Panorama
Ausgabe
6/2018

Mit bloßen Händen

Warum eine Frau in fünf Wochen drei Menschen ermordet

Eine Frau aus Gießen bringt mit bloßen Händen drei Menschen um. Wie konnte es dazu kommen?

peter-juelich.com

Angeklagte Tuba S.: "Nehmt mich fest, ich hab ihn umgebracht"

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Sonntag, 04.02.2018   07:56 Uhr

Die Frau, die eine Gefahr für die Allgemeinheit sein soll, freut sich. Tuba S. sieht ihre Familie wieder, als sie erstmals den Sitzungssaal 207 des Landgerichts Gießen betritt: Zuschauerraum, zweite Reihe, zwei Verwandte weinen. Sie lächelt; zuwinken kann sie ihnen nicht, ihre Hände sind auf dem Rücken gefesselt. Es ist der 17. Januar 2017, Prozessauftakt, die Anklage lautet: dreifacher Mord.

Tuba S. versteckt sich nicht hinter einem Aktenordner oder hinter ihren Verteidigern vor den Blicken und den Fotografen. Aufrecht steht sie da, fester Blick, als wollte sie der 5. Großen Strafkammer, dem Staatsanwalt und den Besuchern im Saal sagen: Ich habe nichts zu verbergen, ich habe nichts getan.

Ein Jahr später, derselbe Gerichtssaal, ein anderes Bild. Tuba S., 36, lächelt nicht mehr. Regungslos hört sie am Dienstag zu, als die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze das Urteil begründet. Ihre Mutter, ihre Freundinnen werden später auf dem Flur vor dem Saal schreien und weinen. Das Gericht verurteilt Tuba S. zur höchsten Strafe, die ein deutsches Schwurgericht verhängen kann: lebenslange Haft unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld mit anschließender Unterbringung in Sicherungsverwahrung.

Wird dieses Urteil rechtskräftig, ist Tuba S. eine der wenigen Frauen, die in Sicherungsverwahrung kommen, nachdem sie die Haftstrafe verbüßt haben. Derzeit sind mehr als 500 Männer, aber nur eine Frau so untergebracht. Tuba S. sei voll schuldfähig, sagt die Richterin: "Sie wusste bei jeder Tat, was sie tat."

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