DER SPIEGEL

Früher war alles schlechterZufriedenheit

Mehr Zufriedenheit war nie. Bitte ankreuzen: Sind Sie, insgesamt gesehen, mit dem Leben, das Sie führen, sehr zufrieden  , ziemlich zufrieden  , nicht sehr zufrieden  oder überhaupt nicht zufrieden  ? Dies ist eine der Fragen, die das sogenannte Eurobarometer seit 1973 den Bürgern von EU-Ländern stellt. In Deutschland werden dafür zweimal jährlich jeweils 1500 Personen in Face-to-Face-Gesprächen und zu Hause interviewt. Betrachtet man die Ergebnisse im langen Rückblick, so zeigen sich drei nachvollziehbare deutsche Stimmungstiefs: 1981 und 2003, als die Wirtschaft schwächelte und die Arbeitslosigkeit stieg, sowie in den Jahren nach der Wiedervereinigung, bis 1997. Warum aber sind die Deutschen in den vergangenen drei Jahren offenbar so glücklich wie noch nie seit 1973? 2014, 2015, 2016: Das ist die Blütezeit der Pegida-Märsche, der "Flüchtlingskrise" und der Suche nach einer "Alternative für Deutschland", das sind die Boomjahre der neurechten Populisten und der von Angst begleiteten Rückkehr terroristischer Anschläge in Westeuropa – und ausgerechnet in diesen drei Jahren sagen mehr als 90 Prozent der Deutschen, dass sie entweder sehr oder ziemlich zufrieden sind mit ihrem Leben? Das kann nur heißen: Es gibt auch ein Leben abseits der Schlagzeilen, und das ist gar nicht so schlecht. Die derzeit Zufriedensten sind übrigens die Dänen (97 Prozent), die Unzufriedensten die Griechen (38 Prozent). guido.mingels@spiegel.de

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DER SPIEGEL 25/2017
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