Reise

EU-Geschenk an 18-Jährige

Bewerbungsfrist für Gratis-Interrail-Tickets läuft

Junge Europäer können sich ab sofort zwei Wochen lang für Gratis-Interrail-Tickets bewerben. Die Gewinner sollen dann als "EU-Botschafter" von ihrer Reise berichten.

imago/ Westend61
Mittwoch, 13.06.2018   11:59 Uhr

Endlich volljährig - auf in ein Sommer-Abenteuer quer durch Europa! Die EU-Kommission verschenkt in diesem Jahr mindestens 20.000 Interrail-Tickets an 18-jährige EU-Bürger. Ab 12. Juni können sie sich zwei Wochen lang für die erste Runde bewerben.

Die Aktion wurde von der EU-Kommission ins Leben gerufen. Doch wie kann man sich bewerben und wohin kann man mit dem Ticket überhaupt fahren?

Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wohin? Mit dem sogenannten Travel-Pass kann man in bis zu vier EU-Länder reisen - hauptsächlich per Zug, manchmal per Bus oder Fähre. Unterkunft und Verpflegung zahlt man jedoch selbst. Die Reise muss in einem der 28 EU-Länder starten, darf bis zu 30 Tage dauern und muss zwischen dem 9. Juli und dem 30. September dieses Jahres stattfinden. Eine zweite, kleinere Bewerbungsrunde soll im September folgen.

Wer? Um die ersten 15.000 Tickets können sich EU-Staatsangehörige bewerben, die zwischen dem 2. Juli 1999 und dem 1. Juli 2000 geboren wurden. Anmelden können sich Einzelpersonen oder Gruppen von bis zu fünf Personen. Die Tickets werden nach der Bevölkerungszahl der Staaten verteilt - für Deutschland gibt es also relativ viele. Behinderte können Hilfen wie etwa eine Begleitperson beantragen.

Wie? Seit 12. Juni kann man sich zwei Wochen lang online bewerben - Schluss ist am 26. Juni um 12 Uhr. Bewerber müssen Angaben zu ihrer geplanten Reise machen und fünf Quizfragen beantworten, in denen es um das Europäische Kulturerbe-Jahr 2018 und EU-Jugendinitiativen geht. Als Stichfrage muss man außerdem schätzen, wie viele Bewerbungen es geben wird - damit wird die Auswahl getroffen, falls es mehr Bewerbungen mit richtigen Antworten als Travel-Pässe gibt.

Wieso? Die Aktion "DiscoverEU" geht zurück auf die Idee von Aktivisten, jedem EU-Bürger zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket zu schenken, um junge Leute mit dem Kontinent und seinen Kulturen vertraut zu machen. Die Teilnehmer sollen als "Botschafter" von ihren Reiseerlebnissen berichten, etwa über soziale Medien wie Instagram oder bei einem Vortrag in ihrer Schule.

Was kostet das? Die EU gibt in diesem Jahr 12 Millionen Euro dafür aus - das soll für mindestens 20.000 Interrail-Tickets reichen, vielleicht sogar bis zu 30.000. Wenn EU-Parlament und Rat zustimmen, könnten zwischen 2021 und 2027 insgesamt 700 Millionen Euro für weitere Reisen bereitstehen - das würde Interrail-Tickets für rund 1,5 Millionen junge Europäer bedeuten. Das Ticket selbst ist etwa 255 Euro wert.

kry/dpa

insgesamt 4 Beiträge
maipiu 13.06.2018
1. Auf geht's Jungs und Mädels!
Das ist eine der besten Ideen, die die EU-Bürokraten je hatten: junge Leute Europa entdecken und sie darüber berichten lassen. Ich selber bin in diesem Alter mit so einem Ticket gereist und erinnere mich heute noch sehr gerne [...]
Das ist eine der besten Ideen, die die EU-Bürokraten je hatten: junge Leute Europa entdecken und sie darüber berichten lassen. Ich selber bin in diesem Alter mit so einem Ticket gereist und erinnere mich heute noch sehr gerne daran. Leute, bewerbt Euch und raus in die Welt! In diesem Fall bedeutet reisen = reifen.
rundumglücklich 13.06.2018
2. Schäbig ...
JEDEM 18-jährigen ein Ticket zu schenken war die beste Idee, die jemals gegen Europaskepsis und -frust gedacht worden ist. Nichts hat mich und meine Einstellung zu unseren europäischen Nachbarn so geprägt wie meine 4 [...]
JEDEM 18-jährigen ein Ticket zu schenken war die beste Idee, die jemals gegen Europaskepsis und -frust gedacht worden ist. Nichts hat mich und meine Einstellung zu unseren europäischen Nachbarn so geprägt wie meine 4 Interrail-Reisen zwischen dem 16. und 26. Lj. Die kolportierten Kosten von 2,3 Milliarden Euro, würde man allen 18-jährigen ein Ticket schenken, sind doch eine Milchmädchenrechnung. Erstens würden niemals wirklich alle ihr Ticket nutzen. Ich schätze, schon 10-20 % wäre hoch gegriffen. Zweitens handelt es sich bei den meisten Bahnen um Staatsbetriebe, deren Züge eh fahren. Die Kosten würden also rein formal entstehen. Und drittens würden selbst wenn tatsächlich 2.3 Milliarden an Kosten anfielen, diese angesichts eines EU-Haushalts von über 1200 Milliarden Euro gerade einmal 0.2 % ausmachen. Die geplanten 12 Mio Euro (entspricht 0.0001% des geplanten Haushalts) sind einfach schäbig als Budget für eine Idee, die wirklich etwas für die Zukunft Europas bewirken könnte.
Plasmabruzzler 13.06.2018
3.
Was? Die Berechtigung für die Tickets ist allein an das Alter geknüpft? Wo bleibt der Aufschrei oder Anti-Diskriminierungs-Beauftragten? Hier liegt doch glasklar ein Fall von Altersdiskriminierung vor.
Was? Die Berechtigung für die Tickets ist allein an das Alter geknüpft? Wo bleibt der Aufschrei oder Anti-Diskriminierungs-Beauftragten? Hier liegt doch glasklar ein Fall von Altersdiskriminierung vor.
srothe 14.06.2018
4. Interrail...
Herrliche Erinnerungen werden wach. Auf dem Weg nach Abisko in Nordschweden mit anderen Wanderern Kaffe kochen im Abteil des "Nordpilen" Nachtzuges, mit 20 Wanderern aus der ganzen Welt ein herrlich improvisiertes [...]
Herrliche Erinnerungen werden wach. Auf dem Weg nach Abisko in Nordschweden mit anderen Wanderern Kaffe kochen im Abteil des "Nordpilen" Nachtzuges, mit 20 Wanderern aus der ganzen Welt ein herrlich improvisiertes Kaesefondue in der JH Grindelwald in der Schweiz, die Fahrt mit dem alten Glacier Express (der mit den schiefen Glaesern, wegen der Steigung), quer durch Frankreich und Spanien bis nach El Ferrol am Atlantik, der Strassenmusiker in Trondheim/Norwegen, der mir am letzten Tag bevor ich wegen Geldmangel vorzeitig zurueckreisen wollte mit einem Griff in seinen Gitarrenkoffer eine Handvoll norwegischer Kronen gab, die mich 1 Woche weiterfinanziert haben (er hatte mich vorher gefragt, was meine naechsten Ziele waren), und so viel mehr. Mein Englisch habe ich dabei gelernt, im Gymnasium war das zeitgleich nur eine 5 wert (heute schreibe ich Fachgutachten in der Sprache). Mit Interrail konnte ich bereits in den 80 er Jahren das heutige grenzenlose Europa ein wenig erleben, trotz Passkontrollen und verschiedener Waehrungen. Eine bessere Moeglichkeit, gegen Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus/Isolationismus anzuarbeiten gibt es fast nicht. Ich goenne jedem der bei dieser Lotterie gewinnt von Herzen die Reise! Und, @3, nein ich fuehle mich nicht altersdiskriminiert. Ich kann heute reisen wohin und so viel ich will, auch weil ich dank Interrail in meiner Jugend gelernt habe wie einfach das ist und wie freundlich man geholfen bekommt. Und natuerlich weil reisen in Europa dank Euro und Schengen Raum noch viel einfacher geworden ist. Gruesse aus Oslo (da lebe ich heute, u.a. auch weil ich dank Interrail zum Skandinavien Fan geworden bin)

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