Panorama
Ausgabe
7/2018

Trend unter Jugendlichen

Die Nummer mit den Nackt-Selfies

Jeder vierte Teenager in Deutschland verschickt mit dem Handy Nacktbilder von sich. Die Eltern sind oft ebenso sorg- wie ahnungslos. Dabei kann Sexting zur persönlichen Katastrophe führen - wie im Fall von Anna.

Jan Feindt / DER SPIEGEL
Von
Sonntag, 11.02.2018   07:56 Uhr

Eine Frage ...
Jap.
Würdest du mir ein Bild von dir schicken?
Was meinst du mit Bild?
... du weißt, was ich meine.
Was willst du denn sehen??
Keine Klamotten.
Und weiter?
Hä? Wie weiter? Ja, keine Klamotten.
Du willst, dass ich mich nackt vor den Spiegel stelle und für dich ein Bild mache?

An einem Nachmittag im April vor zwei Jahren zieht sich Anna in ihrem Zimmer so weit aus, bis das Einzige, was sie noch trägt, ihr Smartphone ist. Sie hält es in der rechten Hand. Anna ist 13 Jahre alt und geht in die sechste Klasse einer Realschule. Sie steht neben ihrem Bett vor dem Spiegel und fotografiert sich selbst, auf dem Bild sind ihre Brüste zu sehen, der Unterleib ist zu erahnen. Annas Mutter ist bei der Arbeit, der Stiefvater mit ihrem kleinen Bruder im Garten. Per WhatsApp schickt Anna das Foto ihrem Freund. Dann löscht sie es.

Drei Monate später sieht sie das Selfie wieder. Es geht in ihrer Klasse herum, in der Parallelklasse, der ganzen Schule, alle sehen es. Das Foto verfolgt sie bis heute.

Anna sitzt neben ihrer Mutter am Wohnzimmertisch, um über etwas zu reden, zu dem sie lieber schweigen würde. Von dem sie sich wünschte, es wäre niemals geschehen. Sie hat braune Haare und eine Zahnspange, ein hübsches Mädchen, ein ganz normaler Teenager. Ihren vollen Namen will sie nicht nennen, auch nicht den der Stadt, in der sie wohnt, irgendwo in Hessen. Die Familie will sich schützen, sie versucht, einen Weg zurückzufinden in die Normalität. Erzählen wollen Anna und ihre Mutter trotzdem, "damit so was anderen Mädchen erspart bleibt", sagt die Mutter. Was ist passiert?

Hinweis: Dies ist ein Artikel aus dem Bezahlbereich von SPIEGEL ONLINE. Der Bezahlvorgang kann in Ihrer App leider nicht abgebildet werden. Bitte installieren Sie die aktuelle App-Version aus dem Store oder wechseln Sie auf die mobile Website m.spiegel.de, um diesen Artikel vollständig lesen zu können. Vielen Dank!

© DER SPIEGEL 7/2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP