Reise

Kungsleden

Fünf Tage auf dem längsten Wanderweg Schwedens

Etappenweise können Wanderer auf dem schwedischen Kungsleden die skandinavische Wildnis erkunden - Rentiere und Sauna inklusive.

Martin Olson / swedishtouristassociation.com / TMN
Dienstag, 24.04.2018   12:20 Uhr

Der Kungsleden erfüllt jegliche Skandinavien-Klischees - von moosgrünen Ebenen und glasklaren Bächen bis hin zu grasenden Rentieren. Rund 800 Kilometer führt der längste Fernwanderweg Schwedens entlang der norwegischen Grenze durch wilde Birkenwälder und in bergige Fjällregionen.

Während die Südroute von Sälen bis Storlien vor allem von steppenähnlichen und sumpfigen Gebieten geprägt ist, eröffnen sich im Norden zwischen Abisko und Hemavan alpine Gebirgspanoramen.

Auf einer fünftägigen Tour mit Zelt und Kocher erkunden wir den "Königsweg".

Tag 1: Mit dem Zug Richtung Norden

Etwa 440 Kilometer misst der nördliche Kungsleden, unterteilt ist er in fünf Abschnitte. Keine einfache Aufgabe, bei dieser Distanz erst einmal herauszufinden, wo man eigentlich starten möchte. Letztlich fällt unsere Wahl auf den südlichsten Abschnitt des nördlichen Kungsledens. Von Ammarnäs führt er auf rund 78 Kilometern durch das Naturreservat Vindelfjällen nach Hemavan.

Mehrmals am Tag fahren die Züge der Bahngesellschaft SJ von Stockholm nach Östersund. Von dort aus geht es weiter mit dem Länstrafiken-Bus, zunächst bis Sorsele, dann bis Ammarnäs. Für umgerechnet 90 Euro pro Person kann man die Fahrkarten über die SJ-Website im Voraus buchen.

14 Stunden dauert die Fahrt mit Bus und Bahn hoch nach Ammarnäs, vorbei an Wäldern und Seen, durch abgelegene Dörfer mit blutroten Häusern und uralten Scheunen. Wer lieber am nächsten Morgen am Ziel erwachen möchte, kann den etwas teureren Nachtzug nehmen.

Am späten Abend kommen wir in Ammarnäs an. Im Gegensatz zum T-Shirt-Wetter in Stockholm sind hier Jacke und lange Hose angesagt. Selbst im August kann es nachts auf drei bis fünf Grad abkühlen, während es am Tag auch schon mal 20 Grad werden kann. Lange Kleidung zu später Stunde schützt außerdem vor den vielen Mücken, die uns während der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz umschwirren.

Tag 2: Rentiere, Regen - und die erste Sauna

Kurz hinter Ammarnäs führt der Weg am nächsten Tag oberhalb des Tjulån-Tals durch einen Wald und hinauf zur ersten von insgesamt fünf bewirtschafteten Hütten. Für rund 45 bis 50 Euro pro Person kann man hier nächtigen. Mit 800 Metern liegt die Aigertstugan bereits an der Grenze zur baumlosen Bergtundra. Die Baumgrenze im schwedischen Fjäll beginnt bei rund 600 bis 800 Metern.

Besonders für Familien und Saunaliebhaber scheint die acht Kilometer lange Wanderung zur ersten Hütte ein beliebtes Ausflugsziel zu sein. Doch das gute Wetter mit Sonnenschein und rund 18 Grad motivieren uns weiterzugehen. Auf dem Weg begegnen wir einer großen Rentierherde, die knapp zehn Meter vor uns die rauen Bodendecker eines kleinen Hangs abgrast. Kurz darauf passieren wir den höchsten Punkt der Etappe, die Juovvatjåhkka-Rasthütte. Bereits ab 1200 Metern beginnt in dieser Region die alpine Zone. Und das merkt man.

Der Fernwanderweg Kungsleden

Reiseziel
Ob anspruchsvoll oder entspannt: Auf dem Kungsleden kommen sowohl ambitionierte als auch gemächliche Wanderer auf ihre Kosten. Der nördliche Abschnitt besticht landschaftlich vor allem durch seine alpinen Bergpanoramen. Der südliche Teil eignet sich besser für Freunde des gemäßigten und vor allem einsamen Wanderns. Hier ist jedoch auch mit einem sehr viel ursprünglicheren Zustand des Wanderpfads zu rechnen. Brücken, Übernachtungshütten oder gar Saunen, wie es sie zwischen Ammarnäs und Hemavan zu genüge gibt, sind zwischen Storlien und Sälen eher die Ausnahme.
Anreise
Verschiedene Fluggesellschaften fliegen Stockholm von deutschen Airports nonstop an. Mit den SJ-Zügen weiter bis Östersund, von dort auf den Bus umsteigen bis Ammarnäs.
Ausrüstung
Mückenschutz - in Form von Spray oder dicht gewebter Kleidung - sollte obligatorisch sein. Zugleich bieten die zahlreichen Flüsse und Seen dem Wanderer einen großen Vorteil: Nahezu alle Fließgewässer können bedenkenlos als Trinkwasserquellen genutzt werden, man muss keine großen Wasservorräte mitschleppen.
Wildcampen
In Schweden gilt das Jedermannsrecht. So darf man sein Lager für eine Nacht an einem beliebigen Platz aufschlagen, wenn man Rücksicht auf Flora und Fauna nimmt.
Information
Visit Sweden, Voltvägen 32, SE-831 48 Östersund (Tel.: 069/22 22 34 96, E-Mail: germany@visitsweden.com) www.visitsweden.com.

Auf 1000 Metern ist es hier merklich kühler, windiger und vor allem sehr neblig. Kurz darauf setzt ein heftiger Regen ein. Doch selbst bei schlechter Sicht sind die großen roten Wegkreuze des Kungsledens noch gut zu erkennen.

In der kleinen Schutzhütte machen wir eine Rast, um uns aufzuwärmen und die Sachen ein wenig trocknen zu lassen.

Tag 3: Eine Moränenlandschaft und noch mehr Saunen

Weiter geht es am dritten Tag zunächst zur Hütte Tärnasjöstugan, die an einem mit Steinen gesäumten See liegt, dem Tarnasjö. An einem Steg neben der Hütte bleiben wir stehen, um die Aussicht auf das Wasser und das Bergpanorama zu genießen. Doch schon nach wenigen Sekunden taucht ein älterer Schwede mit Handtuch über der Schulter auf: "Hier werden gleich sehr viele nackte Menschen rauskommen und in den See springen", warnt er und deutet auf die Sauna neben dem Steg. Wir warten das Spektakel nicht ab und gehen weiter.

Fotostrecke

Kungsleden in Schweden: Von Rentieren und Berggipfeln

Auf dem Weg zur Syterstugan zeigt sich die wohl interessanteste Landschaft der Wanderung. Der Weg verlässt irgendwann den See. Kurz darauf erschließt sich eine Moränenlandschaft, bestehend aus kleinen Inselchen, Seen und Teichen, die durch sieben Brücken miteinander verbunden sind. Überhaupt ist dieser Teil des nördlichen Kungsledens ausgesprochen wanderfreundlich gestaltet, zumindest im Vergleich zu manchen Abschnitten der südlichen Route, wo man auch mal mit nassen Füßen rechnen muss. Nach einem kurzen Anstieg taucht die Syterstugan umrahmt von zwei Flussläufen auf. Mittlerweile scheint auch die Sonne wieder, und das steinige Ufer lädt zu einem kurzen Nickerchen ein.

Tag 4: Naturromantik im Syterskalet

Am Vorabend der letzten Etappe schlagen wir unser Zelt an einem kleinen Fluss im Syterskalet auf. Das Tal zieht sich wie ein langer Korridor durch das Bergmassiv Norra Storfjället und führt von Syterstugan zur zwölf Kilometer entfernt gelegenen Viterskalsstugan. Von der Ausgangshütte führt auch ein vergleichsweise steiler Weg nach oben. Dieser führt vorbei am 1767 Meter hohen Norra Sytertoppen, dem höchsten Gipfel des Naturreservats.

Wir folgen dem Weg durchs Bergtal des Syterskalet, wo uns am Abend warme Luft entgegenweht, während die Sonne den Bewuchs an den tiefvioletten Hängen zum Leuchten bringt.

Tag 5: Gebirgspanorama am Urstrom-Tal

Karolin Krämer / TMN

Der Norra Sytertoppen

Durch das Syterskalet führt der Weg auch auf der fünften und letzten Etappe. Rund zehn Kilometer folgen wir dem tiefblauen Flusslauf, der sich zwischen den imposanten Bergen des Massivs hindurchschlängelt. In einem See kurz vor der Viterskalsstugan, der letzten Hütte, spiegelt sich die gräuliche Bergwelt in der spiegelglatten Wasseroberfläche und lässt den Ausblick etwas surreal erscheinen.

Hinter der Viterskalsstugan erwartet uns zum Ende der Wanderung ein weiterer Höhepunkt: der Ausblick über die tiefgrüne Tundravegetation und das weite U-Tal. Der Abstieg nach Hemavan hingegen ist vergleichsweise unspektakulär. Durch Birkenwäldchen und über kleine Pfade erreichen wir gegen Abend das Naturmuseum des kleinen Skiörtchens. Nach fünf Tagen mit Zelt und ohne Dusche steht uns der Sinn vor allem nach einem: einer schönen, warmen Sauna.

Karolin Krämer, dpa / kry

insgesamt 3 Beiträge
norgejenta 24.04.2018
1. ja das wär mein nächstes ziel..
Tolle Bilder übrigens. Wäre auch mal mein Ziel gewesen und als Sahnehäubschen der Sarek-Nationalpark. Irgendwie bin ich immer nur in Norwegen gelandet.
Tolle Bilder übrigens. Wäre auch mal mein Ziel gewesen und als Sahnehäubschen der Sarek-Nationalpark. Irgendwie bin ich immer nur in Norwegen gelandet.
rugin 25.04.2018
2. Allemansrätt
Nach 15 Jahren in Schweden: „Jedermannsrecht“ bedeutet NICHT, daß man überall zelten und durchgehen darf. Der Nahbereich von Häusern, gartenartig angelegten Flächen und ähnliches sind explicit davon ausgenommen. Die [...]
Nach 15 Jahren in Schweden: „Jedermannsrecht“ bedeutet NICHT, daß man überall zelten und durchgehen darf. Der Nahbereich von Häusern, gartenartig angelegten Flächen und ähnliches sind explicit davon ausgenommen. Die StrandKANTE hingegen darf immer passiert werden. Doch ist es in Schweden nicht wirklich populär und laut allemansrätt keineswegs ok sein Zelt oder ggf. Wohnmobil an einer privaten Badestelle aufzustellen. Auch ungemähte Wiesen sind tabu (—> geht nicht mehr zu mähen). Diese kleinen Einschränkungen sollten alle die in Schweden Urlaub machen beherzigen - und überlegen: will ich selber - wenn das mein Grundstück wäre - daß wildfremde Touristen sich bei mir so breit machen? Wenn man das beachtet wird alles gut!
BlogBlab 25.04.2018
3.
Die kalten Temperaturen selbst im Hochsommer und die aufdringlichen Mücken muss man schon mögen, wenn man in diesen Gegenden Urlaub macht. Gerade beim Zelten dürften diese Faktoren besonders negativ sein. Dann doch lieber [...]
Die kalten Temperaturen selbst im Hochsommer und die aufdringlichen Mücken muss man schon mögen, wenn man in diesen Gegenden Urlaub macht. Gerade beim Zelten dürften diese Faktoren besonders negativ sein. Dann doch lieber Südschweden.
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