Wirtschaft
Ausgabe
6/2018

Dschibuti

Wie China eines der kleinsten Länder Afrikas verändert

China hat Dschibuti zum "strategischen Partner" erklärt, baut riesige Freihandelszonen, unterhält sogar eine Marinebasis. Die globale Machtverschiebung lässt sich hier wie in einem Labor beobachten.

DOMINIC NAHR / DER SPIEGEL

Projektchef Li am Modell der Freihandelszone: Eine Stadt aus dem Nichts

Von
Donnerstag, 08.02.2018   12:31 Uhr

Eine rote Staubwolke, und plötzlich steht da dieser Polizeiwagen auf der Piste zwischen den Felsbrocken. Der junge Mann in Uniform öffnet das Fenster und schimpft los, auf Französisch. Die von ihm gemaßregelten Chinesen verstehen nichts, aber langsam wird ihnen klar, woher die Aufregung kommt: Sie haben es versäumt, sich bei dem Wachposten anzumelden, der die Zufahrt zu der Großbaustelle oberhalb der Küste sichert.

Als der Polizist abdreht, entfährt es Nicholas Li: "Unglaublich, das ist doch meine Firma hier!" Das Unternehmen unter Führung der China Merchants Group soll in Dschibuti die größte Freihandelszone Afrikas errichten.

Li, der 37-jährige Firmenchef, kickt einen Stein von der Piste. Regeln sind Regeln, okay, die Tour im Geländewagen über das Geröllfeld geht weiter. Seinen Fahrer hat Li im Hauptquartier unten in der Stadt gelassen, er lenkt selbst, er hat die Dinge gern unter Kontrolle.

Da, wo die Bagger mit Spezialwerkzeug den felsigen Untergrund aufbrechen, sollen bald Fabriken, Lagerhallen, Büroklötze und Hotels stehen: eine Stadt aus dem Nichts, die bis hinunter ans Meer reicht, eine 48 Quadratkilometer große Einladung an Investoren aus der ganzen Welt.

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