DER SPIEGEL
Ausgabe
32/2016

Falsche Retter

Wie hilfsbereite Menschen Tierbabys gefährden

Jetzt im Sommer wimmelt es in der Natur von Eichhörnchenbabys, Jungvögeln, Feldhasenkindern. Manchen Tierchen wird ihre Niedlichkeit zum Verhängnis - weil selbst ernannte Retter ihnen helfen wollen: oft mit tödlichen Folgen. Von Julia Koch

Sonntag, 07.08.2016   14:02 Uhr
NABU

Verwaistes Igeljunges im Nabu-Artenschutzzentrum Leiferde

Bärbel Rogoschik ist Biologin, und sie dachte, sie habe einen Beruf gewählt, der mit Tieren zu tun hat. Jetzt stellt sich heraus, dass sie bei einer Studienberatung ebenso gut "was mit Menschen" hätte ankreuzen können. Die muss sie nämlich erziehen, das ist ihr Alltag. Sie muss ihnen beibringen, Tiere am Leben zu lassen.

Rogoschik leitet für den Naturschutzbund Deutschland im niedersächsischen Leiferde ein Artenschutzzentrum. Und gerade zerrt der Job ziemlich an ihren Nerven. "Mehr geht echt nicht", sagt sie und muss schon wieder los, einen kranken Storch versorgen.

Allein im Juni und im Juli kamen 650 Jungtiere in die Station: Verletzte oder verwaiste Mauersegler, Amseln, Schwalben, Störche, Eulen, Turmfalken, Iltisse, Hermeline und ein Fuchs gehören gegenwärtig zu Rogoschiks Schützlingen. An manchen Tagen müssen sie und ihr Team 5000 Fütterungen abarbeiten.

Denn Scharen von selbst ernannten Rettern stellen in freier Natur Tieren nach - in guter Absicht, aber oft mit tödlichen Folgen.

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insgesamt 6 Beiträge
genutztername 07.08.2016
1. Lobenswerter Aufruf
auch wenn ich ihn nicht gelesen habe. Allerdings wäre es sinnvoller gewesen, diesen Artikel im März zu bringen, denn entgegen dee erwähnten Zeitraumes, werden die Jungen meisten der genannten Tierarten im Frühling gesetzt und [...]
auch wenn ich ihn nicht gelesen habe. Allerdings wäre es sinnvoller gewesen, diesen Artikel im März zu bringen, denn entgegen dee erwähnten Zeitraumes, werden die Jungen meisten der genannten Tierarten im Frühling gesetzt und aufgezogen. Der kritische Zeitraum für "gefundene Tierbabys" ist also in erster Linie von April bis Juni.
mwegner3 07.08.2016
2. Kosenpflichtiger Artikel?
Wenn euch wirklich etwas daran liegt, das Verhalten von Menschen zu ändern und Tierbabys zu schützen, wieso ist dann nur dieser Artikel kostenpflichtig? So werden wohl sehr viele eurer hilfsbereiten Leser weiterhin vielen [...]
Wenn euch wirklich etwas daran liegt, das Verhalten von Menschen zu ändern und Tierbabys zu schützen, wieso ist dann nur dieser Artikel kostenpflichtig? So werden wohl sehr viele eurer hilfsbereiten Leser weiterhin vielen Tierbabys den Tod bringen. Macht das doch bei anderen Artikeln, die nur der Information dienen und nicht Leben retten können.
Jasro 07.08.2016
3. Und auch hier...
...gilt wieder das Zitat von Kurt Tucholsky (1890-1935): "Das Gegenteil von 'gut' ist nicht 'böse' sondern 'gut gemeint'."
...gilt wieder das Zitat von Kurt Tucholsky (1890-1935): "Das Gegenteil von 'gut' ist nicht 'böse' sondern 'gut gemeint'."
Grorm 07.08.2016
4.
Ich las den Artikel auch nicht, ich wollte mich nicht irgendwo anmelden Aber sollte es heissen, man könne keine Jungvögel anfassen, so ist das absolut falsch. Meine Mutter zog einmal ein ganzes Gelege Gartenrotschwänzchen [...]
Ich las den Artikel auch nicht, ich wollte mich nicht irgendwo anmelden Aber sollte es heissen, man könne keine Jungvögel anfassen, so ist das absolut falsch. Meine Mutter zog einmal ein ganzes Gelege Gartenrotschwänzchen auf (das Nest war in einem Neubau in der Nähe, in dem über Winter nicht gearbeitet worden war und die Vögel früher da waren als die Arbeiter - diese brachten das Nest zu ihr, weil sie eh schon bekannt dafür war, Wildvögel aufzupäppeln und die Arbeiter wollten gerne, dass sich jemand um die kleinen Vögelchen kümmerte). Als die Jungen alt genug waren, stellten wir sie im Käfig auf den Balkon. Und dann kamen die Elterntiere und fütterten allen Ernstes ihre Jungen, die sie immerhin gute 4 Wochen nicht mehr gesehen hatten, durch die Gitterstäbe. Es waren 5 Stück, die wir dann freiliessen, als sie fliegen konnten. 3 blieben in der Natur, 2 kehrten wieder zurück und setzten sich in ihren Käfig. Voilà, 2 Haustiere mehr! Seitdem hebe ich jeden Jungvogel, der auf dem Boden sitzt, auf und setze ihn wieder auf einen Baum und diese Vögelchen wurden bisher *immer* von ihren Eltern wieder angenommen ...
parrotadvice4u 07.08.2016
5. Jedes Jahr.....
werden alle im Garten gefundenen Jungvögel, alle der Art entsprechend in einen jeweiligen Käfig gesetzt, an der Stelle wo Sie gefunden wurden. Die Käfige werden mit Sitzstangen ausgestattet und haben ein Dach um Regen [...]
Zitat von GrormIch las den Artikel auch nicht, ich wollte mich nicht irgendwo anmelden Aber sollte es heissen, man könne keine Jungvögel anfassen, so ist das absolut falsch. Meine Mutter zog einmal ein ganzes Gelege Gartenrotschwänzchen auf (das Nest war in einem Neubau in der Nähe, in dem über Winter nicht gearbeitet worden war und die Vögel früher da waren als die Arbeiter - diese brachten das Nest zu ihr, weil sie eh schon bekannt dafür war, Wildvögel aufzupäppeln und die Arbeiter wollten gerne, dass sich jemand um die kleinen Vögelchen kümmerte). Als die Jungen alt genug waren, stellten wir sie im Käfig auf den Balkon. Und dann kamen die Elterntiere und fütterten allen Ernstes ihre Jungen, die sie immerhin gute 4 Wochen nicht mehr gesehen hatten, durch die Gitterstäbe. Es waren 5 Stück, die wir dann freiliessen, als sie fliegen konnten. 3 blieben in der Natur, 2 kehrten wieder zurück und setzten sich in ihren Käfig. Voilà, 2 Haustiere mehr! Seitdem hebe ich jeden Jungvogel, der auf dem Boden sitzt, auf und setze ihn wieder auf einen Baum und diese Vögelchen wurden bisher *immer* von ihren Eltern wieder angenommen ...
werden alle im Garten gefundenen Jungvögel, alle der Art entsprechend in einen jeweiligen Käfig gesetzt, an der Stelle wo Sie gefunden wurden. Die Käfige werden mit Sitzstangen ausgestattet und haben ein Dach um Regen draußen zu halten und sind in etwa 2 Metern Höhe angebracht neben einem Busch, Baum etc.. Die Sitzstangen ragen durch die Gitter durch, damit die Eltern Vögel die Jungen von außen weiter füttern können. Manchmal muss ich die ersten Tage zufüttern, in den meisten Fällen jedoch nicht, da dies die Eltern erledigen. Sehe ich die Jungvögel können von Sitzstange zu Sitzstange fliegen und nehmen eigenständig Futter im Käfig auf, dann ist auch der Zeitpunkt gekommen den Käfig zu öffnen. Dann übernehmen die Eltern auch weiter die "Erziehung" im Garten. Lediglich bei Saatkrähen und Dohlen, die auch in meinem Garten nisten, sind die Käfige etwa 6 Meter vom Boden angebracht, da deren Eltern NICHT weiter runter kommen in meinem Garten. Klappt wunderbar und ja, alle Arten werden dementsprechend Ihrer Art gefuttert. Ach so bin Vogel Biologe.
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