Wissenschaft
Ausgabe
52/2016

Rückkehr der grauen Räuber

Ein ganz Lieber, der Wolf

Er ist der Liebling für Naturschützer und eine Horrorvorstellung für Schäfer: Der Wolf ist in Deutschland zurück - und naturgemäß hat er Hunger. Zum Beispiel auf Schafe. Was also tun?

DPA
Von
Freitag, 30.12.2016   14:55 Uhr

Ziemlich genau zwei Kilometer fährt man in Hannover vom Kasino RP5 zum niedersächsischen Landtag. An diesem Mittwoch im Dezember aber scheinen sich die beiden Häuser auf verschiedenen Planeten zu befinden - obwohl es hüben wie drüben um die gleiche Frage geht: wie gefährlich der Wolf nun wirklich sei.

In der Welt von Wendelin Schmücker ist das Ende nah. Es dräut: das Armageddon der Weidetierhaltung und damit der blühenden Wiesen, der Bienen und Blumen. Des Landlebens, der gemütlichen Dörfer, Bauernhöfe, der freiwilligen Feuerwehr. In Schmückers Welt tobt ein Krieg der Städte gegen das Land. Denn in den Städten leben jene Ökoromantiker, die grün wählen und die Wiederkehr der Wölfe feiern - während diese unbehelligt den Nutztieren der Dörfler an die Gurgel gehen.

In der Welt von Stefan Wenzel läuft es gut für Niedersachsens Tierhalter. Seit das Land verstärkt in Schutzmaßnahmen investiere, habe sich die Lage bei den Wolfsangriffen auf Schafe, Ziegen und Rinder entspannt. Die Zahl der Schäfer habe sogar zugenommen.

Wölfe, das ergaben Kotanalysen, ernährten sich fast ausschließlich von Schalenwild, von Rehen also, Wildschweinen oder Rothirschen. Nur ganz selten lande mal ein Lämmchen auf dem Speisezettel. Ein ganz Lieber, der Wolf. Oder etwa doch nicht?

Titelbild

Aus dem SPIEGEL

Heft 52/2016
Stille Nacht
Weihnachten in Zeiten des Terrors

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insgesamt 23 Beiträge
quark2@mailinator.com 30.12.2016
1.
Es fängt damit an, daß die Wiederansiedelung der Wölfe ein perfektes Beispiel für einen Volksentscheid gewesen wäre, mit sachlicher Diskussion, ehrlicher Auflistung potentieller Probleme und realistischen Lösungswegen vorab. [...]
Es fängt damit an, daß die Wiederansiedelung der Wölfe ein perfektes Beispiel für einen Volksentscheid gewesen wäre, mit sachlicher Diskussion, ehrlicher Auflistung potentieller Probleme und realistischen Lösungswegen vorab. Aber wie bei der Linksschreibreform hat man die Entscheidung über die Köpfe der Leute hinweg getroffen. Nun haben wir eine 100%-Lösung wo ein toter Wolf mitunter intensiver kriminaltechnisch untersucht wird als manch zweifelhafter menschlicher Todesfall. Es erinnert an den Einspeisevorrang der Ökoenergie oder die Atomabschaltung. Wir können offenbar keinen Mittelweg mehr, sondern eine Seite muß total gewinnen. Nun zurück zu den Schafen: Normale Schafherden wandern. Dabei befestigen sie z.B. Deiche. Wandernde Schafherden kann man nicht wirksam gegen Wölfe einzäunen. Normale Schäderhunde sind zur Wolfabwehr völlig ungeeignet, man braucht extra Herdenschutzhunde und davon nicht zu wenige. Diese Herdenschutzhunde sind wirklich gefährliche Tiere, die sich kaum ihrem Besitzer unterordnen und Menschen aggressiv angreifen, wenn diese zufällig in den kritischen Bereich kommen. Ich habe das selbst erlebt. Niemand würde gern solche Hunde freilaufend mitten in Deutschland haben wollen, da bin ich sicher. Bezahlen können die Schäfer diese Hunde ohnehin nicht. Mit anderen Worten - die Wölfe verhindern mehr oder weniger freilaufende Schafherden. Die Entschädigungen (und deren Vorbedingungen) sind eh nicht ausgleichend. Ich habe nichts gegen Wölfe per se. Dennoch sollte man ehrlich darlegen, daß ihre Verbreitung ernsthafte Probleme schafft.
Promethium 30.12.2016
2.
Wo ist das Problem? Das übliche Verfahren ist: Wer den Wolf will, bezahlt auch für die Schäden die der Wolf anrichtet. Die Jäger müssen ja auch zahlen wenn ihre Wildtiere Schäden anrichten. Ein ganz normaler Vorgang. [...]
Wo ist das Problem? Das übliche Verfahren ist: Wer den Wolf will, bezahlt auch für die Schäden die der Wolf anrichtet. Die Jäger müssen ja auch zahlen wenn ihre Wildtiere Schäden anrichten. Ein ganz normaler Vorgang. Sozusagen auf dem "kleinen Dienstweg". Die Geschädigten melden sich dann einfach bei dem entsprechenden Verband und dann einigen die sich untereinander. Zusätzliche teure Bürokratie ist da nicht nötig. Man fragt einfach welche Verbände bereit sind die Schäden, die durch den Wolf entstehen, zu bezahlen. Die dafür in Frage kommenden Verbände stehen in der Liste der „29er Verbände“. Da finden sich sicher welche.
ruhepuls 30.12.2016
3. Volksentscheide?
Volksentscheide sind "Bauchentscheide". Da steht dann "Wölfe sind liebe Tiere" gegen "Wölfe sind gefährliche Bestien". Wenn man über die Mehrzahl der Menschen eines sicher sagen kann, dann, [...]
Zitat von quark2@mailinator.comEs fängt damit an, daß die Wiederansiedelung der Wölfe ein perfektes Beispiel für einen Volksentscheid gewesen wäre, mit sachlicher Diskussion, ehrlicher Auflistung potentieller Probleme und realistischen Lösungswegen vorab. Aber wie bei der Linksschreibreform hat man die Entscheidung über die Köpfe der Leute hinweg getroffen. Nun haben wir eine 100%-Lösung wo ein toter Wolf mitunter intensiver kriminaltechnisch untersucht wird als manch zweifelhafter menschlicher Todesfall. Es erinnert an den Einspeisevorrang der Ökoenergie oder die Atomabschaltung. Wir können offenbar keinen Mittelweg mehr, sondern eine Seite muß total gewinnen. Nun zurück zu den Schafen: Normale Schafherden wandern. Dabei befestigen sie z.B. Deiche. Wandernde Schafherden kann man nicht wirksam gegen Wölfe einzäunen. Normale Schäderhunde sind zur Wolfabwehr völlig ungeeignet, man braucht extra Herdenschutzhunde und davon nicht zu wenige. Diese Herdenschutzhunde sind wirklich gefährliche Tiere, die sich kaum ihrem Besitzer unterordnen und Menschen aggressiv angreifen, wenn diese zufällig in den kritischen Bereich kommen. Ich habe das selbst erlebt. Niemand würde gern solche Hunde freilaufend mitten in Deutschland haben wollen, da bin ich sicher. Bezahlen können die Schäfer diese Hunde ohnehin nicht. Mit anderen Worten - die Wölfe verhindern mehr oder weniger freilaufende Schafherden. Die Entschädigungen (und deren Vorbedingungen) sind eh nicht ausgleichend. Ich habe nichts gegen Wölfe per se. Dennoch sollte man ehrlich darlegen, daß ihre Verbreitung ernsthafte Probleme schafft.
Volksentscheide sind "Bauchentscheide". Da steht dann "Wölfe sind liebe Tiere" gegen "Wölfe sind gefährliche Bestien". Wenn man über die Mehrzahl der Menschen eines sicher sagen kann, dann, dass Fakten weniger zählen als Emotionen. Schon gar nicht, wenn die Fakten auch noch komplex sind - und in Hinsicht auf Langzeitfolgen auch unsicher. Das gilt in diesem Fall für beide Seiten. Weder sind Wölfe harmlose Kuscheltiere, noch gefährliche Bestien, die nur darauf warten, Kinder und Alte anzufallen. Die Frage ist eher, welche Kollateralschäden (z.B. gerissene Schafe) man auf Dauer in Kauf nimmt (nehmen muss), als Preis für die Wiederansiedelung der Wölfe. In Ländern, in denen es Wölfe (und Bären) gibt, kommt es auch immer wieder mal zu Zwischenfällen. Trotzdem wandern und campen jedes Jahr Zigtausende in amerikanischen und kanadischen Nationalparks - und dort laufen Grizzlys rum, für die Menschen definitiv ins Beuteschema passen.
retterdernation 30.12.2016
4. Seit dem 15. Jahrhundert ...
wird der Wolf systematisch gejagt. Doch das war nicht immer so. Vor der Christianisierung Europas, galt der Wolf den Germanen als heiliges Tier, dass man verehrte. Erst die Christen dämonisierten den Wolf. Was vielleicht daran [...]
wird der Wolf systematisch gejagt. Doch das war nicht immer so. Vor der Christianisierung Europas, galt der Wolf den Germanen als heiliges Tier, dass man verehrte. Erst die Christen dämonisierten den Wolf. Was vielleicht daran lag, dass Wölfe natürliche Konkurrenten der Menschen in den Jagdgebieten waren. Zudem gab es Verluste bei den Zuchttieren, ähnlich wie heute. Um das Jahr 1197 soll es an der Mosel eine Wolfsplage gegeben haben, berichten Schriften, der auch Menschen zum Opfer fielen. Zum mutmaßlich letzten Mal soll es in einem kalten Winter des Jahres 1849 eine ähnliche Plage in einigen Teilen Deutschlands gegeben haben. Doch schon damals waren die Raubtiere in weiten Teilen des Landes oder besser der unterschiedlichen Königreiche und Fürstentümer - ausgerottet. Besonders beliebt waren in dieser Zeit, teilweise auch schon vorher, Treibjagden - die sich über Tage erstrecken konnten. Nur in Ostpreußen konnten sich die großen Rudel noch lange halten. Angriffe auf Menschen, lassen sich nach Meinung der Forscher nur schwer dokumentieren. So gab es in der Zeit von 1952 bis 2001 nur - neun - dokumentierte Wolfssangriffe in ganz Europa. Der letzte, weltweit tödliche Angriff auf einen Menschen fand 2010 in Alaska statt. Als ein Wolf eine Joggerin tödlich verletzte. Dieses tödliche Drama gilt zudem in ganz Nordamerika als der einzige Vorfall seiner Art, seit mindestens 70 Jahren. Über Jahrhunderte galt der Einzug oder die Rückkehr der Wölfe immer als Zeichen für eine schwache Politik, ohne Stärke, berichten alte Schriften. Ob das heute noch gilt, weiß ich nicht. Auch wenn es sehr viele Parallelen in die Vergangenheit geben mag.
see_baer 30.12.2016
5. Der Wolf
Das Einzeltier wird harmlos sein - aber wir haben schon Angriffe auf Schafherden erlebt , die auf ein jagendes Rudel schließen lassen. Und damit werden sie auch für Pferdeherden und Menschen gefährlich - man verteidige sich [...]
Das Einzeltier wird harmlos sein - aber wir haben schon Angriffe auf Schafherden erlebt , die auf ein jagendes Rudel schließen lassen. Und damit werden sie auch für Pferdeherden und Menschen gefährlich - man verteidige sich einmal gegen drei Tiere! Woher soll der Wolf wissen , daß Menschen gefährliche Raubtiere sind - wenn er nicht bejagt wird? Ein nicht bejagter Wolf wird nicht menschenscheu bleiben. Statistik: Ich bin gespannt auf die Anzahl der Mitmenschen , die in den nächsten 10 Jahren unseren Herdenschutzhunden zu Opfer fallen - der Stadtmensch begreift nicht , daß das keine Kuscheltiere mehrt sind - sie sehen aus der Ferne nur so aus!

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