Politik
Ausgabe
33/2017

Besuch bei Elke Twesten

"Wendehals des Jahres"

Elke Twesten nahm der rot-grünen Landesregierung in Hannover mit ihrem Parteiwechsel im Alleingang die Macht. Wer ist diese Frau? Ein Hausbesuch.

Philipp Schmidt/ DER SPIEGEL

Politikerin Twesten in ihrem Garten: "Mit so viel Wut habe ich nicht gerechnet"

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Samstag, 12.08.2017   14:18 Uhr

Auf dem Esszimmertisch liegt ein Stapel voller Hass. Es sind Briefe und Zettel, am Computer getippt oder handgeschrieben. Elke Twesten hat sie geordnet und sorgfältig über dem blau-weiß-rot gestreiften Tischdeckchen aufgeschichtet.

"Sie sind ein Mensch ohne jede Moral, ohne jeglichen Skrupel, ohne Ethik, ohne Niveau und ohne Charakter", schrieb eine Frau aus München. Sie hat ein Foto mit dem Konterfei der niedersächsischen Landtagsabgeordneten in das Dokument kopiert. Daneben steht: "Das Gesicht zeigt schon Widerwärtiges!" Eine Frau aus Herrsching am Ammersee hat ein Julius Caesar zugeschriebenes Zitat geschickt: "Ich liebe den Verrat, aber hasse Verräter." Ob sie sich gar nicht schäme, "einen so rückgratlosen Auftritt hinzulegen".

Auch auf der Facebook-Seite der Politikerin und via Twitter unter dem Hashtag #Twesten ließen die Menschen ihren Aggressionen freien Lauf. "Deine Dummheit ist ungeheuerlich du Opfer", postete jemand. Sie sei gekauft, hieß es, der "Wendehals des Jahres". Nach mehreren Tausend Einträgen hörte die Adressatin des Shitstorms auf zu zählen.

In ihrem Wohnzimmer sitzt Elke Twesten auf einem Stuhl, vergräbt die Hände unter ihren Oberschenkeln. Sie trägt einen dunklen Blazer, wie in ihrer spektakulären Pressekonferenz, dazu eine gemusterte Bluse und ein zartes Silberkettchen. Die vergangenen Tage haben dunkle Schatten unter ihren Augen hinterlassen, ihre Mimik wirkt, als käme sie gerade aus einer Kältekammer. Twesten überlegt lange, bevor sie spricht, beugt sich nach vorn, hüstelt nervös.

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Heft 33/2017
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