DER SPIEGEL
Ausgabe
6/2018

Start-up Auto1

Das Super-Einhorn wird zum Ärgernis

Das Start-up Auto1 wird mit Milliarden bewertet, von Investoren gefeiert. Doch etliche Händler, die dem Unternehmen Pkw abgekauft haben, sehen sich getäuscht.

Dominik Butzmann

Gründer Bertermann und Koç

Von
Dienstag, 06.02.2018   01:24 Uhr

Shmuel Chafets sitzt in der Lobby des Berliner Hilton-Hotels und spricht von einem Wunder. "A Berlin miracle" sei die Geschichte von Auto1, dem Gebrauchtwagenportal aus der deutschen Hauptstadt. Die beiden Gründer, Hakan Koç und Christian Bertermann, seien "brillant", "das beste Team, mit dem ich je gearbeitet habe".

Die Firma des Israeli, der Wagniskapitalgeber Target Global, hat mehrere Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Knapp ein Jahr ist das her. Auch damals war Auto1 schon ein Einhorn. So heißen Start-ups mit einer Bewertung von einer Milliarde Dollar, die nicht an der Börse sind.

Mitte Januar gab der Fonds des japanischen Technologiekonzerns Softbank bekannt, mit 460 Millionen Euro bei Auto1 einzusteigen. Seitdem ist das Unternehmen ein Super-Einhorn. Nach Berechnung der Investoren ist es 2,9 Milliarden Euro wert. Auf der Rangliste der wertvollsten Start-ups in Europa ist Auto1 auf Platz zwei vorgerückt. Nur Spotify aus Schweden wird höher bewertet.

Seine Bekanntheit verdankt das Start-up aus dem 21. Jahrhundert einem Medium des 20. Jahrhunderts: dem Fernsehen, wo Auto1 unter der Marke Wirkaufendeinauto.de auftritt. In TV-Spots berichten Kunden, wie "schnell, einfach und unkompliziert" sie ihre Wagen über die Plattform losgeworden seien. Mehr als 300.000 Fahrzeuge hat das Unternehmen 2016 nach eigenen Angaben von Privatleuten erworben und an Autohändler weiterverkauft, in 30 Ländern. Es sei ein Modell, von dem alle Parteien profitierten, sagte Mitgründer Koç im Juni 2017 auf der Bühne der Start-up-Konferenz Noah, bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte. Die Kunden sparten sich Feilscherei und Papierkram. Und die Händler könnten auf Gebrauchtwagen in ganz Europa zugreifen. Mit diesem Prinzip sei Auto1 innerhalb von fünf Jahren zum europäischen Marktführer aufgestiegen. Tatsächlich ist die Beziehung zwischen dem Unternehmen und dem Autohandel wohl nicht reibungslos.

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