Politik
Ausgabe
6/2018

#diesealtenleute

Die schreckliche Wucht der Babyboomer

Es ist die Arroganz der Alten, die junge Politiker auf allen Ebenen trifft - in der Bundespolitik genauso wie im Ortsverband. Besonders die Volksparteien haben ein Problem.

Andreas Arnold / picture alliance / dpa

Jamila Schäfer, Grüne

Von , Hannah Knuth, und
Dienstag, 06.02.2018   18:07 Uhr

Wie lähmend die Auseinandersetzung mit den Alten sein kann, bekam Kevin Kühnert erstmals mit Anfang zwanzig zu spüren. Der heutige Juso-Vorsitzende wollte sich bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus als Direktkandidat aufstellen lassen, sein SPD-Ortsverein kam in einer Seniorenfreizeitstätte in Berlin-Lichtenrade zusammen.

Ob er nicht erst mal klein anfangen wolle, fragten anwesende Genossen, Altersschnitt: um die sechzig. Er sei ja noch so jung! "Ich würde vorschlagen, wir nominieren den Kevin erst mal für die Bezirksverordnetenversammlung", sagte einer. Das könne er ja fünf Jahre lang machen, "dann sehen wir weiter". So erzählt es Kühnert.

Das war im Herbst 2010. Schon damals war Kühnert nicht irgendein Neugenosse, sondern stellvertretender Vorsitzender der Berliner Jungsozialisten. Als Respektlosigkeit habe er die Bemerkungen seiner Parteikollegen empfunden, sagt Kühnert. "Das waren die Spielregeln älterer Herrschaften, von denen viele nur zur Weihnachtsfeier auftauchten."

Reto Klar

Kevin Kühnert, SPD

Heute ist Kühnert, 28, Chef der Jusos in Deutschland. Seit er auf dem SPD-Sonderparteitag gegen die Große Koalition opponierte, ist sein Name auch Menschen außerhalb des politischen Betriebs ein Begriff. Für viele Ältere in der SPD ist er trotzdem noch immer der Kevin und sein Aufstand nicht mehr als eine jugendliche Übersprungshandlung. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sagte, dass Kühnert nun erst mal sein Studium abschließen und zu arbeiten anfangen werde, bevor er in der Partei Karriere mache. Der Fall Kühnert hat eine Debatte um den Umgang der Parteien mit ihrem Nachwuchs ausgelöst.

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