Reise

Mongol Rally 2017

Drei Männer, ein alter Polo, 15.000 Kilometer

Tobias, Niclas und Johann wollen nach Russland, mit ihrem Polo, Baujahr 1993. Vor zwei Wochen sind sie in London gestartet. Warum? Es war "viel zu lange her, dass wir was richtig Dummes gemacht haben".

Team Hinz und Kunz
Von
Samstag, 29.07.2017   10:45 Uhr

Der Motor stottert das erste Mal in Istanbul auf der vierspurigen Stadtautobahn. Viermal versuchen Tobias, Niclas und Johann, den 24 Jahre alten Polo wieder zum Laufen zu bringen - ohne Erfolg. Die Innenstadt ist verstopft, irgendwann geht auch um sie herum nichts mehr vorwärts. Also abwarten. Als sich der Stau auflöst, ist der Motor abgekühlt und springt wieder an.

Zum Glück, denn die drei 29-Jährigen haben noch ein gutes Wegstück vor sich: Sie wollen bei der "Mongol Rally" 24 Länder durchqueren, rund 15.000 Kilometer von Großbritannien bis nach Russland - und das alles in ihrem alten Polo. Denn zu der Rallye sind nur Autos zugelassen, die einen kleinen Motor haben, maximal erlaubt ist ein Hubraum von 1,2 Litern. Um teilnehmen zu können, müssen die Fahrer außerdem mindestens 1200 Euro sammeln, die dann für einen guten Zweck gespendet werden.

Fotostrecke

Mongol Rally 2017: 24 Länder in sechs Wochen

Am 16. Juli fiel der Startschuss, rund 300 Teams nehmen in diesem Jahr laut Veranstalter teil. Eine vorgegebene Route gibt es nicht, jedes Team ist auf sich allein gestellt. Fest steht lediglich das Ziel: Ulan-Ude, die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien im südöstlichen Sibirien. Einen Preis bekommen die Teilnehmer nicht. Dafür helfen die Veranstalter beim Beantragen der nötigen Visa und beim Rücktransport der Autos.

Knapp zwei Wochen sind Niclas, Tobias und Johann bereits unterwegs, inzwischen sind sie in Anatolien angekommen. Größere Zwischenfälle gab es bisher nicht. Das haben sie wohl hauptsächlich Johann zu verdanken, der sich als Ingenieur mit Autos auskennt.

Abwechselnd fahren sie jeden Tag rund acht Stunden, nachts schlafen sie in der Wildnis, in einem Zelt oder im Auto. "Die Fahrt ist manchmal ziemlich langweilig", sagt Tobias, der gerade sein Referendariat an einer Schule in Hamburg macht. Bei den hohen Temperaturen müssten sie die Fenster herunterkurbeln. "Dadurch ist es so laut, dass wir uns nicht unterhalten können. Musik hören geht auch nicht", erzählt er. Die Tage seien hauptsächlich bedürfnisorientiert: "Was essen wir? Wo schlafen wir? Wann können wir aufs Klo?"

Sportliche Aufgaben gegen die Langeweile

Um die Langeweile zu vertreiben, haben sich die drei Aufgaben gestellt. Die erste haben sie schon erfüllt und Tennis gespielt in der serbischen Stadt Prokuplje. "Wir wollen auch kegeln gehen, was außerhalb Deutschlands erstaunlich schwierig ist", sagt Johann. Als Nächstes wollen sie ein Fußballspiel pfeifen, am liebsten in Iran.

Die drei kennen sich schon seit der Schulzeit. Auf Instagram schreiben sie, wie sie auf die Idee für die Reise gekommen sind: "Als wir neulich zusammensaßen, haben wir uns gefragt: Wie lange ist es eigentlich her, dass wir was richtig Dummes gemacht haben? Viel zu lange! Dann sollten wir mit einem Auto in die Mongolei fahren."

Teamvorstellung! . Name: Tobi . Beruf: Lehrer . Warum die Mongol-Rally: Als wir letztens zusammen saßen, haben wir uns gefragt: "Wie lange ist es eigentlich her, dass wir was richtig dummes gemacht haben?" - viel zu lange! Dann sollten wir mit einem Auto in die Mongolei fahren. Deswegen Mongo-Rally. . . . #mongolrally #adventurist #mongolia #rallye #mongolei #hinzundkunz #abenteurer #instatravel #travelgram #instapassport

Ein Beitrag geteilt von Team Hinz & Kunz (@teamhinzkunz) am

Im Internet können Familie und Freunde ihre Route verfolgen. Ihr Weg führt auch an den Grenzen zu Syrien und Afghanistan vorbei. Angst haben sie aber nicht.

Die drei befürchten eher, sich zu verfahren - denn sie sind ohne Navigationsgerät unterwegs und fahren nur nach Straßenkarten. "Auf dem Weg von Serbien in den Kosovo haben wir uns verfahren. Das war kaum ausgeschildert", erzählt Niclas. Sie landeten auf einem Schotterweg mitten in den Bergen. "Wir haben dann Einheimische nach dem Weg gefragt, und die haben uns gesagt, wo wir langfahren müssen", sagt der 29-Jährige.

Problematischer sei es in den Großstädten. "Als wir in Istanbul nach dem Weg Richtung Zentrum gefragt haben, fragten die Leute nur, welches Zentrum wir meinen", sagt Johann lachend.

So in etwa könnte die Route aussehen. Nach aktuellem Stand wären das 14.208 km! #mongolrally #mongolrally2017 #mongolei #adventurist #theadventurists #mongolia #teamhinzkunz #travelgram #instatravel #instapassport #route #Iran #prague #Istanbul #ulaanbaatar #pamirhighway #kyrgyzstan #roadtrip #Rallye #10000miles

Ein Beitrag geteilt von Team Hinz & Kunz (@teamhinzkunz) am

Sechs Monate lang haben sie sich auf ihr Abenteuer vorbereitet. Den 24 Jahre alten Polo haben sie für 300 Euro bei einem Münsteraner Fahrradhändler gekauft. Der rote Lack blättert an vielen Stellen ab. Der TÜV ist gerade so lange gültig, wie die drei noch in Europa sind. Der Kilometerstand ist bei 140.226 Kilometern stehen geblieben.

Zur Sicherheit legten sie sich noch einen zweiten Polo zu: zum Ausschlachten. Nun lagern zusammengeschnürt auf einem rostigen Metallträger aus den Siebzigerjahren zwei Ersatzreifen, eine Lichtmaschine, ein Vergaser, dazu diverse Schläuche und Werkzeug. Vorsichtshalber haben sie ihr Auto höher gelegt.

Wie das Auto nach der Rallye wieder zurück nach Deutschland kommen soll, wissen sie noch nicht. In Russland können sie den Polo nicht lassen. Sie mussten 5000 Euro beim ADAC hinterlegen, die sie nur wiederbekommen, wenn das Auto zurück in der EU ist.

Doch zunächst müssen sie es erst einmal bis nach Ulan-Ude schaffen. Noch vier Wochen haben sie dafür - dann ist der Urlaub von Tobias und Johann zu Ende. Notfalls müssen die beiden zurückfliegen, und Niclas muss den Polo allein bis ins Ziel fahren. Ohne Ingenieur Johann.

insgesamt 12 Beiträge
xvxxx 29.07.2017
1. Wo fahren die jetzt hin?
Nach Ulan-Ude wie im Text, oder nach Ulaanbataar , wie im Bild? Ist nicht die Welt an unterschied, von uns aus gesehen, aber halt doch 600km und ein anderes Land
Nach Ulan-Ude wie im Text, oder nach Ulaanbataar , wie im Bild? Ist nicht die Welt an unterschied, von uns aus gesehen, aber halt doch 600km und ein anderes Land
Annabelle1811 29.07.2017
2. Ich hoffe,
sie schaffen es rechtzeitig. Das ist ein tolles Erlebnis und ich muß die 3 bewundern. Aber, so wie sie es geplant haben und ausgestattet sind, sollten sie es schaffen. Das ist etwas, worauf sie stolz sein können. Ich hoffe nur, [...]
sie schaffen es rechtzeitig. Das ist ein tolles Erlebnis und ich muß die 3 bewundern. Aber, so wie sie es geplant haben und ausgestattet sind, sollten sie es schaffen. Das ist etwas, worauf sie stolz sein können. Ich hoffe nur, daß sie nicht beklaut oder bedroht werden. Hoffentlich hören wir auch über den Ausgang des Mongolen-Ralley s bei diesem Trio.
Einweckglas 29.07.2017
3. Weiter so!
Schwanck aus meiner Jugend: Mit ner alten Ente in den 80ern frueher Europa entdecken gewesen. Bilder sahen aehnlich aus, der VW Polo war da allerdings gerade erst auf dem Markt! (-; Handys, GPS usw. hatten wir nicht, zur groben [...]
Schwanck aus meiner Jugend: Mit ner alten Ente in den 80ern frueher Europa entdecken gewesen. Bilder sahen aehnlich aus, der VW Polo war da allerdings gerade erst auf dem Markt! (-; Handys, GPS usw. hatten wir nicht, zur groben Orientierung diente eine aus dem Schulatlas herausgerissene Europakarte. Zum Glueck konnten wir uns am Stand der Sonne und an den Sternen orientieren. Tennis hatten wir nicht gespielt, doch unser Zelt mal im Dunkeln versehentlich auf einem Tennisplatz aufgeschlagen. In diversen Grossstaedten die billigsten Absteigen kennengelernt und Romanzen in fast jedem Land gehabt. Also Jungs...ist ne tolle Sache. Gute Reise, denn der Weg ist das Ziel. Sollte es zumindest sein! Und danke fuer die kleine Gedankenreise, die eure Story in mir ausgeloest hat! ;-)
Raget 29.07.2017
4. Ulan Ude
Nach den Informationen auf der verlinkten Website geht es nach Ulan Ude. Was verwirrender ist: laut Regelwerk ist nur ein Hubraum bis maximal ein Liter zulässig. Damit wäre der Polo raus.
Nach den Informationen auf der verlinkten Website geht es nach Ulan Ude. Was verwirrender ist: laut Regelwerk ist nur ein Hubraum bis maximal ein Liter zulässig. Damit wäre der Polo raus.
hansvonderwelt 29.07.2017
5. Ohne Navi..lachen,
es gibt gute Landkarten und wenn ihr freundlich seit helfen euch immer Leute.Bin früher nach Indien und durch die Sahara getrampt.Wo ein Wille ist,da ist ein Weg.Viel Glück,Toi Toi Toi !
es gibt gute Landkarten und wenn ihr freundlich seit helfen euch immer Leute.Bin früher nach Indien und durch die Sahara getrampt.Wo ein Wille ist,da ist ein Weg.Viel Glück,Toi Toi Toi !

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP