Reise

Reisen in die Vergangenheit

Neandertaler treffen

Geschichte ist langweilig? Nicht, wenn man sie erleben kann. Wir zeigen Orte in Deutschland, an denen man in die Vergangenheit reisen kann.

Neanderthal Museum / TMN
Mittwoch, 13.06.2018   08:50 Uhr

Wie haben die Menschen früher gelebt? Wie sah die Erde aus? Was sonst Stoff für den Geschichtsunterricht ist, kann an vielen Orten in Deutschland angeschaut und erlebt werden. Wir zeigen sieben Möglichkeiten, die besonders für Kinder attraktiv sind - und ein spannendes Ziel für die Sommerferien sein können, die am kommenden Montag in einigen Bundesländern beginnen.

Pfahlbauten am Bodensee: Steinzeitleben auf dem Wasser

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen / TMN

Warum baut man eine Siedlung auf Pfählen über dem Wasser? Am Bodensee kann man das herausfinden: Denn dort haben sich die Menschen in der Stein- und Bronzezeit auf diese Weise gegen Hochwasser, wilde Tiere und feindliche Stämme geschützt. In Unteruhldingen wurden 23 Pfahlbauten rekonstruiert, die besichtigt werden können.

Eine multimediale Einführung, lebensechte Szenen mit Menschen- und Tierfiguren sowie Werkzeuge in den Häusern veranschaulichen den damaligen Alltag. An Mitmachtagen zeigen Archäologen neben dem Strandbad, wie die Menschen vermutlich Kleidung und Werkzeuge herstellten oder Getreide zu Brot verarbeiteten. Im Steinzeitparcours können Familien sich in den Sommerferien bei Wagenrennen, in Ausgrabungskästen oder auf dem Barfußpfad aktiv mit der Geschichte auseinandersetzen.

Dinopark Altmühltal: Lebensechte Urzeittiere

Dinopark Altmühltal / TMN

Vor 147 Millionen Jahren war das Altmühltal eine tropische Insel- und Lagunenlandschaft, in der Dinosaurier lebten. Heute ist der Naturpark einer der wichtigsten Fundorte für Fossilien. Im Dinopark Altmühltal im oberbayerischen Denkendorf führt ein Walderlebnispfad durch 400 Millionen Jahre Erdgeschichte. Naturgetreue Konstruktionen zeigen, wie zum Beispiel Tyrannosaurus Rex und etwa 70 andere Urzeittiere aussahen.

Das angrenzende Fossilienmuseum beherbergt Sensationen wie etwa den ältesten versteinerten Archäopteryx. Bis November ist der "T-Rex der Lüfte" erstmals in einer Flugsaurier-Sonderausstellung zu sehen. Es handelt sich um das Originalskelett des größten und schwersten Flugsauriers, das je gefunden wurde. An fünf Stellen des Naturparks kann man selbst in den Gesteinsschichten nach Urzeitlebewesen suchen und die Funde mit nach Hause nehmen.

Glauburg und Umgebung: Vulkane, Kelten und Römer

Keltenwelt am Glauberg / TMN

Einst lebten Kelten auf dem letzten Basaltausläufer des Vogelsbergs, rund 30 Kilometer nordöstlich von Frankfurt am Main. Rund um einige historische Funde entstand 2011 am Glauberg ein 30 Hektar großer Archäologischer Park mit Museum, Lehrpfad und Forschungszentrum.

Und noch weitere "Fenster in die Geschichte" befinden sich in der Region: Das interaktive Vulkaneum in Schotten simuliert am Beispiel von Mitteleuropas einst größtem zusammenhängenden Vulkangebiet, dem Vogelsberg, eine Zeitreise durch die Erdgeschichte. Wie die Soldaten den Limes gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus sicherten und lebten, zeigt das rekonstruierte Römerkastell Saalburg im Taunus.

Neandertal: Menschheitsgeschichte in Mettmann

Neanderthal Museum / TMN

Beim Kalkabbau fand man 1856 im Neandertal Skelettteile einer bis dahin nicht bekannten Frühmenschenart: dem Neandertaler. Um den Fundort in Mettmann bei Düsseldorf befindet sich heute das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands mit dem Neanderthal Museum und einem eiszeitlichen Gehege mit Wildpferden, Wisenten und Auerochsen. In dem Erlebnismuseum erzählen unter anderem lebensgroße Rekonstruktionen der Vorfahren die Geschichten seit den Anfängen der Menschheit vor mehr als vier Millionen Jahren.

Im Sommer gibt es ein "Safari-Action-Pack" zur Sonderausstellung über Tiere in der Eiszeit, im Winter dreht sich im Forscherlabor Archäologie alles ums Ausgraben, Experimentieren und Forschen. Der 500 Meter lange Weg vom Museum zur Fundstelle des Neandertalers informiert über das Wichtigste zu Natur, Kultur und Industriegeschichte des Tals.

Archäologischer Park in Xanten: Überreste der Römerzeit

LVP Park Xanten / TMN

Deutschlands größtes archäologisches Freilichtmuseum in Xanten am Niederrhein feiert am 23. und 24. Juni Europas größtes Römerfest. Gladiatoren, Legionäre, Reiter, Händler und Handwerker nehmen die Besucher dann mit in die Römerzeit. Errichtete römische Bauwerke und Originalreste auf dem Gelände der antiken Provinzstadt Colonia Ulpia Traiana zeigen wie die Römer vor etwa 2000 Jahren am Niederrhein lebten.

Das Museum über der Eingangshalle des einstigen Bades gibt Einblicke in das Leben in Xanten von der Zeit Cäsars bis zur Frankenzeit. Im Sommer können Familien bei "römischen Wochenenden" dabei sein. Das Restaurant serviert Speisen nach original römischen Rezepten.

Himmelsscheibe von Nebra: Astrologie der Bronzezeit

J. Liptak / Arche Nebra / TMN

Vor knapp 20 Jahren buddelten Raubgräber auf dem Mittelberg eine rund 3600 Jahre alte Bronzescheibe aus - die 32 Zentimer große Himmelsscheibe von Nebra mit Barke, Sonne, Mond und Sternen. Forscher rekonstruierten damit, wie man sich in der Bronzezeit den Weltenlauf vorstellte. Drei Kilometer vom Fundort entfernt schwebt heute die riesige "Arche Nebra" über dem Unstruttal. Ein Waldwanderweg verbindet Arche und Fundort im Geo-Naturpark Saale-Unstrut-Triasland.

Die Originalscheibe befindet sich im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle. Das Museum ist über einen 77 Kilometer langen Himmelsscheibenradweg mit Nebra verbunden. Vier Himmelswege führen zu anderen archäologischen Stätten, etwa zum jungsteinzeitlichen Sonnenobservatorium in Goseck, das 2000 Jahre älter ist als Stonehenge.

Haithabu bei Schleswig: Wikinger im Frühmittelalter

Landesmuseen Schleswig-Holstein / TMN

Die legendären Seeräuber waren auch geschickte Händler und Handwerker. Das zeigen die rekonstruierten Reste der rund 26 Hektar großen Wikinger-Siedlung Haithabu an der Schlei zwischen Nord- und Ostsee. Die größte frühmittelalterliche Siedlung der Nordmänner hatte Handelskontakte von Grönland bis in die arabische Welt. 1066 wurde der Handelsplatz zerstört. Heute erfahren Besucher hier auf Märkten, in Vorführungen, Workshops und Zeitreisen, wie die Wikinger lebten und arbeiteten.

Im Zentrum des Museums neben der Siedlung steht die Schiffshalle mit dem 30 Meter langen königlichen Langschiff. Von der Siedlung selbst sind sieben Häuser originalgetreu rekonstruiert, sowie eine der großen Landungsbrücken mit einem typischen Langboot. Ein Rundweg um das Haddebyer Noor führt durch die Siedlung, streift den Grenzwall Danewerk, mit dem die Wikinger einst die Handelswege kontrollierten, und führt an einer Naturbadestelle vorbei.

Karin Willen, dpa/kry

insgesamt 9 Beiträge
Joshua Philgarlic 13.06.2018
1.
Mit dem Archaeopteryx steht ihr anscheinend auf Kriegsfuß: Das in der Fotostrecke gezeigte Skelett ist jedenfalls keiner - ich tippe auf irgendeine Form von Pterodaktylus. Und wer soll nun der "T-Rex der Lüfte" und [...]
Mit dem Archaeopteryx steht ihr anscheinend auf Kriegsfuß: Das in der Fotostrecke gezeigte Skelett ist jedenfalls keiner - ich tippe auf irgendeine Form von Pterodaktylus. Und wer soll nun der "T-Rex der Lüfte" und "größte und schwerste Flugsaurier" sein? Archaeopteryx? Blödsinn, der war ungefähr so groß wie ein Huhn!
paolofarnese 13.06.2018
2. Erkrath, nicht Mettmann
Ein wenig Nachhilfe in Heimatkunde: in ihrem Beitrag Museen-in-deutschland-ausfluege-in-die-geschichte-der-menschheit Haben Sie sich bei ihrem Ausflug ins Neandertal etwas verfahren. Die Fundstätte des Neandertalers liegt in [...]
Ein wenig Nachhilfe in Heimatkunde: in ihrem Beitrag Museen-in-deutschland-ausfluege-in-die-geschichte-der-menschheit Haben Sie sich bei ihrem Ausflug ins Neandertal etwas verfahren. Die Fundstätte des Neandertalers liegt in Erkrath nicht in Mettmann. Dort befinden sich lediglich das Museum.
fortyplus 13.06.2018
3. Gerüstet für die Zukunft
Ich finde es gut, sich intensiv mit der Vergangenheit zu beschäftigen. So kann man sich schon mal darauf einstellen, wie es sich anfühlt, wenn in ein paar Jahren ganz Deutschland zum Museum geworden ist und von Besuchern aus [...]
Ich finde es gut, sich intensiv mit der Vergangenheit zu beschäftigen. So kann man sich schon mal darauf einstellen, wie es sich anfühlt, wenn in ein paar Jahren ganz Deutschland zum Museum geworden ist und von Besuchern aus aller Welt bestaunt wird ("Wow, und die leben wirklich noch so...?").
auweia 13.06.2018
4. Museum Monrepos
Monrepos bei Neuwied wurde leider bei der Aufzählung vergessen. Hier gibt es eine tolle kleine Ausstellung zur frühen Menschheit und einen überragenden Blick ins Rheintal. [...]
Monrepos bei Neuwied wurde leider bei der Aufzählung vergessen. Hier gibt es eine tolle kleine Ausstellung zur frühen Menschheit und einen überragenden Blick ins Rheintal. http://monrepos-rgzm.de/museum-miterleben/menschliches_verstehen.html#ausstellung-erleben-intro
GoaSkin 13.06.2018
5. niemand weiss, wie Neandertaler wirklich aussahen
Man weiß über Neandertaler lediglich, wie ihr Skelett aufgebaut war und damit, wie groß sie waren und welche Statur sie (grob) hatten. Was Hautfarbe, Haarwuchs und Gewebestruktur betrifft, gibt es Spekulationen in alle [...]
Man weiß über Neandertaler lediglich, wie ihr Skelett aufgebaut war und damit, wie groß sie waren und welche Statur sie (grob) hatten. Was Hautfarbe, Haarwuchs und Gewebestruktur betrifft, gibt es Spekulationen in alle Richtungen und Hunderte unterschiedliche Verbildlichungen. Mit weisser Haut, schwarzer Haut oder gar mit Fell; mit eher menschlichem Gesicht oder Affengesicht etc. pp. Man weiss faktisch nicht, wie die Neandertaler ausgesehen haben und sollte darum auch keine falschen Vorstellungen verbildlichen.
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