DER SPIEGEL
Ausgabe
45/2016

Fußball

Wie Deniz Naki zum türkischen Staatsfeind wurde

Deniz Naki war deutscher Junioren-Nationalspieler, spielte bei St. Pauli, wechselte dann in die Türkei. Nun drohen ihm dort fünf Jahre Haft - weil er die Kurdenpolitik der türkischen Regierung angeprangert hat.

Emin Ozmen/LEJOURNAL/DER SPIEGEL

Deniz Naki

Von
Sonntag, 06.11.2016   16:55 Uhr

In seiner Heimat sorgen sich die Menschen um Deniz Naki. Seine Mutter flehte ihn am Telefon an: "Bitte, komm zurück nach Deutschland." "Willst du in einem türkischen Knast sterben?", fragten seine Freunde.

Deniz Naki, 27 Jahre alt, Fußballspieler aus Düren in Nordrhein-Westfalen, sitzt an einem Freitag im Oktober auf einem abgewetzten Ledersofa im Vereinsheim des Amed Sportif Faaliyetler Kulübü in Diyarbakr, einer Stadt im Südosten der Türkei. Er hat einen kräftigen Bart und trägt einen blauen Trainingsanzug und Turnschuhe. Auf seinem Handrücken hat er sich ein Che-Guevara-Tattoo stechen lassen, auf den Unterarm das Wort Azadi, es ist Kurdisch und heißt Freiheit. Naki schüttelt den Kopf. "Wenn ich jetzt ginge, käme das einem Schuldeingeständnis gleich", sagt er.

Naki hat als Jugendlicher für Bayer Leverkusen gespielt, er stieg mit dem FC St. Pauli in die Bundesliga auf. Vor drei Jahren wechselte er in die Türkei, das Herkunftsland seiner Eltern. Seit vergangenem Sommer läuft er für den türkischen Drittligisten Amedspor aus Diyarbakr auf, die inoffizielle kurdische Nationalmannschaft.

Im Januar bezwang sein Klub im Achtelfinale des Pokals überraschend den ehemaligen türkischen Meister Bursaspor. Naki, Deutscher mit kurdischen Wurzeln, widmete den Sieg auf Facebook den Opfern der türkischen Militäroperation gegen kurdische Rebellen, "den Menschen, die in den 50 Tagen der Unterdrückung getötet oder verletzt wurden". Seither ist er für seine kurdischen Landsleute ein Held - und für die Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan ein Staatsfeind.

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