Politik

SPON-Regierungsmonitor

Seehofer verliert massiv an Zustimmung

Horst Seehofer wollte mit seiner harten Flüchtlingslinie Wähler zurückgewinnen - und zettelte einen Streit mit Kanzlerin Merkel an. Eine SPON-Umfrage zeigt: Der CSU-Innenminister ist Verlierer des Konflikts.

AFP

Horst Seehofer

Montag, 09.07.2018   13:05 Uhr

Der Streit um die Migrationspolitik zwischen CDU und CSU endete beinahe im Bruch des gemeinsamen Bündnisses: Wochenlang beherrschte der Zwist zwischen Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Schlagzeilen, lähmte die politische Arbeit in Berlin. Geschadet hat das vor allem CSU-Mann Seehofer. Das zeigt der SPON-Regierungsmonitor in Zusammenarbeit mit dem Online-Meinungsforschungsinstitut Civey.

Kein anderer Minister verlor seit der Auswertung vom 20. Juni derart stark bei den Zufriedenheitswerten. Die Debatte um eine nationale oder europäische Linie in der Flüchtlingspolitik hatte sich seitdem noch einmal zugespitzt. Seehofer kritisierte Merkels Ergebnisse des EU-Gipfels zur Asylpolitik, drohte mit Rücktritt und hielt dann doch durch einen Kompromiss an seinem Amt fest.

Die Umfrageteilnehmer nahmen das eher negativ auf: Im Ranking rutschte Seehofer von Platz zwei auf den zwölften Rang ab - und liegt damit deutlich hinter seiner Widersacherin Merkel.

Beim SPON-Regierungsmonitor handelt es sich um eine bundesweite Befragung. In Bayern selbst, so zeigte es der jüngste SPON-Wahltrend, hat die CSU offenbar - bislang - keinen Schaden durch den Asylkonflikt genommen.

Um die repräsentativen Bewertungen der Minister und der Kanzlerin vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem Scoringverfahren (lesen Sie hier mehr zum Verfahren). Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Die Kanzlerin dagegen legte bei den Zufriedenheitswerten so stark zu wie kein anderer Minister der Regierung. Ihr Ansatz, eine europäische Lösung im Asylstreit zu verfolgen, kommt bei den Menschen offenbar an. Sie gibt den zwölften Platz an Seehofer ab und belegt nun Platz sechs.

Andere CDU-Politiker haben durch den Streit bei den Zufriedenheitswerten dagegen verloren: Besonders stark CDU-Hardliner und Gesundheitsminister Jens Spahn, der nun den letzten Platz im Minister-Ranking belegt.

Als Gewinner der vergangenen Wochen kann sich Olaf Scholz (SPD) sehen. Der Finanzminister und Vizekanzler ist im Schatten des Asylstreits zum beliebtesten Politiker aufgestiegen.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mho

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