Wissenschaft
Ausgabe
3/2018

"Dritte-Mann-Phänomen"

Warum Bergsteiger so oft Geister sehen

Mediziner haben die Halluzinationen von Bergsteigern systematisch untersucht. In großer Höhe gesellen sich gern wispernde Gespenster zur Seilschaft - mit teils furchtbaren Folgen.

Tournaire Pascal / ASA / picture-alliance / DPA

Alpinist auf dem Mount Everest in Nepal

Von
Donnerstag, 18.01.2018   04:10 Uhr

An einem Septembertag im letzten Jahr machte sich Sergio Zigliotto auf den Weg, den Gipfel des Manaslu zu erklimmen, des mit 8163 Metern achthöchsten Berges der Erde. Gegen ein Uhr in der Frühe verließ der Italiener das Camp, gut 700 Meter unterhalb des Gipfels im Himalaja. Im Stockdunkeln stapfte er bergan, durch Schnee und Eis. Dann begann der Höhenwahn.

"Nach etwa zwei Stunden war ich überzeugt, durch einen Wald zu laufen", erinnert sich Zigliotto, "ich kam an Berghütten vorbei; plötzlich hörte ich lautes Donnern." Trotz sternenklaren Himmels sah der Bergsteiger Blitze. "Und ich war über jemanden verärgert, der neben mir lief; er wärmte mir nicht meine kalten Füße."

Zigliotto beschreibt die Symptome einer höhenbedingten Psychose. Bergsteiger, die auf über 7000 Meter klettern, berichten häufig über Wahrnehmungsstörungen. Forscher der Universität Innsbruck und des Eurac-Forschungszentrums in Bozen haben das Phänomen nun untersucht.

Die Mediziner analysierten 83 Berichte von Bergsteigern. Ihre Erkenntnisse: Wer in großer Höhe halluziniert, ist nicht zwangsläufig krank oder verrückt. Und: Auf dem Rückweg, weiter unten am Berg, ist meistens alles wieder in Ordnung.

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Aus dem SPIEGEL

Heft 3/2018
Im Zeitalter von Feuer und Zorn
 

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