Wirtschaft
Ausgabe
6/2018

Interview mit Forsa-Chef

Wie fälschen Meinungsforscher Umfragen, Herr Güllner?

Forsa-Chef Manfred Güllner erklärt, mit welchen Methoden Umfragen manipuliert werden.

Jescodenzel.com/ DER SPIEGEL

Manfred Güllner

Ein Interview von und
Freitag, 02.02.2018   18:14 Uhr

SPIEGEL: Herr Güllner, einer der größten Marktforscher weltweit, die GfK, hat vor einigen Jahren eine Umfrage zum Thema Sexualität durchgeführt. Ein Ergebnis: 24,1 Prozent der befragten Männer, die derzeit in einer festen Partnerschaft leben, wünschen sich mehr sexuelle Aktivität. Wie seriös sind solche Umfragen?

Güllner: Eigentlich müssen schon die Alarmglocken schrillen, wenn Institute die Zahlen hinterm Komma herausgeben. Das suggeriert eine Genauigkeit, die das Instrumentarium nicht liefern kann.


Zur Person
Manfred Güllner, 76, hat in Köln Soziologie studiert und 1984 das Meinungsforschungsinstitut Forsa gegründet, das er bis heute leitet. Seit 2003 ist er Honorarprofessor für Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Im Interview äußert er sich zu Missständen in der Marktforschung, über die SPIEGEL ONLINE, der SPIEGEL und SPIEGEL TV in dieser Woche berichten.


SPIEGEL: Ist es nicht unwahrscheinlich, dass jemand einer wildfremden Person so intime Fragen beantwortet?

Güllner: Das hängt davon ab, wie gefragt wird. Früher gingen die Interviewer von Haus zu Haus. Wenn sie sich dann ins Wohnzimmer vorgearbeitet hatten und Fragen zum Sexualverhalten stellten und da die ganze Familie saß, kriegten sie nicht unbedingt ehrliche Antworten. Wenn sie aber am Telefon fragen, dann hört die Partnerin ja nicht mit.

SPIEGEL: Vielleicht denkt sich der Interviewer die Antworten auch selbst aus, um sich Peinlichkeiten zu ersparen. Es gibt neue Vorwürfe, wonach in der Marktforschung viele Umfragen systematisch gefälscht werden.

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