Wirtschaft
Ausgabe
7/2018

Immobilien

Der Mietpreis-Irrsinn

Die Mieten in deutschen Großstädten explodieren. Warum findet die Politik keine überzeugende Antwort auf die drängendste soziale Frage der Zeit?

Carsten Koall / DER SPIEGEL

Wohnungsbesichtigung in Berlin

Von Selina Bettendorf und
Montag, 12.02.2018   11:07 Uhr

Der Brief kam einen Tag vor Heiligabend. Sein Inhalt traf Marco Sinoradzki "wie ein Schlag ins Gesicht", erzählt der 41-jährige Berliner. Denn unter dem harmlos klingenden Betreff "Vorbereitung von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen" kündigte die Hausverwaltung ihm und seinen Nachbarn monatelange Bauarbeiten an, für die eine "vollständige Räumung" der Wohnung notwendig sei.

Außerdem, so erfuhren die Bewohner, werde sich die Miete nach der Generalüberholung erhöhen. Eine 75-Quadratmeter-Wohnung wie die von Sinoradzki wird dann voraussichtlich warm rund 1200 Euro pro Monat kosten, über 440 Euro mehr als bisher. Das deutsche Mietrecht gibt das bislang her: Modernisierungskosten können bis zu elf Prozent auf die Jahresmiete umgelegt werden, die Steigerungen sind oft drastisch - in Sinoradzkis Fall sogar so drastisch, dass er wohl ausziehen muss, wenn es wirklich so weit kommt.

Der Berliner ist wegen schwerer Krankheiten Frührentner und lebt von der Grundsicherung. Seine Wohnung zahlt das Sozialamt, "1200 Euro werden die dort aber niemals akzeptieren", befürchtet er. Vielen seiner Nachbarn geht es kaum besser. Der etwas triste, graue Gebäudekomplex im Berliner Stadtzentrum wurde in den Siebzigerjahren als Sozialbau errichtet, hier hat niemand viel Geld. Doch auch für Normalverdiener werden die Mieten in deutschen Ballungszentren zunehmend unerschwinglich.

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