Politik

Berliner Senatorin über Missbrauchserlebnis

"Vier Jungen haben mich begrapscht"

Zum Auftakt der Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt" hat die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres über eigene Erfahrungen gesprochen: Als Schülerin sei sie Opfer eines Übergriffs geworden.

DPA

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD)

Mittwoch, 26.09.2018   17:01 Uhr

Bei einer Pressekonferenz hat die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) von ihren eigenen Erfahrungen mit Missbrauch berichtet. Demnach sei sie als Achtklässlerin in Düsseldorf von vier Jungen sexuell belästigt worden.

Die Jungen, ebenfalls Schüler, hätten sie gepackt und in einen Keller gezogen. "Sie hielten meine Hände umklammert und haben mich begrapscht", sagt Scheeres. Als sie von ihr abgelassen hätten, sei Scheeres zu ihrem Klassenraum gerannt, habe die Tür aufgerissen und geschrien: "Ich krieg euch alle!" Der Lehrer habe sie daraufhin vor die Tür begleitet und gefragt, was los sei. "Ich will nicht petzen!", habe Scheeres nach eigenen Angaben zunächst geantwortet. Ihr Lehrer habe sie daraufhin jedoch überzeugen können, über das Erlebte zu sprechen. "Die Scham ist so groß", sagte die Senatorin. Bis heute habe sie das Erlebnis im Kopf.

Mit dieser persönlichen Geschichte hat Scheeres die Initiative "Schulen gegen sexuellen Missbrauch" in Berlin eingeleitet. Nach Angaben der Bildungsverwaltung sollen alle Schulen Konzepte entwickeln, um Kinder und Jugendliche zu schützen und ihnen zu helfen. "Sexueller Kindesmissbrauch hat in Deutschland noch immer eine erschütternde Dimension", sagte Scheeres. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind in jeder Schulklasse zwei bis drei Kinder von sexuellen Übergriffen betroffen. Diese "brauchen dringend kompetente Ansprechpersonen", so die Senatorin.

Scheeres habe sich dazu entschieden, über ihre persönliche Erfahrung zu sprechen, um zu zeigen, wie wichtig es sei, sexuellen Missbrauch nicht zu verschweigen, sagte eine Sprecherin der Senatorin.

asc

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