Wirtschaft
Ausgabe
39/2017

150 Jahre "Das Kapital"

Warum Marx lebt

Vor 150 Jahren erschien "Das Kapital" von Karl Marx. Es ist verblüffend, was der Klassiker über die Wirtschaft von heute aussagt.

Andreas Muhs / CARO / ULLSTEIN BILD

Marx-Monument in Chemnitz, bis 1990 Karl-Marx-Stadt

Von
Donnerstag, 05.10.2017   15:47 Uhr

Die Mächtigen sind weg, aber die Parolen sind noch da, der G-20-Gipfel in Hamburg hat Spuren hinterlassen. "Smash capitalism" steht an einem Verteilerkasten. "Make capitalism history!" hat sich jemand an einem Hochbahnpfeiler gewünscht. Den Kapitalismus möge man bitte zerschlagen, man möge ihn abhaken, überwinden, für erledigt erklären.

Bis ins bürgerliche Hamburg-Eppendorf sind die Parolenschreiber vorgedrungen. Es kommt vor, dass vor so einer Parole eine Mutter mit Kind zu sehen ist, und das Kind, vielleicht achtjährig, will wissen, was Kapitalismus ist. Es ist nicht leicht. Sie steht längere Zeit da, sucht nach Sätzen.

Sie könnte sagen: Ich bin darin geboren und kenne nichts anderes, es fällt mir schwer, es zu erklären.

Sie könnte sagen: Das ist etwas, von dem man gut leben kann, also wir hier in Eppendorf jedenfalls.

Sie könnte sagen: Es gibt ein Buch, vor 150 Jahren ist es erschienen. Wenn du groß bist, kannst du es lesen. Da steht alles drin.

Der Sohn würde es vermutlich hassen, dieses Buch. Es fängt unlesbar an und wird über drei Unterkapitel wenig besser. Dann nimmt es Fahrt auf, und erst zum Schluss wird es richtig gut. Seltsam, aber es ist nicht in Vergessenheit geraten.

Titelbild

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Heft 39/2017
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