Reise

Größter Fischmarkt der Welt in Tokio

Gong zur ersten Thunfischauktion

Tsukiji war gestern, jetzt finden die berühmten Thunfischauktionen in Toyosu statt: In Tokio hat der größte Fischmarkt der Welt an einem neuen Standort eröffnet. Mit ein paar Pannen.

DPA
Donnerstag, 11.10.2018   11:08 Uhr

Um 5.30 Uhr erklang die Glocke zum Start der Thunfischauktion zum ersten Mal: Nach der Schließung des berühmten Tokioter Fischmarktes Tsukiji, einer der größten der Welt, hat nun ein neuer moderner Großmarkt für Meerestiere aller Art eröffnet.

Nach zweijähriger Verzögerung wegen der notwendigen Entsorgung krebserregender Chemikalien im Untergrund begann am Donnerstag der Handel am neuen Standort auf der nahegelegenen künstlichen Insel Toyosu. Für das allgemeine Publikum öffnet der neue Markt am Samstag.

Wie immer begann der Handel auch am Donnerstag mit dem Verkauf von Thunfischen, die in langen Reihen am Boden des hochmodernen neuen Geländes auslagen. Laute Rufe mit Angeboten schwirrten kurz nach Auktionsbeginn durch die Halle.

Die Händler gaben sich hoffnungsvoll, dass auch der neue Markt florieren wird. Man werde "alles dafür tun", sagte der Chef des Fischgroßhändlers Daito Gyurui. Täglich verkaufen die Händler 480 Arten von Meerestieren im Wert von zwölf Millionen Euro.

Allerdings verlief der Start holprig: es kam zu Staus und Gedränge. Eine Frau wurde verletzt, als sie von einem Palettenlaster angefahren wurde. Ein anderes Lieferfahrzeug fing laut Medien Feuer. Den höchsten Preis des Auftaktstages erzielte ein 214 Kilo schwerer Thunfisch, der vor der nordjapanischen Provinz gefangen wurde: 4,28 Millionen Yen, umgerechnet rund 33.000 Euro.

Tokios Gouverneurin Yuriko Koike sagte bei einem morgendlichen Besuch des Markts, man wolle Toyosu zu Japans zentralem Handelsknotenpunkt machen und dabei auf die Erfahrungen des alten Tsukiji-Markts bauen.

Fotostrecke

Tokios Wahrzeichen: Der Fischmarkt zieht um

Rund 900 Unternehmen hatten ihr Geschäft vom bisherigen Markt in Tsukiji nach Toyosu verlegt. Der veraltete Tsukiji-Markt, der eines der beliebtesten Touristenziele in Tokio war, hatte den Betrieb am vergangenen Wochenende nach 83 Jahren eingestellt. Die alten Markthallen in Tsukiji sollen abgerissen werden und in Vorbereitung der Olympischen Spiele 2020 Platz schaffen für Parkplätze und Straßen.

Der neue Markt hat eine Fläche von 40 Hektar und ist damit etwa 70 Prozent größer als der alte Tsukiji-Markt. Der moderne Komplex mit Geschäften und Restaurants besteht aus drei Gebäuden, hat Aussichtsplattformen für Touristen und bietet Touren für Besucher an.

Von einem Obergeschoss können Besucher die Thunfischauktionen, wo Tiere für mehrere tausend Euro den Besitzer wechseln, hinter Glas beobachten. Bisher konnten nur maximal 120 Gäste den frühmorgendlichen Auktionen beiwohnen, allerdings konnten sie dabei noch nahe den Fischen stehen

Eigentlich sollte der Markt schon vor zwei Jahren umgezogen sein, doch musste der Untergrund des neuen Geländes in Toyosu wegen hochgradiger Verseuchung mit Umweltgiften wie Benzol und Arsen zunächst aufwendig saniert werden. Dort stand früher eine Gasfabrik.

Im Juli hatte die Stadtverwaltung das Gelände für sicher erklärt. Dennoch bleibt das Gebiet auch weiter unter Beobachtung, nachdem im Grundwasser an einigen Stellen erneut Benzol festgestellt worden war.

Im Video: Krieg um den roten Thun - Bis(s) zum letzten Fisch

Foto: SPIEGEL TV

abl/dpa/AFP

insgesamt 2 Beiträge
mynonys22 11.10.2018
1. sehr schade
der Flair des tsukiji war echt wunderschön, verwinkelte Gassen kleine Läden mit Snacks und das frischeste Sushi, sehr schade. Mal gespannt ob Toyosu da mithalten kann.
der Flair des tsukiji war echt wunderschön, verwinkelte Gassen kleine Läden mit Snacks und das frischeste Sushi, sehr schade. Mal gespannt ob Toyosu da mithalten kann.
Ditje26 11.10.2018
2. Der alte Markt hatte Flair
Ich kann verstehen, dass sich die Real Estate Leute die Finger lecken, wenn das Areal bald auf den Markt kommt, und der zentralgelegene Wohnraum wird dringend gebraucht. Allerdings finde ich es auch schade. Als wir dort gewohnt [...]
Ich kann verstehen, dass sich die Real Estate Leute die Finger lecken, wenn das Areal bald auf den Markt kommt, und der zentralgelegene Wohnraum wird dringend gebraucht. Allerdings finde ich es auch schade. Als wir dort gewohnt haben, direkt gegenüber vom Markt, bin ich fast jeden Tag drüber gelaufen, für frischen Fisch, zum Fotos machen, fritierten Oktopus knabbern oder frische Dumpings direkt auf die Hand. Der beste Ramen-Laden war an der Außenseite, wo auch viele andere kleine Küchen Mittagsgäste aus der Gegend versorgten. Die schaffen es in der kurzen Pause wahrscheinlich nicht bis nach Toyosu.
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP