DER SPIEGEL

GESTORBEN SIMON WIESENTHAL

SIMON WIESENTHAL , 96. "Die Massenmörder, die ich gesucht habe, habe ich gefunden", sagte er, "meine Arbeit ist getan." 60 Jahre lang hatte er unermüdlich nach nationalsozialistischen Großverbrechern gefahndet. 1100 Nazi-Schergen konnte er enttarnen und vor Gericht bringen, auch den SS-Schreibtischtäter Adolf Eichmann, den die Israelis 1960 in Argentinien kidnappten und in Jerusalem zum Tode verurteilten. Wiesenthals gesamte Familie wurde im Holocaust ermordet. Er selbst überlebte, wie durch ein Wunder, zwölf Konzentrationslager. Für die Folterknechte sucht er "Recht, nicht Rache". In Wien, wo er bis zuletzt sein Dokumentationszentrum über die Judenverfolgung leitete, ist Simon Wiesenthal, der "Architekt der Gerechtigkeit", das "Gewissen des Holocaust", am 20. September gestorben.

SPIEGEL Chronik 54/2005
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