Reise

Hawaii-Insel Kauai

Auf den Hund gekommen

Die hawaiianische Insel Kauai ist für kilometerlange Wanderwege und weitläufige Strände bekannt. Perfekt zum Gassigehen, meint das örtliche Tierheim - und gibt seine Hunde Urlaubern mit.

Katharina Thalmann
Ein Interview von Steve Przybilla
Donnerstag, 08.11.2018   07:54 Uhr

SPIEGEL ONLINE: Frau Lee, Sie geben Hunde aus Ihrem Tierheim auf Kauai jeden Tag wildfremden Menschen mit. Haben Sie da keine Bedenken?

Laura Lee: Natürlich kann immer etwas passieren. Bis jetzt hatten wir drei Fälle, in denen ein Hund weggelaufen ist. Am Ende haben wir aber alle wiedergefunden. Wer einen Hund ausführt, muss zahlreiche Hinweise beachten: Hund anleinen, Hundehaufen aufsammeln, ausschließlich Hundestrände besuchen. Und niemals mit dem Tier einfach ins nächste Flugzeug steigen. Für alle Fälle notieren wir uns die Anschrift und die Kreditkartendaten der Urlauber.

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Ist es für die Hunde nicht auch stressig, immer von anderen Menschen ausgeführt zu werden?

Laura Lee: Das kommt auf den Hund an: Manche schlafen im Auto direkt ein, andere müssen erbrechen. Es passt nicht jeder Mensch zu jedem Hund. Deshalb geben wir allen Besuchern am Anfang Zeit, den Hund bei uns kennenzulernen. Die meisten Tiere freuen sich aber total, wenn sie rauskommen. Ein Ausflug an den Strand ist ein echtes Highlight. Selbst wenn die Personen wechseln: Alles ist besser als ein Tag im Zwinger.

SPIEGEL ONLINE: Sie beheimaten rund 250 Tiere. Wie kommen die Hunde zu Ihnen?

Laura Lee: Von unseren 250 Bewohnern sind etwa zwei Drittel Katzen und ein Drittel Hunde. Die Hunde werden auf Kauai häufig für die Schweine- und Ziegenjagd genutzt. Manche Jäger schaffen sich 20 bis 30 Tiere an, von denen aber nicht alle für diese Aufgabe geeignet sind. Oft werden die Hunde einfach ausgesetzt, und so kommen sie dann zu uns.

SPIEGEL ONLINE: Wie kamen Sie auf die Idee, Urlauber fürs Gassigehen einzuspannen?

Laura Lee: Wir haben zwar ein schönes Gelände, aber trotzdem kommen wir mit den Hunden nur etwa 20 Minuten am Tag raus. Mehr schaffen wir personell und zeitlich einfach nicht. Vor sechs Jahren hat uns eine Besucherin gefragt, warum wir die Hunde eigentlich nicht an Urlauber vermitteln. Die gehen doch sowieso jeden Tag spazieren. Wir geben ein Survival-Paket mit: Wassernapf, Leckerli, Handtücher fürs Auto. Und natürlich Kotbeutel. Heute kommen tatsächlich so viele Urlauber, dass manchmal alle Zwinger leer sind.

Fotostrecke

Gassigehen auf Kauai: Hundeurlaub

SPIEGEL ONLINE: Gibt es unter den Herrchen und Frauchen auf Zeit auch welche, die ihren Hund adoptieren wollen?

Laura Lee: Ja, wir haben schon etwa 250 Hunde auf diese Weise vermittelt - was erstaunlich ist, denn die Kosten sind nicht unerheblich. Je nach Airline zahlt man bis zu 200 Dollar Transportkosten, um einen Hund bis nach Kalifornien zu fliegen. Für die Ostküste kostet es bis zu 600 Dollar, von Flügen nach Europa ganz zu schweigen. Dennoch haben wir sogar nach Deutschland schon drei Hunde vermittelt. Natürlich ist die Reise sehr anstrengend, aber am Ende haben sie ein neues, liebevolles Zuhause. Das ist es wert.

Video: Das Tier und wir - Mensch und Hund

Foto: Studio Hamburg Enterprises
insgesamt 4 Beiträge
k70-ingo 08.11.2018
1. Eine gute Idee für Tierfreunde auf Reisen
So wird die Urlaubszeit, die schönste Zeit im Jahr, noch schöner. Man vermißt die zuhause gebliebenen Lieblinge nicht so sehr und tut obendrein als Wichtigstes etwas für wirklich geschundene Kreaturen. Dem sicherlich gleich [...]
So wird die Urlaubszeit, die schönste Zeit im Jahr, noch schöner. Man vermißt die zuhause gebliebenen Lieblinge nicht so sehr und tut obendrein als Wichtigstes etwas für wirklich geschundene Kreaturen. Dem sicherlich gleich einsetzenden "Fernreisen sind ganz pöhse!"-Gewimmer setze ich vorauseilend gleich einen drauf: Ich bin schon zweimal nach Thailand gereist, nur um mich dort um mißhandelte Hunde zu kümmern. Und ich würde es reinsten Gewissens immer wieder tun. Weil es weitaus sinnstiftender und charakterbildender ist, als durch Sehenswürdigkeiten zu latschen oder gar nur am Strand herumzulungern.
suplesse 08.11.2018
2. Toll
nur wenn der Vierbeiner an der Leine bleibt, hat er recht wenig davon. Gute Idee ist es trotzdem. Hunde an der Leine ist hundelangweilig und stressig zugleich für den Hund. Aber Hunde, die für die Jagd auf wilde Tiere gezüchtet [...]
nur wenn der Vierbeiner an der Leine bleibt, hat er recht wenig davon. Gute Idee ist es trotzdem. Hunde an der Leine ist hundelangweilig und stressig zugleich für den Hund. Aber Hunde, die für die Jagd auf wilde Tiere gezüchtet wurden, haben den Jagdinstinkt ausgeprägt.. Von daher ist es richtig, dass gerade Fremde sie an der Leine halten.
k70-ingo 08.11.2018
3.
Nicht zu vergessen, daß es sich bei den Gegenden mit den schönsten Wanderwegen und schönsten Stränden meist um Naturschutzgebiete handelt, wo ohnehin Leinenzwang herrscht.
Zitat von suplessenur wenn der Vierbeiner an der Leine bleibt, hat er recht wenig davon. Gute Idee ist es trotzdem. Hunde an der Leine ist hundelangweilig und stressig zugleich für den Hund. Aber Hunde, die für die Jagd auf wilde Tiere gezüchtet wurden, haben den Jagdinstinkt ausgeprägt.. Von daher ist es richtig, dass gerade Fremde sie an der Leine halten.
Nicht zu vergessen, daß es sich bei den Gegenden mit den schönsten Wanderwegen und schönsten Stränden meist um Naturschutzgebiete handelt, wo ohnehin Leinenzwang herrscht.
ha-ju-hess 12.11.2018
4. Urlaub mit (fremden) Hunden
Die Idee,,Hunde-Spazieren im Urlaub auf Hawai ist gut. Eine Idee mehr gibt es in dem mexikanischen Urlaubsort Sayulita am Pazifik. Dort vermittelt das von der unermüdlichen Schweizerin Sarah Briner geleitete Centrum „ Sayulita [...]
Die Idee,,Hunde-Spazieren im Urlaub auf Hawai ist gut. Eine Idee mehr gibt es in dem mexikanischen Urlaubsort Sayulita am Pazifik. Dort vermittelt das von der unermüdlichen Schweizerin Sarah Briner geleitete Centrum „ Sayulita Animals“ einen Hund für die Urlaubstage und -Wochen. Damit können die Hunde raus aus dem Gehege und sich an Menschen gewöhnen, denn final sollen sie über eine Adoptionsplatform eine neue Heimat finden, meist in USA und Canada. Wir hatten bisher viel Spass mit den Gasthunden.
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