Politik
Ausgabe
44/2017

Oktoberrevolution

Das Gespenst, das Putin fürchtet

Vor 100 Jahren ging das alte Russland in der Oktoberrevolution unter. Doch für die Führung um Wladimir Putin ist das ein Problem. Weil sie auch heute Angst vor Revolutionen hat.

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Leichnam des Staatsgründers Lenin im Mausoleum: Finger weg von der Geschichte

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Mittwoch, 01.11.2017   06:47 Uhr

Auch Revolutionäre haben Augenblicke des Zweifelns. Nehmen wir Wladimir Uljanow - Kampfname: Lenin -, einen russischen Emigranten im Zürich des Ersten Weltkriegs. Wir Alten, sagt er 1917 in einem Vortrag vor Schweizer Sozialisten, werden die kommende Revolution vielleicht nicht erleben. Aber ihr jungen Schweizer, ihr werdet kämpfen und siegen! Es ist Januar. Uljanow-Lenin weiß noch nicht, dass sieben Wochen später der Zar stürzt und dass er selbst an dessen Stelle tritt, noch bevor das Jahr herum ist.

Oder nehmen wir Sergej Udalzow, der 100 Jahre später in einem Moskauer Café sitzt, im Outfit des Berufsrevolutionärs: schwarze Jacke, kahler Schädel. Udalzow ist Anführer der radikalen Linken, schon sein Urgroßvater war Lenins Weggefährte. Mit Alexej Nawalny hat er die Proteste gegen Wladimir Putins Rückkehr in den Kreml 2012 angeführt, viereinhalb Jahre hat er deshalb unter Hausarrest und in Haft zugebracht. Die Leute seien müde, sagt er, die Politik sei ratlos, ein Machtwechsel wahrscheinlich. Nur: Wenn das hier alles zusammenkracht, wer wird profitieren? Wird es nicht eher die Rechte sein als die Linke?

Russland feiert in diesem Jahr den Jahrestag der Russischen Revolution. Im März vor 100 Jahren stürzte die Zarenmonarchie, im November vor 100 Jahren ergriff Wladimir Lenin mit seinen Anhängern die Macht. Es waren sozusagen zwei Revolutionen in einer. Und der 7. November 1917 - nach altem Kalender der 25. Oktober - ging in die Geschichte ein als Oktoberrevolution, als Geburtsstunde des ersten sozialistischen Staates, als Triumph einer neuen Ordnung.

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