DER SPIEGEL

HolocaustAppell aus Auschwitz

Auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende wird das Gedenken an den Holocaust von den Überlebenden geprägt. Viele von ihnen haben die Erinnerungsarbeit zu ihrer Mission gemacht. Doch die Zahl der Zeugen nimmt rapide ab, im vergangenen Jahr sind die Schriftsteller Elie Wiesel und Imre Kertész gestorben, die zuletzt wohl prominentesten Auschwitz-Überlebenden. Umso wichtiger wird die Arbeit der Gedenkstätten und Museen, die an die Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis erinnern. Aus Anlass des 72. Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 hat sich nun der Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywiński, mit einem Appell an die Öffentlichkeit gewandt: Wer im Besitz von "Bildern, privaten Briefen, Tagebüchern" sei, die über die Vorgänge in Auschwitz Auskunft geben, möge diese der Gedenkstätte zur Verfügung stellen. Cywiński und sein Team sind vor allem an Dokumenten interessiert, die die Motive der Täter erhellen, also der SS-Leute, die das Vernichtungslager betrieben. Ohne ein Verständnis der "Mentalität der Täter" sei es unmöglich, auch "zukünftige Generationen" vor "populistischen Hassmechanismen" zu warnen. Darin sieht Cywiński die zentrale Aufgabe seiner Einrichtung. Die Gedenkstätte Auschwitz ist unter der Adresse archiv@auschwitz.org erreichbar – notfalls, wie der Direktor betont, auch anonym.
Von Dy

DER SPIEGEL 4/2017
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