Reise

Betrug mit Sparpreis-Tickets

Bahn schränkt Zahlungsarten für Online-Buchung ein

Wer online einen stornierbaren Fahrschein zum Sparpreis buchen will, kann ihn derzeit nicht per Lastschrift bezahlen. Die Deutsche Bahn reagiert mit dieser Einschränkung auf eine Serie von Betrugsfällen.

DPA

Bahn-App "DB Navigator"

Donnerstag, 20.12.2018   09:57 Uhr

Bahnkunden können bis auf weiteres keine Sparpreis-Tickets per Lastschrift bezahlen, wenn sie auf bahn.de und in der App "DB Navigator" buchen. Der Grund: Die Deutsche Bahn verzeichnet zurzeit "verstärkt betrügerische Aktivitäten", die dazu führen, dass die Buchung von Tickets mit bestimmten Zahlungsmitteln eingeschränkt wurde.

"Wir haben diese Maßnahme zum Schutz unserer Kunden ergriffen und bitten dafür um Verständnis", sagte ein Unternehmemssprecher. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass unsere Services so schnell wie möglich wieder wie gewohnt zur Verfügung stehen werden." Einen Zeitrahmen nannte er nicht.

Bereits im November hatte die Bahn die Summe gesenkt, die per Lastschrift abgebucht werden konnte. Sparpreis-Tickets mit einem Wert von mehr als 150 Euro konnten nur mit Sofortüberweisung oder Kreditkarte unter Abfrage des 3D-Secure-Passwortes bezahlt werden. Im Moment sind überhaupt keine Zahlungen per Lastschrift mehr für Sparpreis-Tickets möglich, die storniert werden können.

Auf den Seiten der Bahn-Community im Internet entlädt sich der Zorn etlicher Bahnfahrer. Bemängelt wird eine fehlende Information für die Kunden, die zum Teil seit langer Zeit das Lastschrift-Verfahren nutzen. Viele verweisen darauf, dass das 3D-Secure-Verfahren nicht kurzfristig verfügbar sei, sondern erst nach Rücksprache mit der Bank. Klar ist: Die Betrügereien sind auch nicht wegen der Zahlungsart Lastschrift möglich geworden, sondern wegen des von der Bahn geänderten Rückzahlungsmodus bei stornierten Tickets.

Die Masche der Betrüger

Bis Ende Juli fielen bei der Stornierung eines Sparpreis-Tickets 19 Euro Bearbeitungsgebühr an. Der Rest wurde zurückgezahlt - auf dem gleichen Wege, auf dem der Kunde gezahlt hatte. Den Restbetrag bekam man bei der Lastschrift also wieder auf sein Girokonto. Seit dem 1. August fallen nun noch zehn Euro Bearbeitungsgebühr an, der Restbetrag wird allerdings als Stornogutschein ausgegeben, der für einen erneuten Ticketkauf verwendet werden kann. Der Stornogutschein ist ein siebenstelliger Code, der drei Jahre gültig ist und in Reisezentren und DB-Agenturen, am Automaten oder auf bahn.de eingelöst werden kann.

An diesem Punkt haben die Betrüger angesetzt, so die ermittelnde Bundespolizei. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird davon ausgegangen, dass bislang nicht identifizierte Täter über einen bisher unbekannten Kanal an Kreditkartendaten und/oder Kontodaten gelangen." Diese Daten hätten die Betrüger dann verwendet, um "Onlinetickets (OLT) im Sparpreissegment" zu kaufen. "Bei den derzeit hier bekannten Fällen handelt es sich auch um hochpreisige Buchungen im Wert von bis zu 2500 Euro je Fahrtstrecke", so die Bundespolizei in Potsdam.

Die Masche der Betrüger: Die ergaunerten Online-Tickets stornierten sie postwendend und ließen sich die Storno-Gutscheine per Mail schicken. "Nach derzeitigem Sachstand werden die Gutscheine im Anschluss zum Kauf angeboten und weiterveräußert", so die Bundespolizei. Um die Herkunft der Gutscheine zu verschleiern, kauften die Täter mit diesen teilweise auch neue Bahn-Tickets, stornierten diese erneut, um einen anderen Gutschein-Code über den Restwert zu erhalten.

Bahn warnt vor Phishing-E-Mails

Nach Angaben eines Bahn-Sprechers basieren die Betrugsfälle "auf sogenannten Phishing-E-Mails". Offenbar hatten sich die Täter Zugang verschafft zu Mail-Accounts, über die "Passwort vergessen"-Option auf bahn.de sich an diese Mailadressen neue Passworte schicken lassen und so das Login von bestehenden Kunden übernommen. Im Lastschriftverfahren wurden von deren Konten dann zum Teil hohe Beträge abgebucht. Die Bahn betont: "Ganz wichtig: Es sind keine bahn.de- beziehungsweise DB-Navigator-Konten gehackt worden."

Die Bahn warnt auf ihrer Website vor konkreten Phishing-E-Mails, in denen "Kunden unter Androhung von Kosten und einer Kontosperrung zum Besuch einer in der E-Mail genannten Webseite 'zur Kontoüberprüfung' aufgefordert" werden. "Hierbei handelt es sich nicht um eine von der Deutschen Bahn autorisierten Aktion. Sollten Sie eine derartige E-Mail erhalten, löschen Sie diese bitte ungeöffnet", schreibt die Bahn.

Um wie viele Betrugsfälle es geht, ist offen. "Stellen Kunden unberechtigte hohe Abbuchungen für Fahrkarten von ihrem Konto fest, sollten sie die Lastschrift durch ihre Bank widerrufen lassen und sich umgehend mit uns in Verbindung setzen", so die Bahn. "Wir wollen natürlich nicht, dass den Kunden durch diese betrügerischen Aktivitäten irgendein Schaden entsteht." Außerdem rät die Bahn zu einer Anzeige bei der Polizei.

Das Unternehmen sieht bereits Erfolge der eigenen Strategie: "Durch unsere Gegenmaßnahmen sind die Betrugsfälle massiv eingedämmt worden." Außerdem seien die ergaunerten Gutscheine "wertlos, da wir diese gesperrt haben". An dem im August eingeführten Verfahren der Storno-Rückzahlung will die Deutsche Bahn festhalten.

Kunden in der Bahn-Community im Internet schlagen dagegen vor, wieder zur Rücküberweisung des Betrags auf das Konto zurückzukehren oder andere, sichere Verfahren zu wählen. Die Bahn betont, dass bei der Stornierung von Flexpreis-Tickets wie früher der gesamte Betrag auf das gewählte Zahlungsmittel zurücküberwiesen wird.

Wie können Sparpreis-Bahntickets zurzeit bezahlt werden?

Neben dem - jetzt gesperrten - Lastschriftverfahren sind noch weitere Zahlungsmöglichkeiten für den Kauf von Sparpreis-Fahrkarten möglich: Bei Online-Buchungen über die Bahn-Webseite und die Bahn-App sind dies Direktüberweisungen vom Girokonto über den Dienstleister Klarna sowie die Zahlung per Kreditkarte. Alternativ können Bahnkunden ihre Sparpreistickets auch mit Bargeld oder per Girokarte in den DB-Reisezentren und am Automaten kaufen.

jus/dpa

insgesamt 25 Beiträge
Benjowi 20.12.2018
1.
Meine Güte, jetzt hat dieser Laden auch noch Probleme mit seinen Zahlungssystemen, die in tausenden anderen Unternehmen reibungslos funktionieren. Bekommt man bei der Bahn noch irgendetwas gebacken? Der eigentliche Fahrbetrieb [...]
Meine Güte, jetzt hat dieser Laden auch noch Probleme mit seinen Zahlungssystemen, die in tausenden anderen Unternehmen reibungslos funktionieren. Bekommt man bei der Bahn noch irgendetwas gebacken? Der eigentliche Fahrbetrieb stellt sich ja mittlerweile ohnehin als eine einzige Betriebsstörung dar.
felidae1970 20.12.2018
2. Tja,
..das Einzige, was bei der Bahn noch klappt, ist die Tür und das einzige, was sie pünktlich hinbekommen, sind die Preiserhöhungen. Was hat sich seit der Privatisierung also für den Kunden verbessert? Nichts - wie immer bei [...]
..das Einzige, was bei der Bahn noch klappt, ist die Tür und das einzige, was sie pünktlich hinbekommen, sind die Preiserhöhungen. Was hat sich seit der Privatisierung also für den Kunden verbessert? Nichts - wie immer bei solchen irrwitzigen Vorhaben. Lernt man daraus? Nein - warum auch.
cor 20.12.2018
3. Ein unglaublicher Laden ist das
Das einzige, was bei der Bahn zu klappen scheint, ist die pünktliche Erhöhung der Preise. Lastschriftverfahren und Stornierungen sind etwas, dass bei unzähligen anderen Unternehmen tadellos funktioniert, aber die Bahn [...]
Das einzige, was bei der Bahn zu klappen scheint, ist die pünktliche Erhöhung der Preise. Lastschriftverfahren und Stornierungen sind etwas, dass bei unzähligen anderen Unternehmen tadellos funktioniert, aber die Bahn bekommt es doch tatsächlich hin, auch dort zu pfuschen. Nicht nur die Kontodaten ihrer Kunden werden nicht vernünftig gesichert, sondern obendrauf ist man nicht mal fähig, ein vernünftiges Auszahlungsmittel für Stornos bereit zu stellen.
irgendwas 20.12.2018
4. ernsthaft?
Da pfuscht die Bahn und als Lösung bleiben nur noch inakzeptable Verfahren übrig? Die Kreditkartenzahlung mit "3D Secure" setzt z.B. bei meiner Bank die Smartphone Nutzung voraus - da ich aber aus Sicherheitsgründen [...]
Da pfuscht die Bahn und als Lösung bleiben nur noch inakzeptable Verfahren übrig? Die Kreditkartenzahlung mit "3D Secure" setzt z.B. bei meiner Bank die Smartphone Nutzung voraus - da ich aber aus Sicherheitsgründen keine Bank-"Sicherheitsapps" auf meinem Handy nutze, kann ich somit nicht online per Kreditkarte zahlen. Übrig bleib Sofortüberweisung.de - also der Laden, der sich bei jeder Zahlung SÄMTLICHE Finanz- und Überweisungsdaten des gesamten Kontos abzieht. Wie wäre es mal, wenn z.B. auch Vorauszahlungen per Überweisung, PayDirekt oder meinetwegen auch PayPal, AmazonPay, etc. angeboten würden?
larsmach 20.12.2018
5. Lesen hülfe... Betrug hat sehr speziell mit Ticketgutscheinen zu tun!
Ob - wie von Diskutanten weiter oben kolportiert wird - bei anderen Unternehmen das Lastschriftverfahren ohne Betrugsfälle abläuft, sei dahingestellt (die Zahl solcher Betrugsfälle ließe sich leicht durch etwas Recherche [...]
Ob - wie von Diskutanten weiter oben kolportiert wird - bei anderen Unternehmen das Lastschriftverfahren ohne Betrugsfälle abläuft, sei dahingestellt (die Zahl solcher Betrugsfälle ließe sich leicht durch etwas Recherche eruieren: Allein der vor dem Landgericht Krefeld verhandelte Fall umfasste 7,4 Millionen Euro Schaden bei 12.000 Geschädigten durch Lastschrift-Betrug). Die im Artikel geschilderte Betrugsmasche fußt auf Gutscheinen, die auf betrügerische Weise beschafft und dann verkauft wurden (Kontoinhabern, deren Daten im Internet kursieren, d.h. im Darknet und anderswo angeboten werden, haben dann einen kleinen Schaden aufgrund der Bearbeitungsgebühr der Bahn - der kurze Zeitraum zwischen Bestellung und Stornierung half offenbar beim Verschleiern; viele Kontoinhaber bekommen keine Live-Daten ihrer Kontobewegungen zugesandt).

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