Politik
Ausgabe
44/2017

SPIEGEL-Gespräch

Was der Dreißigjährige Krieg mit heutigen Kriegen zu tun hat

Tyrannei, Pestilenz, Hungersnot - der Dreißigjährige Krieg hatte apokalyptische Folgen für die Bevölkerung. Herfried Münkler zieht daraus Lehren für den Umgang mit heutigen Auseinandersetzungen: Zu viel Moral schadet.

DPA

Massengrab der Schlacht bei Lützen 1632

Ein SPIEGEL-Gespräch von und
Montag, 30.10.2017   12:07 Uhr
HC PLAMBECK / DER SPIEGEL

Autor Münkler: "Tyrannei, Krieg, Pestilenz, Hungersnot"

Herfried Münkler, 66, lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Humboldt-Universität in Berlin. Bekannt wurde er durch seine Forschungen zum florentinischen Machtstrategen Niccolò Machiavelli. Dieser Tage ist von ihm eine große Studie über den Dreißigjährigen Krieg erschienen, in dem Protestanten und Katholiken zwischen 1618 und 1648 erbittert um die Religionsherrschaft in Deutschland kämpften.


SPIEGEL: Herr Münkler, Sie haben sich zehn Jahre lang mit dem Dreißigjährigen Krieg beschäftigt. Jetzt liegt das Ergebnis vor: fast tausend Seiten, pünktlich zum 400. Jahrestag des Kriegsanfangs. Was hat Sie am Dreißigjährigen Krieg so fasziniert, dass Sie ein solches Riesenbuch vorlegen mussten?

Münkler: Als Politikwissenschaftler arbeite ich mit der Annahme, dass die Vergangenheit hilfreich sein könnte für das Verständnis der Gegenwart. Der Dreißigjährige Krieg mag lange zurückliegen, aber vieles von dem, was ihn auszeichnet, erfährt heute eine Neuauflage. Die Ära der klassischen Staatenkriege ist definitiv zu Ende. Aber damit ist der Krieg nicht verschwunden, er hat nur seine Form gewechselt. Wenn Sie sich die neuen, unordentlichen Kriege ansehen, wie in Libyen oder in Syrien, dann kommen Sie nicht umhin, Parallelen zu entdecken.

SPIEGEL: Ein Kennzeichen der neuen Kriege ist, dass sie endlos andauern. Auch der Dreißigjährige Krieg, in dem Katholiken und Protestanten gegeneinanderstanden, fand kein Ende, obwohl für die Krieg führenden Parteien schon lange nichts mehr zu gewinnen war.

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