Panorama
Ausgabe
39/2017

Weihnachtsmarktattentäter

Wie die Polizei die Überwachung von Anis Amri verpatzte

Woher wusste der spätere Weihnachtsmarktattentäter, dass die Behörden hinter ihm her waren? Ermittlungsakten belegen: Überforderte Beamte haben ihn gewarnt.

Von und
Freitag, 22.09.2017   17:59 Uhr

Die Ansage der nordrhein-westfälischen Polizei war eindeutig: Wenn Anis Amri mit dem Flixbus von Dortmund in der Hauptstadt ankommt, sollen die Berliner Kollegen ihn beobachten - und ihn auf keinen Fall merken lassen, dass er überwacht wird.

Am Tag davor war Amri als sogenannter Gefährder eingestuft worden, er hatte in einem Chat mit IS-Kämpfern in Libyen verklausuliert von einem Selbstmordattentat gesprochen und sich im Netz Bombenbauanleitungen angesehen. Das Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf war alarmiert und bat um dringende Amtshilfe.

Doch die Berliner Polizei konnte auf die Schnelle keine Kräfte auftreiben, um Amri bei seinem Ausflug zu observieren. Also nahmen die Beamten den Islamisten entgegen allen Absprachen mit aufs Präsidium. Und kassierten auch noch sein Handy ein, obwohl die Kollegen aus Düsseldorf zunächst darauf hingewiesen hatten, "das Mobiltelefon der Zielperson nicht anzurühren" - die nordrhein-westfälischen Ermittler hörten das Gerät heimlich ab.

Das war am 18. Februar 2016. Zehn Monate später raste Anis Amri mit einem Sattelschlepper über den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche und tötete zwölf Menschen. Hätte der Anschlag im Dezember verhindert werden können, wenn die vielen Behörden, die sich mit ihm beschäftigten, besser zusammengearbeitet hätten?

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Heft 39/2017
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