einestages
Ausgabe
4/2003

Bombenangriff auf deutsche Städte 1945

"Überall Leichen, überall Tod"

Um die Moral der Bevölkerung zu brechen, inszenierten die Engländer ab 1942 den Bombenterror gegen deutsche Städte. Etwa eine halbe Million Zivilisten kamen um - die meisten in Hamburg und Dresden.

Foto: DEUTSCHE FOTOTHEK/ Walter Hahn
Von Ulrich Schwarz
Dienstag, 13.02.2018   14:40 Uhr
"Wir bomben Deutschland, eine Stadt nach der anderen, immer schwerer, um euch die Fortführung des Krieges unmöglich zu machen. Das ist unser Ziel. Wir werden es unerbittlich verfolgen. Stadt für Stadt: Lübeck, Rostock, Köln, Emden, Bremen, Wilhelmshaven, Duisburg, Hamburg - und die Liste wird immer länger."

(aus einem von Luftmarschall Arthur Harris unterschrieben Flugblatt, das im Sommer 1942 massenhaft über Deutschland abgeworfen wurde)

Die Generalprobe findet über Lübeck statt. In der Nacht zum 29. März 1942, Palmsonntag, greifen englische Bomber die Hansestadt an der Trave an. Spätabends um 16 Minuten nach 11 Uhr schrillen die Sirenen, doch die meisten der 150.000 Lübecker nehmen das Geheul nicht sonderlich ernst. Mehr als 200-mal schon seit Kriegsbeginn hatte es Fliegeralarm gegeben, nie war eine Bombe gefallen.

Doch diesmal ist es ernst. Lübeck ist vom englischen Bomberkommando als erstes Opfer einer neuen strategischen Luftoffensive ausersehen. An der engen, verwinkelten Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern wollen die Briten ausprobieren, ob es gelingt, mit Hilfe von Spreng- und Brandbomben ganze Städte in Schutt und Asche zu legen - um so die Deutschen an der Heimatfront zu demoralisieren.

Der Chef des britischen Bomberkommandos, Luftmarschall Arthur Harris, will einen Geheimbefehl des englischen Luftstabes umsetzen, den er bei seinem Amtsantritt im Februar vorgefunden hat: "Es ist beschlossen worden, dass Ihr Hauptangriffsziel von nun an die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, vor allem der Arbeiterschaft, sein soll." Bis Kriegsende werden 161 deutsche Städte diese Order zu spüren bekommen.

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