Wirtschaft
Ausgabe
16/2018

Finanzmärkte

Paul Achleitner und der Niedergang der Deutschen Bank

Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat beim größten deutschen Finanzkonzern vieles falsch gemacht. Auch die Suche nach einem neuen Vorstandschef verlief dilettantisch.

Malte Ossowski/ Sven Simon/ Picture Alliance/ DPA

Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Sewing, Aufsichtsratsvorsitzender Achleitner 2017: Chefsuche nach dem Ausschlussprinzip

Von und
Montag, 16.04.2018   13:57 Uhr

Paul Achleitners Lieblingsrolle ist die des ökonomischen Welterklärers, der international die Kontakte pflegt und daheim als Aufsichtsratschef die Deutsche Bank fest im Griff hat. An diesem Selbstbild hält er auch nach sechs Jahren im Amt, nach sechs Jahren Chaos, fest.

Doch spätestens nach den Ereignissen der vergangenen Wochen, den turbulenten Umständen des Chefwechsels von John Cryan zu Christian Sewing, lässt sich sagen: Mit dieser Einschätzung steht Achleitner weitgehend allein da. Das wichtigste Geldhaus des Landes kommt unter ihm weder personell noch strategisch zur Ruhe, der ungebremste Niedergang trägt vor allem eine Handschrift: die Achleitners.

Der Traum des 61-Jährigen, die Deutsche Bank rundzuerneuern, ist gescheitert. Das ist tragisch für den Linzer, der in seiner Karriere vieles war: Berater, Deutschland-Chef von Goldman Sachs, Allianz-Vorstand. Tragischer ist es für die Bank. Die Rivalen in Europa und Übersee eilen davon, sie steckt in der Falle. Noch immer leistet sie sich mit Achleitners Segen ein wuchtiges, aber ertragsschwaches Investmentbanking; das Heimatgeschäft leidet unter der Sparkassen-Dominanz und dem ewigem Zickzackkurs, die Vermögensverwaltung hat den Sprung an die Börse fast verpatzt. Viele Mitarbeiter sind in die innere Emigration geflüchtet oder haben den Konzern verlassen. Achleitner ist für die Bank zur Hypothek geworden.

Nichts verdeutlicht das besser als seine Personalpolitik. Sie ist Kernaufgabe des Aufsichtsrats und im besten Fall geprägt von Stetigkeit. Achleitner aber wechselt im Dreijahresrhythmus die Vorstandschefs aus. Er will Geschäftigkeit signalisieren. Tatsächlich hat er die Kontrolle verloren.

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