Politik
Ausgabe
3/2018

Mesale Tolu über ihre Haft in der Türkei

"Du kommst wieder, Mami, ja?"

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu saß monatelag in türkischer Haft - mit dabei ihr kleiner Sohn. Wie hat sie das ihrem Kind erklärt, und wie geht es ihnen heute?

Temir Furkan / DER SPIEGEL

Angeklagte Tolu in Istanbul: "Die Untersuchungshaft wird missbraucht, um Regierungskritiker zu bestrafen"

Ein Interview von
Freitag, 12.01.2018   18:33 Uhr

Tolu, 33, sitzt im Istanbuler Stadtteil Kadiköy in einer Bar, die Freunde von ihr betreiben. Ihr Mann Suat Çorlu, ein ehemaliger kurdischer Oppositionspolitiker, hat den drei Jahre alten Sohn Serkan auf dem Schoß. Die Familie war lange getrennt. Die in Ulm geborene Journalistin war siebeneinhalb Monate lang in einem Frauengefängnis in Istanbul inhaftiert, ihr Mann im Hochsicherheitsgefängnis in Silivri. Kurz vor Weihnachten wurde sie aus der Untersuchungshaft entlassen.

SPIEGEL: Frau Tolu, fühlen Sie sich frei?

Tolu: Nein. Das Verfahren gegen mich läuft weiter. Die türkische Justiz wirft mir die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Mir drohen bis zu 20 Jahre Haft. Ich muss mich jeden Montag auf der Polizeiwache in Istanbul melden und darf bis zu einem Urteil das Land nicht verlassen. Wie sollte ich mich frei fühlen?

SPIEGEL: Wie haben Sie die Wochen nach Ihrer Entlassung verbracht?

Tolu: Ich habe mich so gut es geht um meinen Sohn gekümmert. Serkan hat eine schwere Zeit durchgemacht, er braucht viel Aufmerksamkeit. Und ich bin nicht mehr dieselbe Meale, die ich vor der Haft war.

SPIEGEL: Sie wurden Ende April 2017 von der Polizei in Ihrer Wohnung in Istanbul festgenommen. Haben Sie eine Ahnung, warum Sie ins Visier der Behörden geraten waren?

Tolu: Seit dem Bombenanschlag auf kurdische Aktivisten in Suruç im Juli 2015 hat der Druck auf Medien in der Türkei immer weiter zugenommen. Zeitungen wurden geschlossen, Journalisten verhaftet. Ich habe als Journalistin für die Nachrichtenagentur Etha über das berichtet, was in der Türkei vor sich geht. Das hat die Regierung offenbar gestört.

SPIEGEL: Die Staatsanwaltschaft behauptet, Etha würde Propaganda für die verbotene Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei betreiben.

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Heft 3/2018
Im Zeitalter von Feuer und Zorn
 

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