Politik
Ausgabe
6/2018

Angela Merkel

Die Mutter der Nation

Angela Merkel hat das Land radikaler verändert als ihre Vorgänger. Was bleibt von der Kanzlerschaft, wenn ihre Ära endet?

Gregor Fischer / DPA

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Von
Dienstag, 06.02.2018   11:17 Uhr

Vergangene Woche flog Angela Merkel für eine kurze Visite nach Davos. Auf den ersten Blick war alles wie immer, freundliches Publikum, weißes Stehpult, dann Merkels Anmerkungen zur Weltlage - hätte es nicht nach der Rede der Kanzlerin noch eine kleine Fragerunde mit Klaus Schwab gegeben, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums. Bald kam Schwab auf die Mühsal der Berliner Regierungsbildung zu sprechen, trauriger Blick, als er von den "schwierigen Monaten" sprach, die hinter Merkel liegen. "Wir sind immer da", versicherte Schwab zum Schluss, er wünsche Merkel für die "Restphase" alles Gute.

Restphase? Es war nicht ganz klar, ob Schwab die Koalitionsverhandlungen meint oder Merkels Amtszeit. Die Kanzlerin versicherte jedenfalls eilig, dass Mitleid ganz und gar unnötig sei. Merkel hat - wie jeder Kanzler - eine gewisse Routine darin entwickelt, Meldungen über den kurz bevorstehenden Abtritt entgegenzunehmen. Aber seit der Bundestagswahl liegt über allem der Hauch des Abschieds. Die Union verzeichnete das schlechteste Ergebnis seit 1949, und wenn nicht alle Anzeichen täuschen, macht sich Merkel daran, ihre Nachfolge zu regeln.

Die Deutschen blicken merkwürdig gespalten auf die Frau, die schon so lange regiert, dass sich die Jüngeren gar nicht mehr an eine Zeit erinnern, als ein Mann das Kanzleramt führte. Es gibt - einerseits - den Wunsch nach Veränderung, eine Merkel-Müdigkeit, die sich nicht nur im kurzen Hype um Martin Schulz Bahn brach, sondern auch im Aufblühen der Anti-Merkel-Partei AfD bei der Bundestagswahl. Andererseits scheinen die Deutschen nun aber schon wieder Angst vor der eigenen Courage zu haben, 51 Prozent der Deutschen fänden es gut, wenn Merkel ihre Kanzlerin bliebe, sie ist - hinter Sigmar Gabriel - die populärste Politikerin Deutschlands. Natürlich nervt die lange Suche nach einer neuen Regierung. Die Lust am Experiment, die sich im Ergebnis der Bundestagswahl ausgedrückt hat, ist dem sehr deutschen Wunsch nach geordneten Verhältnissen gewichen. Aber reicht das als Erklärung?

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