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Ausgabe
6/2018

Tagebuch-Fund

Wie ein deutscher Arzt den Ersten Weltkrieg erlebte

In seinem Tagebuch hielt Ernst Gustav Ziemke das Grauen fest, das Ärzte und Soldaten im Ersten Weltkrieg erlebten. Jetzt sind die Erinnerungen des Rechtsmediziners wieder aufgetaucht.

Ullstein Bild

Deutsche Soldaten in einem Feldlazarett in Frankreich 1916: 150 Sektionen innerhalb von drei Wochen

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Dienstag, 06.02.2018   14:28 Uhr

Nie zuvor in der Geschichte wurden Menschenleben auf so irrsinnige Weise verheizt wie im Ersten Weltkrieg. Doch selbst in dieser Orgie des absurden Sterbens ragt mancher Tod noch als besonders sinnlos heraus; so etwa das Schicksal jenes Soldaten aus Norddeutschland, der sturzbetrunken auf sein Pferd stieg und dessen Kopf bei dem anschließenden Ritt an einem Baum zerschmettert wurde.

Der unehrenhaft Gefallene erlitt einen ausgedehnten Schädelbruch mit Hirnverletzungen. Kurz und vergebens rangen die Ärzte noch um das Leben des 33-Jährigen. Er sei so heftig mit dem Baum kollidiert, "dass es krachte", notierte der obduzierende Gerichtsmediziner Ernst Gustav Ziemke in seinem Kriegstagebuch.

Ziemke gehörte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den markantesten Persönlichkeiten des aufstrebenden Fachs Rechtsmedizin. Dass er im Ersten Weltkrieg umfangreiche Aufzeichnungen über sein Wirken an der Westfront angefertigt hatte, war bislang nicht bekannt - ehe nun, beinahe hundert Jahre nach dem Ende des Gemetzels, seine Berichte bei einem Nachkommen des Wissenschaftlers auftauchten; zusammen mit handschriftlichen Obduktionsprotokollen und Krankenberichten von Soldaten, die Opfer von Giftgasattacken geworden waren.

Eine Nachfolgerin Ernst Gustav Ziemkes hat den Dokumentenschatz jüngst gehoben: Johanna Preuß-Wössner, die Chefin des rechtsmedizinischen Instituts in Kiel, entzifferte die schwer zugängliche deutsche Kurrentschrift des Tagebuchschreibers und wertete seine Texte aus.

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