DER SPIEGEL

Neue CDs Pop

Miles Davis: "Kind of Blue - 50th Anniversary Collector's Edition" (Sony BMG)
Auch schon wieder ein halbes Jahrhundert her, dass dieses Trompeten-Genie in zwei Tagen die wohl berühmteste alle/r Jazzplatten einspielte. Die erhabenen, schwermütig schwebenden Melodien haben bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Zum Jubiläum gibt es eine Edel-Edition: mit zwei CDs mit Alternativ/Live-Versionen, blauer Vinylplatte, Buch, DVD.
Roy Orbison: "The Soul of Rock'n'Roll" (Sony BMG)
Er gehörte zu den wenigen Rockmusikern, von denen man tatsächlich behaupten kann, dass sie mit einer einzigartigen Stimme gesegnet waren. Zum Heulen schön sang der stets dunkelbebrillte Amerikaner über das ewige Leiden an der Liebe. Auf vier CDs verschafft dieses Set den ersten kompletten Überblick seiner Karriere mit Geniestreichen wie "Running Scared", "It's Over" und vielen Kostbarkeiten.
Genesis: "1970-1975" (Charisma)
Für Verehrer der Band ist dieser nüchtern betitelte Kasten ein Heiliger Gral: fünf Alben aus der ersten Hälfte der Siebziger, auf denen Peter Gabriel noch den Ton angab. Die sehr britischen Art-Rock-Songs wie "Watcher of the Skies" sang er auf der Bühne gern mal als Blume verkleidet. Die Ausstattung der langerwarteten Neuauflagen ist üppig: DVDs und SACDs im DTS-5.1-Mix und eine CD mit Super-Raritäten.
Philip Glass: "Glass Box" (Nonesuch)
Dieser 71-jährige Komponist ist schwer greifbar; ein Minimalist, wie so oft behauptet, will er jedenfalls nicht sein. Der in New York ansässige, von Bowie verehrte Buddhist, ist bekannt geworden mit einlullenden, nun ja, minimalistischen Kompositionen für Filme, Galerien und Konzertsäle. Alles, was man von ihm braucht wie "Koyaanisqatsi", ist nun in einem zehn CDs umfassenden Luxus-Würfel gesammelt.
Paul Weller: "At the BBC" (Island)
Bei der altehrwürdigen BBC aufzuspielen gehört für respektable Rocker in Großbritannien zum guten Benehmen. Und weil Paul Weller bekanntlich der Elder Statesman der jüngeren Gitarren-Lärmer ist, wurde ihm diese Ehre oft zuteil. Genug auf jeden Fall, um vier CDs mit exklusiven Sessions zu füllen. Dabei Alternativversionen eigener Renner wie "That's Entertainment" und Nachgespieltes wie "Wishing on a Star".
Diverse: "The ZTT Box Set" (Salvo)
Die musikalische Entsprechung zu Achtziger-Jahre Hipster-Magazinen wie "The Face" oder "i-D" war die Londoner Plattenfirma Zang Tumb Tuum, kurz ZTT. Zeitweilig glänzte der von Paul Morley und Trevor Horn geführte Laden als enorm erfolgreicher Lieferant exaltierter Pop-Hits von Frankie Goes to Hollywood, Art of Noise oder Propaganda. Drei CDs mit Klassikern und Obskuritäten sowie eine DVD mit wieder hervorgekramten Clips und ein Booklet füllen nun eine tolle Box. CHRISTOPH DALLACH
Von CHRISTOPH DALLACH

KulturSPIEGEL 12/2008
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