Politik
Ausgabe
46/2017

Umweltbehördenchef schafft Naturschutz ab

Trumps bester Mann

Bei der Abwicklung des Umweltschutzes ist die US-Regierung erschreckend effektiv: Scott Pruitt hat die Naturschutzbehörde umgebaut, Klimawandelleugner und Industrie diktieren jetzt die Politik.

ZUMA Press/ imago

Trump, Pruitt bei der Aufkündigung des Klimavertrags

Von
Mittwoch, 15.11.2017   16:10 Uhr

Einen Kilometer vom Weißen Haus entfernt sitzt ein Mann in einem holzgetäfelten Chefzimmer, mit lichtem Haar und gedrungener Figur, so unauffällig, dass man ihn sofort wieder vergisst. Seine Tweets machen keine Schlagzeilen, er wütet nicht, er droht nicht mit Feuer und Zorn, nein, aber das heißt nicht, dass er weniger Schaden anrichtet.

Sein Name ist Scott Pruitt, er ist Amerikas oberster Umweltschützer, Herr über die Environmental Protection Agency, kurz EPA, die größte Umweltbehörde der Welt. Doch in seiner Antrittsrede kamen "Umweltschutz" und "Klima" nicht vor, und das war kein Versehen. Seither sorgt er dafür, dass die Luft weiterhin verschmutzt werden darf, dass Seen und Flüsse vergiftet und schädliche Pestizide auf Obst und Gemüse gesprüht werden dürfen.

52 Umweltstandards wurden seit seinem Amtsantritt im Januar abgeschafft oder eingefroren. Wölfe dürfen jetzt in Alaska gejagt werden, Bohrungen in der Arktis sind erlaubt, eine umstrittene Pipeline wird gebaut. Der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen wurde verkündet, der Clean Power Plan, Herzstück des Kampfes gegen den Klimawandel, blockiert. Pruitt hat Wissenschaftler entlassen, er hat Informationen zum Klimawandel unterschlagen, er hat Führungspositionen mit Klimawandelleugnern besetzt und will ausgerechnet einen Kohlelobbyisten zu seinem Stellvertreter machen.

Damit ist dieser Umweltschützer, der die Umwelt nicht schützen will, Donald Trumps bester Mann, in keinem Bereich wird so viel von der Politik des Präsidenten umgesetzt wie hier, wird so viel zertrümmert vom Erbe Barack Obamas. Es gibt wohl kaum einen Ort, an dem der Trumpismus so blüht wie in Pruitts EPA, dieser Mischung aus Inkompetenz, Paranoia, Wissenschaftsfeindlichkeit und Interessenpolitik.

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Heft 46/2017
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