Reise

Saisonbeginn in Nepal

Australier und Chinese stellen neue Everest-Rekorde auf

Sie gehören mit zu den ersten Bergsteigern, die in dieser Saison den Gipfel des Mount Everest erreicht haben: Einem Australier und einem Chinesen gelangen am höchsten Berg der Welt ganz besondere Kraftakte.

Getty Images

Mount Everest

Montag, 14.05.2018   14:49 Uhr

Er hatte sich viel vorgenommen, und er hat es geschafft: Der Australier Steve Plain hat in nur 117 Tagen die höchsten Berge von sieben Kontinenten bestiegen und damit den Weltrekord bei der Besteigung der "Seven Summits" gebrochen. Plain, der sich vor vier Jahren bei einem Schwimmunfall einen Genickbruch zugezogen hatte, beendete das "Project 7in4" auf dem Mount Everest, dem mit 8848 Metern höchsten Berg der Erde.

Er erreichte den letzten Gipfel gemeinsam mit dem Briten Jon Gupta und Pemba Sherpa aus Nepal. Das Trio hatte das letzte Camp am Sonntagabend verlassen. "Hallo vom höchsten Punkt der Welt! Wir haben es geschafft! Wir sind auf dem Gipfel des Everest!", schrieb Gupta am Montag bei Twitter.

Zuvor hatte Plain die Gipfel des Vinson in der Antarktis (4892 Meter), des Aconcagua in Südamerika (6962 Meter), des Kilimandscharo in Afrika (5895 Meter), des Elbrus/Eurasien (5642 Meter), der Carstensz-Pyramide in Ozeanien (4884 Meter) und des Denali in Nordamerika (6190 Meter) erklommen. Bisheriger Rekordhalter war Janusz Kochanski; der Pole hatte im Vorjahr 126 Tage für die sieben Berge gebraucht.

Mit Beinprothesen auf den höchsten Gipfel der Welt

Auch einem anderen Bergsteiger ist am Mount Everest am Montag ein Riesenkraftakt gelungen: Der an beiden Beinen amputierte chinesische Bergsteiger Xia Boyu, 69, hat zusammen mit sieben Begleitern den Gipfel erreicht. Xia trug bei dem Aufstieg Beinprothesen. Der Chinese ist der zweite doppelt Beinamputierte der Welt, der den höchsten Gipfel der Welt erreicht.

"Den Everest zu erklimmen, ist mein Traum. Ich muss ihn mir erfüllen", hatte Xia im April angekündigt. Es war bereits sein fünfter Versuch, den Everest zu besteigen.

Erstmals machte er sich 1975 als Mitglied einer chinesischen Nationalmannschaft auf den Weg zum Gipfel. Dabei geriet die Gruppe in einen Sturm. Unter Sauerstoffmangel und bei eisiger Kälte erlitt Xia starke Erfrierungen und verlor in der Folge beide Füße. Seine Unterschenkel mussten 1996 unterhalb der Knie amputiert werden, nachdem Ärzte bei ihm ein Lymphom entdeckt hatten.

Mit Mitte 60 startete er 2014 seinen zweiten Versuch, den Gipfel zu erreichen. Doch als bei einem Lawinenunglück 16 Sherpas ums Leben kamen, wurde die Expedition abgebrochen. Im darauffolgenden Jahr kehrte Xia auf den Mount Everest zurück - und geriet in das schwere Erdbeben, das Nepal 2015 erschütterte. Eine Lawine zerstörte das Basislager, Xia musste erneut aufgeben. Bei seinem vierten Versuch 2016 machte ihm schlechtes Wetter einen Strich durch die Rechnung - 200 Meter vom Gipfel entfernt.

Als einziger doppelt Beinamputierter hatte zuvor der Neuseeländer Mark Inglis im Jahr 2006 den Mount Everest bezwungen. Xia wäre beinahe an einer im vergangenen Jahr erlassenen Regelung gescheitert, die doppelt Beinamputierten und Blinden den Aufstieg des Mount Everest untersagte. Doch ein Gericht hob das Verbot als diskriminierend auf.

In dieser Saison wollen 346 Bergsteiger den Gipfel erreichen

Xia und auch der Australier Steve Plain gehören mit zu den ersten ausländischen Bergsteigern, die in der diesjährigen Saison den Gipfel des Mount Everest von der nepalesischen Seite aus erreichten. Wie Nepals Tourismusbehörde mitteilte, kamen am Montag insgesamt rund 50 Kletterer und Sherpas an.

In der nur wenige Wochen dauernden Saison im April und Mai, deren Beginn von der Wetterlage abhängt, versuchen jedes Jahr hunderte Menschen, den Gipfel auf nepalesischer Seite zu erklimmen. In diesem Jahr sind es 346 ausländische Bergsteiger. Für die Genehmigung bezahlen sie umgerechnet rund 9000 Euro. Immer wieder kommen Kletterer am Everest ums Leben.

ele/AFP/sid

insgesamt 13 Beiträge
quacochicherichi 14.05.2018
1. Noch jede Menge Rekorde
mit Spannung erwarten wir weitere Rekorde. Die erste Schwangere, oder die/der erste Arm-und Beinamputierte der auf den Berg gehievt wird. Armer Sagarmatha.
mit Spannung erwarten wir weitere Rekorde. Die erste Schwangere, oder die/der erste Arm-und Beinamputierte der auf den Berg gehievt wird. Armer Sagarmatha.
pepps 14.05.2018
2. The mighty sherpa
Wohl eher gelangen den helfenden Sherpa die Kraftakte. Mit dem nötigen Kleingeld kann mittlerweile auch der unsportlichste und wenig erfahrende den Berg besteigen. Die Rucksäcke und Gepäck trägt man schon lange nichtmehr [...]
Wohl eher gelangen den helfenden Sherpa die Kraftakte. Mit dem nötigen Kleingeld kann mittlerweile auch der unsportlichste und wenig erfahrende den Berg besteigen. Die Rucksäcke und Gepäck trägt man schon lange nichtmehr selbst. Zumutbar ist höchstens die Sauerstoffflasche und selbst die tragen sie einem bis zum Gipfel hinterher. Meinen Respekt gilt den Sherpa!
uzsjgb 14.05.2018
3.
Das ist Unsinn. Solche Leute würden auch nie von einem Veranstalter mitgenommen werden, weil die Gefahr für Bergführer und Sherpas einfach zu groß wäre. Man könnte zwar darauf hoffen, dass diese Leute bereits am [...]
Zitat von peppsWohl eher gelangen den helfenden Sherpa die Kraftakte. Mit dem nötigen Kleingeld kann mittlerweile auch der unsportlichste und wenig erfahrende den Berg besteigen. Die Rucksäcke und Gepäck trägt man schon lange nichtmehr selbst. Zumutbar ist höchstens die Sauerstoffflasche und selbst die tragen sie einem bis zum Gipfel hinterher. Meinen Respekt gilt den Sherpa!
Das ist Unsinn. Solche Leute würden auch nie von einem Veranstalter mitgenommen werden, weil die Gefahr für Bergführer und Sherpas einfach zu groß wäre. Man könnte zwar darauf hoffen, dass diese Leute bereits am Eisbruch scheitern würden, aber gerade da ist es sehr gefährlich eine immobile Person zu evakuieren.
larry_lustig 14.05.2018
4. Vollkommen bescheuert
Rekorde sollten nur anerkannt werden, wenn die Alpinisten die Besteigung aus eigener Kraft schaffen... Ohne Träger - Sherpa ist im übrige der Name eines Volksstamm nicht eines Berufs - und ohne Sauerstoffflaschen.... Man [...]
Rekorde sollten nur anerkannt werden, wenn die Alpinisten die Besteigung aus eigener Kraft schaffen... Ohne Träger - Sherpa ist im übrige der Name eines Volksstamm nicht eines Berufs - und ohne Sauerstoffflaschen.... Man stelle sich vor, Usain Bolt wäre vor seinem Rennen im Sauerstoffzelt gewesen
uzsjgb 14.05.2018
5.
In den letzten Jahren wird im Höhebergsteigen mit der Akklimatisierung durch Sauerstoffzelte experimentiert. Dadurch kann die Akklimatisierung zuhause stattfinden und nicht am Berg. Damit entfällt das wochenlange Auf- und [...]
Zitat von larry_lustigRekorde sollten nur anerkannt werden, wenn die Alpinisten die Besteigung aus eigener Kraft schaffen... Ohne Träger - Sherpa ist im übrige der Name eines Volksstamm nicht eines Berufs - und ohne Sauerstoffflaschen.... Man stelle sich vor, Usain Bolt wäre vor seinem Rennen im Sauerstoffzelt gewesen
In den letzten Jahren wird im Höhebergsteigen mit der Akklimatisierung durch Sauerstoffzelte experimentiert. Dadurch kann die Akklimatisierung zuhause stattfinden und nicht am Berg. Damit entfällt das wochenlange Auf- und Absteigen, was sowohl die Gefahr, als auch die Kosten deutlich reduziert. Insgesamt also eine sehr gute Sache.

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