Netzwelt
Ausgabe
20/2018

Jan Böhmermann

Die selbst ernannte Speerspitze des Guten

Der TV-Moderator Jan Böhmermann will das Internet vor rechten Trollen retten - und sorgt damit für Zulauf bei den Extremisten.

Imago

Provokateur Böhmermann: "Dem Hass im Netz Liebe entgegensetzen"

Von und
Mittwoch, 16.05.2018   04:20 Uhr

Für Jan Böhmermann ist der Traum jedes deutschen Entertainers wahr geworden: Er hat es in die USA geschafft. Nur vielleicht nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. "Kill that faggot", übersetzt "Bring die Schwuchtel um", fordert etwa ein Nutzer des Forums 4chan. Ähnlich hasserfüllt wird er gerade in Foren der Alt Right geschmäht.

Böhmermann, Satiriker, Moderator, Provokateur, ist in kürzester Zeit zum neuen Lieblingsfeind rechter Onlineaktivisten avanciert. Kürzlich hatte er in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" dazu aufgerufen, das Internet von den extremistischen Internettrollen zurückzuerobern, die dem angeblichen Establishment, zu dem sie auch seinen öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber zählen, den Informationskrieg erklärt haben.

Böhmermann trat mit Sturmhaube und Stahlhelm vor die Kamera und erklärte, es sei an der Zeit "den Wichsern, die uns den Spaß am Internet verderben, den Spaß am Internet zu verderben". Mehr als 50.000 Nutzer folgten innerhalb einer Woche seinem Aufruf und versuchen nun mit den Mitteln der Netzguerilla "dem Hass im Netz Liebe entgegenzusetzen".

"Reconquista Internet" nennt Böhmermann seine Aktion. Sie ist als Gegenbewegung zur rechtsextremen Trollarmee "Reconquista Germanica" angelegt, einer Gruppe, die sich aus einem Kreis um den YouTuber mit dem Pseudonym Nikolai Alexander entwickelt hat und über deren Aktionen der SPIEGEL im Sommer vorigen Jahres erstmals berichtete (37/2017). Im Vorfeld der Bundestagswahl versuchten die rechten Aktivisten, mittels zahlreicher Fakekonten in sozialen Netzwerken Stimmung gegen die sogenannten Altparteien zu schüren und die AfD zu unterstützen.

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