Wirtschaft
Ausgabe
41/2017

IWF-Chefin Christine Lagarde

Männer stören nur

Christine Lagarde hat aus dem männerdominierten Internationalen Währungsfonds eine frauenfreundliche Organisation gemacht. Hilft ihr das im Umgang mit Donald Trump?

REUTERS

IWF-Chefin Lagarde

Von
Montag, 09.10.2017   04:37 Uhr

Am Ende eines langen Tages in der Wüstenstadt Dubai, an dem Christine Lagarde den Regenten von Dubai getroffen hat und auf dessen World Government Summit eine Podiumsdiskussion abgesessen hat, trifft sie sich in ihrem Hotel anderthalb Stunden mit einheimischen Frauen. Am Ende des Gesprächs soll ihr Pressesprecher noch ein Erinnerungsfoto machen.

Treffen mit Frauen gehören zum festen Ritual ihrer Auslandsreisen. Sie nennt diese Treffen "Girls Out" und hat festgelegt, dass an diesen Treffen kein männlicher Mitarbeiter teilnehmen darf, keiner ihrer Aktenträger, nicht einmal ihr Lebensgefährte Xavier Giocanti, der sie gelegentlich auf ihren Reisen begleitet. Lagarde findet, dass Frauen untereinander anders reden, offener, ehrlicher.

Männer, findet sie, stören da nur.

Seit sechs Jahren ist Christine Lagarde nun Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), einer Organisation, die von ihrer Gründung im Jahr 1945 an ausschließlich von Männern geführt wurde, auch in der kommenden Woche, auf der Herbsttagung des IWF, dürften sie in der Mehrheit sein. Lagardes Vorgänger Dominique Strauss-Kahn war ein Macho alter Schule, der zwischenzeitlich unter Verdacht stand, in einem New Yorker Hotel ein Zimmermädchen vergewaltigt zu haben, und deshalb im Frühjahr 2011 zurücktreten musste. Sie sollte dem IWF den Herrenwitz austreiben.

Alles sollte weiblicher werden, sanfter, gesitteter, politisch korrekter. In Deutschland regierte nicht mehr Gerhard Schröder, sondern Angela Merkel, in den USA nicht mehr der cowboyhafte George W. Bush, sondern der einende Barack Obama. Auch in ihrem Heimatland Frankreich steuerte Präsident Nicolas Sarkozy, dessen Finanzministerin sie war, auf das Ende seiner Amtszeit zu.
Aber dann wurde vor einem knappen Jahr Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt, und der Machismus kehrte in die Politik zurück, in karikaturhafter Größe.

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Heft 41/2017
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