Leben und Lernen
Ausgabe
20/2017

Cybergewalt

"Bis unter die Bettdecke"

Chiara ist 17, sie wurde massiv im Internet gemobbt. Wie ihr ergeht es laut einer neuen Studie jedem achten Jugendlichen. Was sind die Gründe - und was kann man dagegen tun?

Thomas Lohnes/DER SPIEGEL

Schülerin Chiara

Von
Freitag, 19.05.2017   09:44 Uhr

Das 2011 gegründete Bündnis gegen Cybermobbing hat mit Unterstützung der Telekom über 3000 Schüler, Eltern und Lehrer zu Onlinemobbing befragt. Uwe Leest, 55, Mitautor der Studie, ist Vorsitzender des Vereins. Peter Sommerhalter, 44, klärt als Dozent für Prävention und Medienberatung an Schulen über die Gefahren von Cybermobbing auf. Dabei lernte er Chiara, 17, kennen, die bis vor einem Jahr massiv im Internet beleidigt wurde.

SPIEGEL: Herr Leest, das Problem Mobbing ist schon länger bekannt. Was ist so anders an Cybermobbing, dass Sie sich gezielt dagegen einsetzen?

Leest: Cybermobbing ist noch schlimmer. Früher war es eine Clique, die sich über jemanden lustig machte, heute können das in einer WhatsApp-Gruppe 100 oder 1000 Mitschüler gleichzeitig sein. Die Anonymität im Netz macht es dem Angreifer leichter, sein Opfer zu treffen. Und: Das Internet vergisst nie.

Sommerhalter: Ich habe früher selbst Mobbing erlebt, als Täter und als Opfer. Doch zu Hause war ich sicher, da gab es meinen großen Bruder, meinen Hund. Heute nehmen Kinder ihr Handy mit ins Bett. So kommen die Beleidigungen durch die Haustür, am Schlafzimmer der Eltern vorbei bis unter die Bettdecke. Der Schutzraum ist weg. Selbst Eltern, die ihren Kindern das Internet ab 20 Uhr sperren, wissen nicht, dass ihre Kinder womöglich das WLAN-Passwort vom Nachbarn besitzen.

SPIEGEL: Chiara, wie fing das bei Ihnen an?

Titelbild

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insgesamt 8 Beiträge
TLB 19.05.2017
1.
wer sich das WLAN-Passwort vom Nachbarn besorgt, um etwas zu konsumieren, was ihm nicht gut tut, braucht allerdings ärztliche Hilfe.
wer sich das WLAN-Passwort vom Nachbarn besorgt, um etwas zu konsumieren, was ihm nicht gut tut, braucht allerdings ärztliche Hilfe.
theresarain 19.05.2017
2. Was für ein unsagbarer erster Kommentar
unglaublich, der erste Kommentar zeigt schon wunderbar, wie Mobber ticken. Mobbingopfer sind natürlich selbst schuld. Weil angeblich "falsches" Outfit, "falsches" Verhalten, dazu noch eine gratis Ferndiagnose [...]
unglaublich, der erste Kommentar zeigt schon wunderbar, wie Mobber ticken. Mobbingopfer sind natürlich selbst schuld. Weil angeblich "falsches" Outfit, "falsches" Verhalten, dazu noch eine gratis Ferndiagnose über den angeblichen Gesundheitszustand und auch ansonstes nichts als fieses Gelästere. Offenbar Null Empathie für Menschen, die auch nur irgendwie anders sind, als man das selbst gerne hätte und Beleidigungen werden unter "Meinungsfreiheit" verbucht. Kaum glaublich, dass es so ein Kommentar durch die Moderation geschaft hat. Und nein, es ist rechtlich alles andere als leicht, Kommentare wieder aus dem Internet entfernen zu lassen. Zum Glück bin ich noch eine Generation, wo so ein Verhalten tatsächlich "nur" auf dem Schulhof stattfand - das war schon schlimm genug für die Opfer (zwei meiner Schulfreunde haben sich schon damals infolgedessen getötet).
manicmecanic 19.05.2017
3. roby111 kompletter Blödsinn ?
Das kann man sagen wenn man Ihren Kommentar liest.Als wenn es von Bedeutung ist ob die gemobbte Person alles im net findet was verbreitet wird.Vollkommen irrelevant,aber nicht daß jeder andere diesen Mist sehen kann und es auch [...]
Das kann man sagen wenn man Ihren Kommentar liest.Als wenn es von Bedeutung ist ob die gemobbte Person alles im net findet was verbreitet wird.Vollkommen irrelevant,aber nicht daß jeder andere diesen Mist sehen kann und es auch tut.Noch krasser sind Ihre Sprüche in Sachen,kein Wunder daß Chiara gemobbt wird,weil sie sieht ja so aus und benimmt sich komisch etc. Falls Sie es nicht bemerken,damit rechtfertigen Sie das mobbing,ergo finden das ok.Sie sind also selbst einer von denen,danke fürs outing.
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 19.05.2017
4. Ganz einfach ein anderes Netzwerk suchen
Wer nur die "marktüblichen" Dienste verwendet ist selber Schuld. Es gibt im Internet noch genügend Communities die nicht von Massenblödheit und Aufmerksamkeitsökonomie befallen sind. Auf den etablierten Plattformen [...]
Wer nur die "marktüblichen" Dienste verwendet ist selber Schuld. Es gibt im Internet noch genügend Communities die nicht von Massenblödheit und Aufmerksamkeitsökonomie befallen sind. Auf den etablierten Plattformen Fakebook tummeln sich eben Selbstdarsteller, Nazis und Vollidioten die mit ihrer Dummheit bei der Masse Aufmerksamkeit generieren. Man tut sich und anderen einen großen Gefallen damit diese Plattformen nicht weiter zu nutzen und nach vernünftigeren Alternativen zu suchen die von vernünftigeren Leuten genutzt werden. Dieser ganze Social-Media-Smartphone-App Schwachsinn im Prinzip die Vergewaltigung einer Technologie die eigentlich ein enormes Potential birgt welches aber von kapitalistischer Dreckslogik völlig zunichte gemacht wird.
theresarain 19.05.2017
5. Danke an die Moderation
für die Entfernung des ersten Kommentars. Eventuell wäre es eine Möglichkeit, wie bei ZON eine Option "der Kommentar wurde entfernt" einzufügen, denn so wirkt es nun beispielswiese, als würde sich mein Kommentar auf [...]
für die Entfernung des ersten Kommentars. Eventuell wäre es eine Möglichkeit, wie bei ZON eine Option "der Kommentar wurde entfernt" einzufügen, denn so wirkt es nun beispielswiese, als würde sich mein Kommentar auf den jetzt ersten (damals zweiten) Kommentar beziehen. Den ich allerdings auch kritisieren muss, denn tatsächlich kann man von Teenagern natürlich noch nicht verlangen, dass sie da "einfach abschalten". Die wollen, ja müssen, wissen, was über sie geredet wird. Es ist existenziell wichtig für sie in ihrem Schulalltag, auch die Lästereien zu kennen und da nicht kalt erwischt zu werden.

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