DER SPIEGEL

Neue CDs

Hugo Wolf: "Italienisches Liederbuch" (RCA Red Seal)
Sehnsucht, Zärtlichkeit, Stichelei, Koketterie, Eifersucht, Untreue - das und vieles mehr hält der tönende Dialog in großartigen Miniaturen fest. Ein Traumpaar deutscher Gesangskunst hat nun den Zyklus neu aufgenommen: Mojca Erdmann, deren ätherischer Sopran fast zu unschuldig klingt, und der vollendet nuancierende Bariton Christian Gerhaher mit seinem Klavierpartner Gerold Huber liefern ein kleines Meisterstück ab.
Hans Pfitzner: "Orchesterlieder" (cpo)
Seine spröden Großwerke sind nicht jedermanns Sache, aber als Lied-Komponist kann Hans Pfitzner (1869 bis 1949) sich allemal hören lassen: Von Kopischs "Heinzelmännchen"-Ballade bis hin zu Goethe-Vertonungen findet er eigene, oft mit feiner Ironie durchzogene Lösungen. Begleitet von der Nordwestdeutschen Philharmonie unter Otto Tausk, beweist der Bariton Hans Christoph Begemann sein Gespür für Schattierungen.
"Insights - Alexander Krichel spielt Liszt"
(Telos Music)
Unter den vielen, die mit Recht Liszts Klavierwerke aus dem Virtuosenghetto erlösen möchten, ist Alexander Krichel einer der souveränsten: Auf dieser Debüt-CD spielt der erst 22-jährige Hamburger die h-Moll-Ballade wie auch die Dante-Sonate ganz selbstverständlich als große, geradezu visionäre Erzählung. Dazwischen setzen die Petrarca-Sonette und "Venezia e Napoli" intimere und volkstümlichere Akzente.
Wilhelm Furtwängler / L. van Beethoven: "Violinsonaten" (Profil)
Wer Furtwänglers Kompositionen für verquälte Schreibtischtaten hält, den könnte diese Aufnahme umstimmen: Noch nie wurde das innere Glühen der altmeisterlich komplexen zweiten Sonate so gut getroffen wie jetzt von Sophie Moser (Violine) und Katja Huhn (Klavier). Beethovens weniger als halb so lange G-Dur-Sonate op. 30 Nr. 3, ebenfalls lebendig interpretiert, bietet dazu erhellenden Kontrast.
Von Johannes Saltzwedel

KulturSPIEGEL 5/2011
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