einestages
Ausgabe
45/2016

Nazi-Deutschland

Die Mär von den braven Pfarrersleuten

Margarete und Christian Krause führten das Leben einer gewöhnlichen Pfarrersfamilie, bürgerlich, aufrecht, links. Doch nach ihrem Tod entdeckten die Kinder ein düsteres Geheimnis - in Kisten auf dem Dachboden.

Hochzeitspaar Margarete, Christian Krause 1943

Von
Donnerstag, 16.02.2017   14:44 Uhr

Darf man das Briefgeheimnis seiner verstorbenen Eltern brechen? Darf man Mutter und Vater mit ihren eigenen Tagebuchnotizen bloßstellen, Verstorbene, die keine Chance mehr haben, sich zu erklären?

So haben die Geschwister Joachim, Ursula und Michael wieder und wieder diskutiert. "Das schlechte Gewissen plagte mich", so Ursula, "dass Leser, die meine Eltern nicht persönlich kennengelernt haben, den ausschließlich dunklen Blickwinkel auf sie bekommen würden."

Jahrzehntelang hatten auf dem Dachboden des Elternhauses in einem Dorf in Sachsen einige Kartons und Kisten gestanden, sie waren ungeöffnet geblieben, solange die Eltern lebten. Im Jahr 2000 starb der evangelische Theologe Christian Krause, fünf Jahre nach seiner Frau Margarete.

Erst 2012 nahm sich Sohn Joachim der aufbewahrten Papiere an, sortierte, arbeitete monatelang die Dokumente durch, schrieb ab, machte Altes wieder lesbar, allein mehr als 1800 Briefe studierte er. Am Ende stand eine erschütternde Einsicht. "Ich habe meine Eltern dadurch noch einmal ganz neu kennengelernt", sagt Joachim Krause, 69, Theologe wie sein Vater.

Weder er noch seine beiden Geschwister ahnten: Mutter Margarete, die so freundliche Pfarrfrau, war einst eine fanatische Anhängerin Hitlers; Vater Christian war zumindest zeitweilig dem Faschismus verfallen; dessen Bruder Helmut ganz und gar.

Titelbild

Aus dem SPIEGEL

Heft 45/2016
The Next President
Drehbuch einer Tragödie

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