Reise

Naturpark Dobratsch in Kärnten

Hart rauf, sanft runter

Nach einigen schneearmen Wintern mussten die Skilifte am Dobratsch schließen. Heute zieht der Berg in Kärnten viele Winterwanderer und Skitourengeher an - die Region zeigt, wie Tourismus auch geht.

Stefan Herbke / SRT
Freitag, 26.01.2018   03:46 Uhr

2003 blieb auch der letzte Lift für immer stehen: Das Skigebiet am Dobratsch in den Gailtaler Alpen wurde geschlossen. Wer heute vom Talkessel auf 500 Meter Höhe hinauf fährt auf mehr als 1700 Meter und damit in den Winter, der sieht an den gut gefüllten Parkplätzen, dass der Hausgipfel von Villach ein Multifunktionsberg geworden ist - und sanfter Tourismus durchaus eine Chance hat.

Es gibt hier oben Langlaufloipen und Schneeschuhtouren. Am Endpunkt der Straße liegen Rodelhügel und statt Skifahrern nutzen Tourengeher die ehemaligen Pisten. Für Andrea Riedel war die Schließung des Skigebiets vor 15 Jahren ein Alptraum. Riedel ist Wirtin im Rosstrattenstüberl, ihre Familie hatte 1992 die Hütte direkt an der Bergstation der von Heiligenstadt heraufführenden Lifte gebaut.

Eine perfekte Lage, sagt Riedel, "die Leute sind ja quasi aus dem Lift in die Hütte gefallen". Das Gebiet war gut besucht. "Es war viel los. Das war ein richtig schönes, feines Familienskigebiet." Doch um die Jahrtausendwende kamen ein paar schneearme Winter, in denen die Lifte oft nur wenige Wochen lang in Betrieb waren.

Deshalb gab es Überlegungen, das Villacher Hausskigebiet komplett zu modernisieren, mit neuen Liften und einer Beschneiungsanlage. Da der Dobratsch jedoch auch der Trinkwasserspeicher von Villach ist, wurden die Pläne nicht genehmigt. Die Folge: Das Skigebiet sperrte zu, nachdem die Lifte im Winter zuvor keinen einzigen Tag gelaufen waren.

Die Lifte wurden verkauft, die Gäste blieben weg

An die Alternative eines Naturparks glaubte Riedel zunächst nicht. "Von Anfang an eine Totgeburt", war ihre erste Reaktion auf die neuen Pläne. "Ich habe mir einfach nicht vorstellen können, dass das irgendwann einmal läuft." Zwar war die Rosstratte knapp oberhalb der Waldgrenze schon früher dank der im Winter mautfreien Villacher Alpenstraße bequem zu erreichen, doch die Gäste waren vorrangig Pistenskifahrer.

Am Dobratsch lernten die Villacher Skifahren, und auch sonst ist der Berg für die Einheimischen etwas Besonderes. Wie ein kleines Gebirge baut sich dessen langgezogener Kamm westlich von Villach auf - unübersehbar und landschaftsformend: Am 25. Januar 1348 rutschte auf etwa einem Kilometer Länge 30 Millionen Kubikmeter Gestein ins Gailtal.

Außerdem ist der Dobratsch nicht nur Trinkwasserspeicher, am Fuß des Berges entspringen auch mehrere Thermalquellen. Neben einigen Hotels nutzt auch die Kärntentherme das Wasser.

Fotostrecke

Dobratsch in Kärnten: Winterspaß ohne Liftzirkus

Nach dem Abbau der Lifte blieben im Winter zunächst die Gäste weg. "Keiner hat mit dem Begriff Naturpark etwas anfangen können", sagt Andrea Riedel. "Wir wollten sogar die Hütte verkaufen, weil keiner mehr kam." Fünf lange Jahre kämpfte sie ums Überleben, bis das Umdenkungen begann und sich der Dobratsch vom Ski- zum Naherholungsberg wandelte.

Am 24. September 2002 wurde der Naturpark gegründet - er soll Bildung, Erholung, Regionalentwicklung und Schutz ermöglichen, Vier-Säulen-Konzept nennen sie das hier. "Am Anfang hat es eine gewisse Skepsis gegeben", sagt Robert Heuberger. Umso mehr freut sich der Naturpark-Manager, dass die Skepsis mittlerweile in Begeisterung umgeschlagen ist.

Der Schritt zurück war einer nach vorne

Dazu trägt auch das vor einigen Jahren neu gebaute Dobratsch-Gipfelhaus bei - ein Niedrigenergiegebäude mit besonderer Architektur. Nur wenige Meter oberhalb bietet die 2166 Meter hohe Bergspitze dank ihrer isolierten Lage eine Rundsicht bis zu den Hohen Tauern im Alpenhauptkamm, den mächtigen Kalkgipfeln der Julischen Alpen im Süden sowie über Ossiacher und Wörther See im Osten.

Den Gipfel mit dem großen Sendemast und zwei Kapellen, der von den Einheimischen auch als Villacher Alpe bezeichnet wird, erreichen Winterwanderer von der Rosstratte aus auf einem markierten Weg in etwa eineinhalb Stunden.

Weitere Informationen

Region Villach Tourismus
Töbringer Straße 1, 9523 Villach-Landskron, Österreich, Tel. 0043/4242/42000, www.region-villach.at
Naturpark Dobratsch
Villacher Alpenstraße, 9500 Villach, Österreich, Tel. 0043/4242/2056018, www.naturparkdobratsch.at
Anreise
Über die A8 München - Salzburg und die Tauernautobahn (Vignette und Maut). Öffentlich kann Villach ganz bequem mit der Bahn oder dem Fernbus erreicht werden.

Bedeutet das Gipfelhaus Konkurrenz für traditionelle Betriebe? Für Wirtin Riedel keineswegs, denn "wenn der Berg gut geführt wird, dann profitieren auch wir davon". Mittlerweile kommen die Besucher wieder, und das ohne Skigebiet. Wobei es immer wieder passiert, dass Urlauber, die früher mit ihren Eltern am Dobratsch beim Skifahren waren und jetzt mit ihrer Familie wiederkommen, fragen, wo denn die Lifte sind. "In Georgien", antwortet Andrea dann, "die wurden dorthin verkauft."

"Zum Glück", denken sich mittlerweile viele, denn die Winter von früher mit meterweise Schnee gibt es schon lange nicht mehr. Auch Riedel ist im Rückblick froh: "Man hat damals einen Schritt zurück gemacht, was heute betrachtet ein Schritt nach vorne war", sagt sie. Darüber, dass sie die Hütte in den schweren Jahren nicht verkauft hat, ist sie erleichtert.

Mittlerweile schaut sie zuversichtlich in die Zukunft. "Ich bin eines Besseren belehrt worden", gibt sie zu, "der Naturpark ist sicher auch ein Konzept für andere Regionen."

Stefan Herbke, srt/abl

insgesamt 4 Beiträge
salomohn 26.01.2018
1. Tolles Konzept
Komme gerade dort her und habe auch den Dobratsch besucht. Da sieht man, wie schön die Zukunft ohne Skifahren sein kann. Für einen entspannten Tag in der traumhaften Natur auf dem Dobratch lassen auch eingefleischte Sportler die [...]
Komme gerade dort her und habe auch den Dobratsch besucht. Da sieht man, wie schön die Zukunft ohne Skifahren sein kann. Für einen entspannten Tag in der traumhaften Natur auf dem Dobratch lassen auch eingefleischte Sportler die Ski stehen.
Bundestrainer 26.01.2018
2. Winter ist gut ...
Winter ist gut, denn dann ist die Villacher Alpenstrasse kostenfrei (im Sommer beträgt sie phantastische 18 EUR für sagenhafte 16,5 km hin und zurück). Außerdem deckt im Winter hoffentlich gnädiger Schnee die hässlichen [...]
Winter ist gut, denn dann ist die Villacher Alpenstrasse kostenfrei (im Sommer beträgt sie phantastische 18 EUR für sagenhafte 16,5 km hin und zurück). Außerdem deckt im Winter hoffentlich gnädiger Schnee die hässlichen Schotterwege und rücksichtslos abgeholzten Zirbenbestände zu. Leider hilft auch der Schnee nicht gegen die unansehnlichen Bauten (riesige Parkplatzflächen, Sendemast, Gipfelhaus). Auch wenn dieser Tourismusförderungs- und Bejubelungsartikel anderes suggeriert - es gibt wahrlich schönere und lohnendere Ausflugsziele.
ge1234 26.01.2018
3. Wie schön...
... dass endlich ein Umdenken stattfindet und für die Alpen dringend benötigte Entschleunigungskonzepte von Einheimischen und Touristen erfolgreich angenommen werden. Hoffentlich zeigt das den Anfang vom Ende des alpinen [...]
... dass endlich ein Umdenken stattfindet und für die Alpen dringend benötigte Entschleunigungskonzepte von Einheimischen und Touristen erfolgreich angenommen werden. Hoffentlich zeigt das den Anfang vom Ende des alpinen Pistenwahns à la Saalbach, Ischgl, Sölden etc. an. Was mir jedoch nicht ganz klar ist, warum man zusätzlich noch ein Gipfelhaus neu bauen mußte und damit den Gipfel verschandelt, egal welches Design das neue Haus nun auch hat? Jemand, der sich aus eigener Kraft zu Fuss oder per Ski auf den Weg zum Gipfel macht, freut sich über vieles, aber ganz bestimmt nicht über verbaute Gipfel! Und zur Einkehr gibt es ja die Hütte von Frau Riedel!
nessaalk 26.01.2018
4. Skitouren sind das ursprüngliche Skifahren
Das ist ein großes Missverständnis! Wer selbst schon mal eine Tour mit Steigfellen und abschließender Tiefschneeabfahrt gemacht hat, der weiß, dass das die eigentliche, ursprüngliche und auch schönste Form des Skifahrens [...]
Zitat von salomohnKomme gerade dort her und habe auch den Dobratsch besucht. Da sieht man, wie schön die Zukunft ohne Skifahren sein kann. Für einen entspannten Tag in der traumhaften Natur auf dem Dobratch lassen auch eingefleischte Sportler die Ski stehen.
Das ist ein großes Missverständnis! Wer selbst schon mal eine Tour mit Steigfellen und abschließender Tiefschneeabfahrt gemacht hat, der weiß, dass das die eigentliche, ursprüngliche und auch schönste Form des Skifahrens ist. Sie ist allerdings anspruchsvoller, aber dafür naturschonender als der Liftzirkus. Wir haben das in 70er-Jahren schon freiwillig so gemacht, als noch niemand von der Krise der Lifte etwas geahnt hat.
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP