Politik

Türkischer Offizier im deutschen Asyl

"Ich darf eigentlich mit niemandem reden. Erdogans Leute sind überall"

Die türkische Justiz sucht ihn als einen der Anführer des Putsches gegen Erdogan, deutsche Behörden gewährten ihm Asyl: Hausbesuch bei Oberst Ilhami P.

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Festgenommene Soldaten nach Putschversuch in Istanbul im Juli 2016

Von , und
Dienstag, 06.02.2018   08:20 Uhr

Der Staatsfeind der Türkei kommt in Hausschuhen und Unterhemd an die Tür, er trägt einen grauen Dreitagebart. Nur einen Schlitz breit öffnet Ilhami P. an einem kalten Januartag die Wohnungstür im ersten Stock eines Fachwerkhauses, irgendwo in der westdeutschen Provinz. Draußen hat es gerade angefangen zu schneien. "Ich darf eigentlich mit niemandem reden", sagt P. leise, "Erdogans Leute sind überall." Nach ein paar Worten in brüchigem Englisch wechselt er ins Türkische.

Der Besuch macht P. nervös. Immer wieder fragt er, wie man ihn und seinen Sohn überhaupt gefunden habe. "Die Polizei und der Verfassungsschutz haben mir versprochen, dass wir hier in Deutschland sicher sind", sagt er. Aber es wird halt viel geredet über neu Zugezogene. Gerade in Kleinstädten.

Zwar ist P. in gut anderthalb Jahren auf der Flucht etwas grauer geworden, trotzdem ist er anhand der Fahndungsfotos, die im Internet kursieren, noch immer leicht als einer der meistgesuchten Feinde des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu erkennen.

Die Regierung in Ankara hält P., einen Oberst des türkischen Militärs, für einen der Anführer des gescheiterten Putschversuchs vom 15. Juli 2016. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihm Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Landesverrat vor. Die türkischen Medien nennen ihn den "Terrorkommandanten". In Ankara hat der Prozess begonnen, mit viel Presserummel. Doch auf der Anklagebank fehlen die wichtigsten Angeklagten. Seit Monaten beschäftigt der schmächtige Mann im Fachwerkhaus die deutsche und die türkische Regierung auf höchster Ebene.

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Nicola Abé, Selina Bettendorf, Simon Hage, Hannah Knuth, Michael Sauga, Cornelia Schmergal und Jan Schulte

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